Die aktuell noch vorgehängte Betonfassade der Markgrafenhalle hat Risse und genügt den gesetzlichen Anforderungen an die Dämmung schon lange nicht mehr. Deshalb muss sie weg. Durchaus überraschend – vor allem eingedenk der Kassenlage – entschied der Stadtrat am Mittwochabend, sie durch die vom Planer favorisierte Variante zu ersetzen.
Neustadts Markgrafenhalle (MGH), Sporttempel und größte Veranstaltungshalle der Kommune, wird aktuell bekanntlich umfassend saniert. Der Brandschutz ist bereits erledigt, der erste Bauabschnitt der inneren Aufhübschung und Modernisierung ist ebenfalls so gut wie abgeschlossen und der zweite der insgesamt drei Abschnitte hat mit Abbrucharbeiten bereits begonnen.
Frank Maes, beim Bauamt zuständig für die MGH-Sanierung, sprach zum wiederholten Mal von einem reibungslosen Ablauf und erläuterte, dass bei den bisherigen Auftragsvergaben schon rund 340.000 Euro im Vergleich zur ursprünglichen Kalkulation eingespart worden seien.
Dadurch offenbar ermutigt, stimmte der Stadtrat nach einer ausführlichen Vorstellung der drei möglichen Fassadenkonzepte für die teuerste Variante: Diese nennt sich „Alucobond“, besteht aus Aluminium-Platten mit einem mineralischen Kern, hat eine Lebensdauer von rund 40 bis 50 Jahren, und einen – so Planer Markus Munzinger – „starken Design-Faktor“. Im Klartext: Mit den Platten lassen sich die verschiedensten Farb- und Lichteffekte erzielen, die Optik ist hochmodern und – vielleicht letztlich doch am wichtigsten für die Mehrheit – Graffiti lassen sich mühelos von der Oberfläche abwischen.
Wie diese Farbgestaltung – sogar 3D-Effekte sind mit diesen Platten möglich – letztlich aussehen soll, wurde am Mittwoch noch nicht entschieden. Dafür werde man jetzt noch einige Visualisierungen erstellen, so Munzinger und dann könne der Rat in einer der nächsten Sitzungen entscheiden. Gegen die Alucobond-Version hatte übrigens nur die Grünen-Fraktion votiert, die in Person von Günther Leidenberger leise Kritik an der umweltschädlichen Aluminium-Produktion anklingen ließ und wohl eher das als Variante 2 vorgestellte System mit speziellen Faserzementplatten bevorzugt hätte. Diese seien, so hatte es Munzinger sogar in Tabellenform erläutert, in Sachen späteres Recycling noch etwas nachhaltiger und umweltfreundlicher, dafür aber auch wartungsintensiver.
Keine Rolle spielte in der Debatte Variante 3 – eine Putzfassade als Wärmeverbundsystem: Diese sei zwar am billigsten in der Anschaffung, neige aber zu Algenbildung und Rissen, sei pflegeintensiv und müsse nach 25 Jahren erneuert werden.
Die Haltbarkeit der Aluminiumplatten lobte unter anderem auch Jürgen Brenner (SPD): Die längeren Wartungsintervalle müsse man in die Anschaffung mit einrechnen. Für seine Fraktionskollegin Heike Gareis stand hingegen die Optik im Vordergrund: Angesichts der Bedeutung der Markgrafenhalle für die Stadt solle man sich den Schritt zu einer topmodernen Fassade, „die auch etwas hermacht“, doch bitteschön trauen. Ähnlich sah es Bürgermeister Klaus Meier: „Ich fände es klasse, wenn wir damit einen echten Hingucker hätten.“
Alex Müller (CSU) schließlich appellierte an den Weitsinn der Kollegen: „Wenn wir es schon machen, sollten wir es gschei’d machen. In 50 Jahren sitzt von uns hoffentlich keiner mehr in diesem Gremium, aber die Fassade ist immer noch da.“
Kurz angesprochen wurden von Munzinger auch die Kosten: Angesichts von rund 1150 Quadratmeter Fassadenfläche werde man wohl mit etwa 516.000 Euro rechnen müssen, so der Planer – bei den Faserzementplatten wäre mal wohl mit 12.000 Euro weniger bei der Anschaffung hingekommen.