Vor 80 Jahren wurde der junge Widerstandskämpfer Robert Limpert auf dem Martin-Luther-Platz von den Nationalsozialisten ermordet, nachdem er versucht hatte, die Stadt vor weiteren Zerstörungen zu bewahren. Ein Theaterstück des freien Ensembles Spiel.Werk erzählt nun seine Geschichte. „Limpert – 20 Minuten Frühling” lautet der Titel.
Die Stadt Ansbach hat eine umfangreiche Veranstaltungsreihe konzipiert, um 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges an dessen Schrecken und die Gräueltaten der Nazis zu erinnern. In den vergangenen Monaten gab es Gedenkstunden und Kunstaktionen, Lesungen, Flashmobs und Ausstellungen. Ein eindringlicher Höhepunkt soll nun die Theaterproduktion zum Thema Robert Limpert werden. Sie ist eine Kooperation des Spiel.Werk-Teams mit dem Gymnasium Carolinum, an dem Limpert einst Schüler war. Die Schule ist nicht nur Aufführungsort des Stückes, sondern mit dem etwa 40-köpfigen Kammerchor unter der Leitung von Franziska Argmann und weiteren Mitwirkenden auch aktiv beteiligt.
Das Theaterstück schrieb der Autor Florian Bald, der vor rund drei Jahrzehnten am Carolinum Abitur gemacht hat und nun in Berlin lebt. Florian Bald arbeitete ebenso wie der Ansbacher Stefan Kammerer, Komponist und musikalischer Leiter bei der Produktion, bereits mehrfach mit Spiel.Werk zusammen. Regie führt Daniela Aue. Der Titel des Stückes deutet an, dass an Limperts Todestag, am 18. April 1945, der Frühling in der Luft lag und die neue Zeit des Friedens kurz bevorstand. Und dass der fanatische Kampfkommandant Ernst Meyer die Hinrichtung des 19-Jährigen innerhalb weniger Minuten in einem Schnellverfahren vollzog.
An jenem 18. April legte Meyer dem jungen Limpert die Schlinge um den Hals, als die US-Truppen die Stadt Ansbach schon fast erreicht hatten. Der junge Mann hatte ein Telefonverbindungskabel der deutschen Wehrmacht gekappt, von dem er dachte, es verbinde den Gefechtsstand des Kampfkommandanten mit den vor der Stadt postierten Soldaten. So wollte er die Kommunikation unterbrechen und eine friedliche Übergabe Ansbachs möglich machen. Das Kabel war allerdings gar nicht mehr in Betrieb. Hitlerjungen beobachteten Limpert und verrieten ihn. Meyer setzte ein Standgericht ein, bei dem er selbst das Todesurteil sprach und eigenhändig vollstreckte.
In der Theaterproduktion wird Robert Limpert in verschiedenen Seinszuständen auftauchen: als Schüler, als Toter und als eine überzeitliche Gestalt, eine Art Seele. Auch Meyer erscheint, zudem eine erzählende Figur, die historische Bezüge herstellt. Der Chor wird zur Masse und ist szenisch eingebunden, was laut Daniela Aue durchaus bedrohlich wirken kann. Erzählt wird nicht chronologisch, sondern mit Rückblenden, mit „Blitzlichtern”, die Momente aus Limperts Leben beleuchten, wie die Regisseurin erklärt. Angelegt ist das Stück als Wandelheater: Ensemble und Chor bewegen sich mit dem Publikum durchs Schulhaus, gespielt wird an mehreren Stationen.
„Es geht um das Spannungsfeld zwischen Zivilcourage und politischer Unterdrückung”, führt Daniela Aue aus. „Verschiedene Erzählebenen sind miteinander verwoben, wobei nicht nur Gut und Böse, Schwarz und Weiß aufeinandertreffen. Vielmehr sollen sich die Zuschauerinnen und Zuschauer die Frage stellen, wo sie damals gestanden wären.” Gerade in der heutigen Zeit seien solche Fragen bedeutsam, betont Aue: „Wäre ich selbst mutig genug?”
Bei den Recherchen sei ihnen bewusst geworden, dass es einige Situationen gab, in denen Augenzeugen die Möglichkeit gehabt hätten, den jungen Mann zu retten, sagt Aue. Doch niemand habe Robert Limpert geholfen. Auch nicht, als der Henkerstrick zunächst riss und der 19-Jährige versuchte, davonzulaufen.
„Limpert – 20 Minuten Frühling“ sei „kein Geschichtstheater im herkömmlichen Sinne”, so Aue. „Es ist ein Stück über die Frage, wie wir heute leben wollen. Über die Verantwortung des Einzelnen in der Gesellschaft. Über die Fragilität der Menschlichkeit. Robert Limperts Geschichte – sein Mut, sein Scheitern, sein Tod – wird hier nicht verklärt, sondern in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit erzählt.” Das Stück gebe keine einfachen Antworten, aber es stelle „die richtigen Fragen”.
Am Carolinum sei Robert Limpert wegen seiner persönlichen Verbindung zu dem Gymnasium schon immer besonders präsent, meint Schulleiter Stefan Exner, der unter anderem Geschichte unterrichtet. „Mir liegt das Theaterprojekt am Herzen, weil es gerade in der aktuellen Situation sehr wichtig ist, das Thema hochzuhalten. Außerdem profitieren unsere Schülerinnen und Schüler sehr von der Chance, mit professionellen Schauspielerinnen und Schauspielern zusammenzuarbeiten.”
Nicht nur der Kammerchor der Schule wirkt mit, sondern auch die Tänzerin Luzia Aue und der Cellist Julius Uebelhör, die beide die Oberstufe am Carolinum besuchen. Ein weiterer junger Darsteller, Merlin Nestler, ist Schüler am Platen-Gymasium.
Geeignet ist das Stück für Menschen ab etwa 15 Jahren. Pro Vorstellung können rund 50 Zuschauerinnen und Zuschauer dabei sein. Die Premiere am Freitag, 10. Oktober, ist bereits ausverkauft.
Karten gibt es noch für die Vorstellungen am 11., 12., 16. und 17. Oktober jeweils um 19 Uhr sowie am 18. Oktober um 16 Uhr. Weitere Informationen unter info@spielwerk-an.de