Der Stadtrat hat mit großer Mehrheit einen Grundsatzbeschluss gefasst, um drei Häuser in der Altstadt und ein weiteres in der Gemarkung Brunst zu verkaufen.
Konkret geht es um das Wohn- und Geschäftshaus Am Markt 9, schräg gegenüber vom Rathaus, um das Wohnhaus am Ochsenhof 1 und um das Zweifamilienhaus in der Kirchengasse 5 sowie um jenes am Kirchbuck 5. Die Verwaltung hat für die Sitzung des Stadtrates Marktwerte ermittelt und den baulichen Zustand erfasst. Es handle sich nicht um das „städtische Tafelsilber”, stellte Beate Boch (SPD/Bürgerforum) fest. „Drei von den vier Häusern sind stark sanierungsbedürftig.”
Für die Stadt seien umfangreiche Sanierungsmaßnahmen „auch langfristig” nicht zu stemmen, sagte Bauamtsleiter Markus Schmitt. Speziell die Anwesen in der Kirchengasse und Am Ochsenhof seien in einem „sehr schlechten Zustand”, befand er. Auch Am Markt 9 „müssen wir ständig Reparaturen durchführen”. Bürgermeister Markus Liebich (SPD/Bürgerforum) gab zu bedenken: „Wenn jemand investiert, tut er etwas für die Stadtentwicklung. Wir sollten uns von den Gebäuden trennen, um die Last weg zu haben.”
Für das Anwesen in der Kirchengasse 5 gebe es einen Interessenten, der sogar schon ein grobes Konzept entwickelt habe. Auch für das Haus Am Ochsenhof 1 habe jemand Interesse gezeigt und sich bereits mit der Regierung von Mittelfranken wegen möglicher Zuschüsse in Verbindung gesetzt, so Schmitt.
Die Verkaufs-Idee stieß auf viel Zustimmung im Stadtrat. Harald Kapp (SPD/Bürgerforum) nannte es eine gute Idee, Anlagevermögen zu verkaufen, um sich zu entschulden. Raimund Walz (CSU/FW) betonte: „Auch das gehört zu einer Haushaltskonsolidierung dazu.” Ähnlich äußerte sich Renate Götzenberger (Grüne/ALL). „Wenn keine Aussicht besteht, dass wir selbst etwas daraus machen können, sollten wir es jemand anderem geben.” Vor allen Dingen dann, wenn die Einnahmen zweckgebunden in die Sanierung der Grundschule fließen.
Bürgermeister Liebich warnte davor, das Geld gedanklich jetzt schon wieder auszugeben. „Wir werden geraume Zeit brauchen, um die Immobilien zu verkaufen.” Und für die anstehende „Millionensanierung der Grundschule” wären die zu erzielenden Einnahmen „nur ein Tropfen auf den heißen Stein”. Erwin Heidenfelder (SPD/Bürgerforum) pflichtete ihm bei: „Große Summen kann man sich abschminken.”
Kritisch äußerte sich hauptsächlich Harald Domscheit. Als Architekt verwies er auf die Bedeutung der Gebäude für die Stadtentwicklung Leutershausens. „Bei einem Verkauf wissen wir nicht, was im direkten Umfeld des Museums passiert”, sagte er beispielsweise mit Blick auf das Haus Am Ochsenhof. Das Wohn- und Geschäftshaus Am Markt böte sich für eine öffentliche Nutzung im Erdgeschoss an. Auch sei die Stadt froh gewesen, das Gebäude zu haben, als eine Familie kurzfristig untergebracht werden musste.
Domscheit schlug einen etwas anderen Weg vor: Statt die Gebäude einfach zu verkaufen, sollte die Stadt zunächst Planungs- und Nutzungskonzepte erstellen. Im Kaufvertrag könnte man eine Umsetzung zur Auflage machen. Hier hatte er die Zustimmung seiner Fraktionskollegin Renate Götzenberger. „Die Gebäude haben einen Wert über den finanziellen hinaus.” Es müsse deshalb sichergestellt werden, dass die Häuser erhalten bleiben und hergerichtet werden. Das sollte aus ihrer Sicht auch im Beschluss vermerkt werden. „Wenn eines der Häuser einmal verkauft ist, können wir keine Bedingungen mehr stellen.”
Markus von Eyb (CSU/FW) hielt der Idee eines Verkaufs mit einem vorher entwickelten Nutzungskonzept entgegen: „Die Kernkompetenz der Bauverwaltung liegt nicht in der Immobilienentwicklung.” Wenn es zu starre Vorgaben gebe, finde sich kein Käufer.
Das Anwesen Am Markt 9 habe die Stadt ursprünglich gekauft, um dort das Heimatmuseum unterzubringen, erinnerte Raimund Walz (CSU/FW). Er fragte, welche Alternativen es als mögliche Museumsstandorte gebe. Bürgermeister Liebich verwies darauf, dass die Stadt noch weitere Immobilien im Bereich der Altstadt erworben hat. Fürs Heimatmuseum könne er keine „100-prozentige Lösung” anbieten, doch das Gebäude gegenüber des Rathauses eigne sich nach seinem Dafürhalten nicht wirklich für diesen Zweck.
Gegen die Stimmen von Harald Domscheit und Renate Götzenberger sprach sich der Stadtrat für den Verkauf der vier Immobilien aus.
Das Anwesen Am Ochsenhof 1 wurde urkundlich erstmals im Jahr 1602 erwähnt. Es steht unter Ensembleschutz in der Altstadt. Bauliche Maßnahmen sind damit nur in Abstimmung mit dem Denkmalschutz zulässig. Das Grundstück ist 198 Quadratmeter groß. Es gehörte einst der Wohltätigkeitsstiftung und wurde im Februar 2023 an die Stadt Leutershausen verkauft. Momentan ist es ungenutzt und es liegen Bauschäden vor.
Das Zweifamilienhaus in der Kirchengasse 5 wurde 1751 errichtet. Es diente früher als Schulhaus und verfügt über 192 Quadratmeter Wohn- und 135 Quadratmeter Nutzfläche. Der Grund ist etwa 180 Quadratmeter groß. Es steht ebenfalls unter dem Ensembleschutz der Altstadt. Laut Gutachten ist der Erhaltungszustand schlecht, ohne Investitionen kann es nicht genutzt werden.
Das Wohn- und Geschäftshaus Am Markt 9 wurde 1978 gebaut. Bis 2020 war dort ein Elektrofachgeschäft. Laut Gutachten sind bis zu vier Wohnungen möglich. Die Wohnflächen summieren sich auf 245 Quadratmeter, hinzu kommen 121 Quadratmeter Nutzfläche.
Das Haus Kirchbuck 5 in Weißenkirchberg stammt aus dem Jahr 1960. Die beiden Wohnungen haben zusammen 199 Quadratmeter Fläche. Laut dem Gutachten besteht auch hier ein hoher Reparatur- und Modernisierungsbedarf. Das Grundstück ist mehr als 3600 Quadratmeter groß.