„Leben wie Gott in Franken”: Der Weintourismus boomt in Westmittelfranken | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 23.10.2025 10:00

„Leben wie Gott in Franken”: Der Weintourismus boomt in Westmittelfranken

Solche Szenen mit Weinbautechniker Andreas Hopfengart (links) sind typisch, wenn Touristinnen und Touristen durch die Weinberge geführt werden. Auf dem Foto erläutert er gerade die Charakteristika der Rotweinrebsorte Blauer Zweigelt. (Foto: Kurt Güner)
Solche Szenen mit Weinbautechniker Andreas Hopfengart (links) sind typisch, wenn Touristinnen und Touristen durch die Weinberge geführt werden. Auf dem Foto erläutert er gerade die Charakteristika der Rotweinrebsorte Blauer Zweigelt. (Foto: Kurt Güner)
Solche Szenen mit Weinbautechniker Andreas Hopfengart (links) sind typisch, wenn Touristinnen und Touristen durch die Weinberge geführt werden. Auf dem Foto erläutert er gerade die Charakteristika der Rotweinrebsorte Blauer Zweigelt. (Foto: Kurt Güner)

Der Weintourismus boomt. Am meisten stieg das Interesse an fränkischen Weinbaugebieten. Für Westmittelfranken fehlen zwar genaue Zahlen. Aber auch hier deutet vieles auf eine Aufwärtsentwicklung hin.

Der Trend für ganz Franken ergibt sich etwa aus Erhebungen der Buchungsplattform Airbnb. „Von allen betrachteten Weinbaugebieten verzeichnete die Region Franken ein überdurchschnittlich hohes Wachstum mit einem Anstieg der Suchanfragen um fast 44 Prozent zwischen 2023 und 2025.“ Dies erläuterte Charleen Günther von der PR-Agentur, die im Auftrag des US-Unternehmens über die Auswertungen berichtete.

Die Zahlen beziehen sich ausschließlich auf private Unterkünfte, insbesondere auf Ferienwohnungen. Doch Weinurlaub per Wohnmobil, wie überhaupt das Reisen mit fahrbarem Domizil, wird ebenfalls immer beliebter. Eines der Beispiele für entsprechende regionale Angebote ist das Weingut Markus Meier in Ulsenheim (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim).

„Weinerlebnisse“: Diese sollen im Mittelpunkt stehen, so Markus Meier, wenn sich Touristinnen und Touristen nahe der Ulsenheimer Weinberge beim Lehrpfad „Natur und Wengert“ entspannen – und den einen oder anderen Tropfen genießen. Zum Verständnis: „Wengert“ ist das fränkische Wort für Weinanbau oder Weinberg.

Geschmackliche Ausprägungen genossen

Zu den Gästen auf dem Wohnmobilstellplatz des Weinguts zählten Renate (68) und Matthias Kaufmann (67) aus dem Raum Frankfurt am Main. Ihre Ziele bei einer Urlaubstour waren, wie das Ehepaar der FLZ schilderte, „zwei Bioweingüter, die wir in einem speziellen Winzeratlas gefunden hatten“. Nach einer ersten „Weinstation“ in Wertheim steuerten sie ihr Wohnmobil nach Ulsenheim.

„Wir bekamen eine hochinteressante Einführung in die verschiedenen Lagen des Weinguts, und wir genossen die geschmacklichen Ausprägungen bei einer ausführlichen Weinprobe, bei der Renate Meier, die Mutter des Winzers, Empfehlungen für korrespondierende Speisen gab“, so Renate Kaufmann.

Das nächste Ziel der beiden war, fernab von Weinbergen, der Wohnmobilstellplatz in Merkendorf im Kreis Ansbach. Von dort aus rundeten sie, etwa mit Ausflügen zum Hesselberg und nach Dinkelsbühl, ihre Frankentour ab. Ihr Fazit fällt sehr positiv aus: „Diese Reise war ein Volltreffer. Ruhige Nächte zwischen Rebstöcken, gute Gespräche, großartige Weine – so schmeckt Freiheit auf Rädern.“ Und ihr Rat für andere Urlauber lautet: „Einfach mal beim Winzer anklopfen.“

Schon rund ein Viertel des Umsatzes

„Für uns macht das Thema Weintourismus und Wein-Events mittlerweile schon rund ein Viertel unseres Umsatzes aus“, betont Markus Meier, der Inhaber des von dem Ehepaar besuchten Weinguts. Und er bestätigte einen Aufwärtstrend: „Dieses Jahr ist es sehr gut gelaufen. Ich denke, wir haben von Ende April bis Oktober jedes Wochenende im Schnitt zwischen einem und drei, an Hotspots auch einmal vier, fünf Wohnmobile da gehabt.“

Seine Gäste ohne Wohnmobil suchen sich eine Unterkunft in Ulsenheim oder etwa in einem Hotel in Bad Windsheim, mit dem sein Betrieb kooperiert. Wichtig sei eine gute Vernetzung mit anderen regionalen touristischen Angeboten: „Die Leute wollen ein Gesamtpaket haben. Sie möchten nicht nur Wein kaufen, sie möchten Wein trinken, Wein erleben ebenso wie kulinarische und andere Events wie Weinfeste.“ Es sei wichtig, dass verschiedene Betriebe so zusammenspielen, „dass die Leute Bock haben, hierherzukommen und länger zu verweilen“.

Er, so Meier, sehe einen Trend zum regionalen Tourismus, „du bist nach zwei Stunden da, du musst nicht weit in den Süden fahren, du bist auch schnell wieder daheim“. Für das eingesparte Geld, das man sonst für die weite Reise „verballert“, meint der Betriebsinhaber, „da kannst du hier leben wie Gott in Franken“.

Bedeutung sieht man auch an Zahlen

Regional gibt es eine Vielzahl weiterer Angebote für Weintouristen. Regina Bremm, die Geschäftsführerin des Tourismusverbands Romantisches Franken, verwies etwa auf die Räume Rothenburg, Adelshofen und Simmershofen. Sie erwähnte zudem den Tauberzeller Weinwanderweg und ergänzte: Dort gebe es „für durchreisende Gäste und Radfahrer“ nun auch „eine neue Raststation mit Getränkeautomat. Dort können auch die örtlichen Weine erworben werden“.

In Rothenburg werden, so Bremm, Führungen durch den Weinberg am Fuße der Stadtmauer und Weinproben angeboten. Zudem sei das Rothenburger Weinfest neu in die ausgesuchten Weinfeste der Tourismuswerbung „Wein Schöner Land“ aufgenommen worden.

Michael Zehnder, der Pressereferent der Gebietsweinwerbung Frankenwein-Frankenland GmbH mit Sitz in Würzburg, erläuterte: „Das Weinanbaugebiet Franken erfreut sich großer Beliebtheit bei Nah- und Fernreisenden. Die reizvolle Weinkulturlandschaft, zahlreiche Einkehrmöglichkeiten in Weingütern, Vinotheken und Heckenwirtschaften sowie das vielfältige Angebot an Weinfesten, Weinwanderungen und regionaler Gastronomie machen Franken zu einem attraktiven Ziel für Genießer und Urlauber.“

Die Bedeutung des Weintourismus sehe man auch an Zahlen, so Zehnder: „2024 lag der Umsatz der fränkischen Winzer bei rund 300 Millionen Euro durch den Weinverkauf. Beim Weintourismus sind etwa 3,9 Milliarden Euro umgesetzt worden.“


Von KURT GÜNER
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