Glühwein an jeder Ecke, Feuershows, fliegende Sägespäne und offene Geschäfte: Die Lange Nacht hatte einiges zu bieten. Und sie war für viele Einzelhändler ein Erfolg. Nicht nur die Altstadt lebte, auch nach Brodswinden zog es die Menschen.
Zwischen den Weihnachtsmarkt-Buden flanierten die Besuchenden eng aneinander. Im Brücken-Center profitierten die Geschäfte von der großen Masse, und auch in der Neustadt war Bewegung. „Man hat gemerkt, dass mehr Verkehr war”, sagte Elke Knöbl, Eigentümerin der Goldschmiede Knöbl, am Sonntag auf Nachfrage. Im Vergleich zu den Vorjahren hätte sie „deutlich eine Verbesserung gesehen” – vor allem mit Blick auf die Veranstaltung im Juli.
„Irgendetwas Lautes, Großes, Imposantes.”
Der Erfolg sei vor allem der Schmiedeweihnacht und den Feuershows vor dem Eiscafé Rialto geschuldet. Knöbl findet, dass „das schöne Erlebnis drumherum entscheidend ist, nicht das Einkaufen selber”. Sie gerät ganz ins Schwärmen. „Da ging ja voll die Party ab”, sagte sie über die Feuershows.
Für nächstes Jahr wünscht sie sich noch mehr solcher Angebote in der Stadt verteilt, zum Beispiel am Herrieder Tor. „Irgendetwas Lautes, Großes, Imposantes.” Dort, wo etwas geboten wird, profitierten auch die Geschäfte mehr.
Wie wichtig diese besonderen Aktionen sind, weiß auch Daniel Stiegler, Geschäftsführer der Baugeräte-Union (BGU) in Brodswinden. „Wir haben absolute Randlage, nicht mit Rabatten geschmissen, und das Haus war voll.” Das Unternehmen lockte zum Beispiel mit einem Motorsägenkünstler, der vor den Augen der Besuchenden eine Eule schnitzte. Innen im Gebäude hat zudem ein Holzhandwerker an der Drechselbank sein Können gezeigt. „Wenn die Späne fliegen, das finden die Leute toll”, sagte Stiegler.
Außerdem gab es die Möglichkeit, Kerzenständer aus Holz zu flambieren oder durch den Gartencenter zu schlendern. „Unser Cocktail-Mann hatte sehr gut zu tun”, ergänzte der Geschäftsführer.
Der Plan sei es gewesen, Menschen von außerhalb in die Filiale zu locken. Und nicht, um an diesem Abend das große Geschäft zu machen. Vielmehr sei es eine Chance gewesen, Kunden zu gewinnen. „Wir hoffen, dass wir dadurch künftig profitieren können.”
Stiegler war am Abend selbst mit seiner Familie in der Ansbacher Innenstadt. „Potenzial wäre noch da”, sagte er. Er hofft auf ein Umdenken der Innenstadthändler. Darauf, dass beim nächsten Mal mehr Geschäfte offen haben und auch zu einheitlichen Zeiten schließen – nicht alle hatten bis 22 Uhr offen. Überraschenderweise beteiligten sich auch Filialen, die nicht angekündigt waren.
Elke Knöbl erklärt das damit, dass viele Geschäfte nur wenig Personal haben. Abends stünden dieselben Personen im Laden wie zu den normalen Öffnungszeiten. Das sei anstrengend, und es lohne sich nicht für jeden. Stiegler ist der Ansicht, das sollte man als Besitzer zweimal im Jahr in Kauf nehmen. „In der Zeit, wo man da ist, ist man das mit Herz und Seele”, so Knöbl. „Aber man hat ja nur sich” als Inhaber und Inhaberin eines kleineren Geschäftes.
Bereits zur Mittagszeit glänzte die Stadt Ansbach mit weihnachtlichen Angeboten. Die Einzelhändler legten sich ins Zeug. Wer durch die Straßen der Altstadt lief, wurde an einer Ecke von einem Popcorn-Stand überrascht. Ein paar Meter weiter gab es Glühwein an den Geschäften, und ein Engel verteilte Süßigkeiten an die Kinder. Viele der Einzelhändler bieten das generell während der Adventszeit an, sagte Knöbl. Andere extra für die Lange Einkaufsnacht. Sogar im nahegelegenen Supermarkt saß der Weihnachtsmann zwischen den Süßigkeiten-Regalen.
Als Sprecherin der Einzelhändler in der Neustadt weiß Knöbl, dass an diesem Wochenende ein guter Umsatz verzeichnet worden sei. Das Stimmungsbild fällt trotzdem unterschiedlich aus.
Zufrieden wirkten die Geschäfte im Brücken-Center, sagte Selina Herzog, Leiterin des Marketings. Von sanften Klavierklängen wurden die Besuchenden dort am Samstagabend begrüßt. Alle Geschäfte waren bis 22 Uhr geöffnet, und der Andrang war groß. „Insgesamt kann man sagen, dass das wirklich gut angenommen wurde.” Vor allem am Nachmittag gegen 17, 18 Uhr gab es einen Aufschwung, sagte Herzog.
Die Lange Nacht habe gezeigt, dass die Menschen etwas geboten haben wollen beim Einkaufen, meint Herzog. Das Brücken-Center sei aktuell mit seinen Weihnachtsaktionen wie der Eisenbahn und dem kleinen Weihnachtsmarkt im Außenbereich „ganz schön gut abgedeckt”. Auch im nächsten Jahr will sich das Shoppingzentrum wieder an der Langen Einkaufsnacht beteiligen, so Herzog. Vielleicht sei das sogar schon im Frühling möglich. „Es war schön, zu sehen, dass in der Stadt, aber auch bei uns im Brücken-Center etwas los war.”