London im Advent: Wenn die Stadt zum Festsaal wird | FLZ.de | Stage

arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 08.11.2026 05:41

London im Advent: Wenn die Stadt zum Festsaal wird

Ohne Dach auch zum Jahresende: Doppeldeckerbusse sind in London auf weihnachtlicher Stadtrundfahrt.  (Foto: Verena Wolff/dpa-tmn)
Ohne Dach auch zum Jahresende: Doppeldeckerbusse sind in London auf weihnachtlicher Stadtrundfahrt. (Foto: Verena Wolff/dpa-tmn)
Ohne Dach auch zum Jahresende: Doppeldeckerbusse sind in London auf weihnachtlicher Stadtrundfahrt. (Foto: Verena Wolff/dpa-tmn)

London im Dezember ist eigentlich eine Zumutung. Das Wetter kann sich nicht recht entscheiden, ob es nun weihnachtlich kalt sein will oder eher britisch-lau-feucht. Es wird spät hell und früh dunkel, manchmal wabert der Nebel nicht nur über der Themse, sondern sickert in die Straßen, die Tag und Nacht gut gefüllt sind. Und trotzdem lohnt sich die Reise.

Sie ist nicht so weit wie die zum großen Weihnachtsspektakel in New York City, verbindet aber, wozu man sonst in mehrere europäische Städte müsste: Behaglichkeit und Design wie in Kopenhagen, Luxus und Eleganz wie in Paris, das romantische Flair wie man es aus Straßburg kennen kann.

Sobald am Nachmittag die ersten Lichter angehen, verwandelt sich die britische Hauptstadt in eine Bühne: Kaufhäuser haben ihre Fassaden aufwendig geschmückt, Straßen leuchten, Schaufenster werden zu kleinen Märchenwelten. Aus den offenen Pub-Türen kommt Wärme, und das eine oder andere Christmas Carol, also Weihnachtslied, in die feuchte Winterluft. Drinnen wohnen Besucher unfreiwillig so mancher Weihnachtsfeier am Nebentisch bei.

Wer London vor Weihnachten besucht, braucht eine wasserfeste Jacke, bequeme Schuhe und eine gewisse Grundgelassenheit. Denn man ist nie allein. Und es kann in den Glühwein regnen. Aber es gibt auch Veranstaltungen, die es so wohl nirgendwo sonst auf der Welt gilt. Ein vorweihnachtlicher Guide.

Wo London besonders schön leuchtet

„Spirit of Christmas“ heißen die Engelsfiguren mit den unendlich vielen Lichtern, die über die Regent Street gespannt sind und die Straßen erhellen, sobald es am Nachmittag dämmert. In der Oxford Street, der wohl bekanntesten Einkaufsmeile Londons mit ihren bekannten Filialisten, ist alles etwas lauter und bunter. Wer am Oxford Circus nach links abbiegt und über die deutlich exklusivere Regent Street Richtung Piccadilly Circus schlendert, kann die Engel hoch über sich bestaunen. 

Und wer gern Geschichte und Geschichten zur Stadt hört, kauft sich ein Ticket für einen der Doppeldeckerbusse, auch im Dezember oben offen. Sie starten am Abend nahe dem Trafalgar Square und fahren in einer großen Runde die Lichtinstallationen ab. Mit Weihnachtsmusik und Live-Ansagen.

Die beleuchtete Fichte am Trafalgar Square, sie verdankt sich einer Völkerfreundschaft. Alljährlich, seit 1947, ist sie das Geschenk der Stadt Oslo an London. Ein Dank für die britische Unterstützung Norwegens während des Zweiten Weltkriegs, als König Haakon VII. und die norwegische Regierung nach London ins Exil gingen.

Wo London richtig gut klingt

Egal, wo man in London in den Adventswochen unterwegs ist - die Chancen stehen gut, dass an einer Straßenecke eine Gruppe steht und ein paar Weihnachtslieder zum Besten gibt. Zudem gibt es unzählige Konzerte vor den Feiertagen, etwa in der Saint Paul's Cathedral und der Westminster Abbey - die man im Übrigen auch als Tourist ganz regulär zu den Advents-Gottesdiensten besuchen kann.

Ein Highlight für alle, die nicht nur zuhören, sondern mitsingen wollen, ist „Carols at the Hall“. „The Hall“ ist die Royal Albert Hall, eine gewaltige, viktorianische Kuppelhalle in South Kensington und Schauplatz der weltbekannten „Proms“ im Sommer. Und im Winter?

Da kommt ebenfalls gepflegte Volksfeststimmung auf, wenn die weihnachtlichen Gassenhauer, „Hark! The Herald Angels Sing“, „Deck The Halls“, „O Come, All Ye Faithful“ jeweils mit mehreren Strophen, Orchester, Orgel, Chören und mehr als 5.200 Stimmen aus dem Publikum zum Erklingen kommen. Angeleitet wird das Spektakel wie das sommerliche Gegenstück vom jeweiligen Dirigenten des Abends.

Ein Extraschuss Bewegung kommt in das Konzert, wenn die „Twelve Days of Christmas“ im Programm stehen und der Saal in verschiedene Strophen-Sektionen eingeteilt wird. Der untere Rang ist bei den „Two Turtle Doves“ dran und dann wieder bei den „Seven Swans A-Swimming“, bei den „Three French Hens“ der Rang über ihnen.

Und den Refrain singen alle, fix im Stehen. Und dann, zwischen so viel Heiterkeit, ist es plötzlich ganz still und besinnlich auf den Sitzen - das Orchester spielt ein fast sphärisches Arrangement von „Stille Nacht“.

Wo die hübschen Weihnachtsgeschenke warten

Christmas ohne Shopping ist in London nahezu unmöglich. Harrods in Knightsbridge ist der wohl berühmteste Name, Fortnum & Mason in Piccadilly wahrscheinlich der britischste. In beiden Kaufhäusern toben sich die Designer jedenfalls alljährlich aus, es gibt Weihnachtsdekoration noch und nöcher, in ganz zurückhaltenden Varianten und in sehr lauten. Auch die Schaufenster sind einen Blick wert.

Für außergewöhnliche Geschenke lohnt es sich, in die kleineren Läden in Marylebone, Soho, Covent Garden oder Notting Hill zu schauen, wo es gut sortierte Buchhandlungen, Delikatessengeschäfte, Design- und Vintage-Läden sowie unabhängige kleine Boutiquen gibt. Auch hier ist manchmal ein bisschen Geduld gefragt. Denn es ist voll, vor allem an den Wochenenden.

Wo man zumindest kurz vorbeischauen sollte

Wer durch Knightsbridge Richtung Hyde Park geht, ist mittendrin im „Winter Wonderland“, Londons Weihnachtspark mit Fahrgeschäften, Eisbahn, Marktständen und Gastronomie. Eine echte Weihnachtskirmes. Es ist laut, bunt, überall gibt es etwas zu essen und zu trinken. Auch der Covent Garden ist einen Besuch wert, wenn über der Piazza riesige Christbaumkugeln hängen, Lichter funkeln und die Weihnachtsbäume geschmückt sind.

Der große Vorteil hier: Es gibt ein Dach. Bei trockenem Wetter hingegen lohnt sich ein Spaziergang von der Westminster Abbey Richtung South Bank - im Rücken das Parlament, die Uhrzeit verraten die Glockenschläge des Big Ben. Weiter am Ufer entlang stehen ebenfalls kleine Buden, ein weiterer Weihnachtsmarkt, der Southbank Centre Winter Market. 

Wo London sicher trocken und warm ist

Wenn die Wolken tief hängen oder die Füße schmerzen, ist die richtige Zeit für einen gemütlichen Afternoon Tea - oder einen Pub-Besuch. Mit Scones und Sandwiches oder einer dampfenden Pie oder frischen Fish and Chips. Wer bequeme Schuhe trägt und noch ein paar Schritte in sich hat, kann bei schlechtem Wetter eines der berühmten Museen der Stadt besuchen: die National Gallery etwa, die Tate Modern, das Victoria and Albert oder das British Museum sind schließlich alles andere als ein Schlechtwetterprogramm.

Links, Tipps, Praktisches: 

Reiseziel: London liegt im Südosten Englands an der Themse und ist mit rund neun Millionen Einwohnern die größte Stadt Großbritanniens. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten und Weihnachtsattraktionen verteilen sich über das Zentrum und die angrenzenden Viertel.

Anreise: Von Deutschland gibt es zahlreiche Direkt- und Billigflüge nach London, unter anderem nach Heathrow, Gatwick, Stansted und Luton. Mit dem Eurostar geht es außerdem direkt von Paris, Brüssel und Amsterdam nach London.

Einreise: Deutsche Staatsangehörige benötigen für die Einreise nach Großbritannien einen gültigen Reisepass. Für touristische Aufenthalte ist zudem eine elektronische Einreisegenehmigung (ETA) erforderlich, die vor der Reise online beantragt wird.

Währung: In Großbritannien wird mit dem Pfund Sterling bezahlt, das etwa 1,20 Euro entspricht. Kartenzahlung ist praktisch überall möglich.

Weitere Infos: visitlondon.com/things-to-do/whats-on/Christmas

© dpa-infocom, dpa:261108-930-961993/1


Von dpa
north