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Veröffentlicht am 12.06.2024 17:12

Medikamenten-Rückstände in der Rezat: Kann Ansbachs Klärwerk besser werden?

Ansbach will Vorreiter sein. Eine von 13 bayerischen Kommunen, die in ein Förderprogramm des Umweltministeriums für die Einführung einer vierten Reinigungsstufe bei der Abwasserentsorgung aufgenommen wird. So hat es der Stadtrat im März einstimmig beschlossen. Doch wie geht es jetzt weiter im zentralen Klärwerk in Eyb?

Zum Hintergrund: Bisher wird das Abwasser in den rund 2400 kommunalen Kläranlagen Bayerns in drei Stufen durch mechanische, biologische und chemische Verfahren gereinigt. Anschließend wird es wieder in die Fließgewässer eingeleitet, obwohl es noch Rückstände von Medikamenten, Reinigungsmitteln oder auch Drogen enthält.

Drei Krankenhäuser leiten Abwasser ein

Die Rezat, die das gereinigte Wasser in Ansbach aufnimmt, ist besonders durch Medikamenten-Rückstände belastet. Erstens, weil gleich drei Krankenhäuser – ANregiomed, Rangauklinik und Bezirkskrankenhaus – ihr Abwasser nach Eyb leiten, und zweitens, weil sie normalerweise eine relativ geringe Wassermenge aufweist. Eine vierte Reinigungsstufe könnte durch eine Ozon-Behandlung und einen Aktivkohlefilter diese Spurenstoffe weitgehend eliminieren. Doch das kostet: Rund 13,7 Millionen Euro hat eine Machbarkeitsstudie an Investitionen für Ansbach berechnet, die Hälfte würde der Freistaat im Rahmen des Förderprogramms übernehmen.

Doch wie sehen nach dem Stadtrats-Beschluss die nächsten Schritte aus? Hat die Abwasserentsorgung Ansbach (awean) bereits die konkreten Kosten kalkuliert? Die FLZ hat bei der awean nachgefragt. Der Stadtratsbeschluss im März sei die wesentliche Voraussetzung gewesen, um sich für das Förderprogramm bewerben zu können, heißt es bei der awean. Das habe man unmittelbar nach dem Beschluss getan: „Aktuell warten wir hier noch auf Antwort seitens des Fördermittelgebers.“

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Das heißt, man hält zunächst die Füße still, weil „weitere Schritte, zum Beispiel eine vertiefte Planung oder die Detailkalkulation der Kosten, erst begonnen werden dürfen, wenn ein positiver Förderbescheid vorliegt“.

Ansbach ist eine von 13 antragsberechtigten Kommunen in Bayern

Das Umweltministerium nennt Ansbach auf seiner Internetseite als eine der 13 bayerischen Kommunen, die für das Sonderförderprogramm „antragsberechtigt“ sind. Voraussetzung für die Förderung ist eine vom Landesamt für Umweltschutz positiv bewertete Machbarkeitsstudie, die „die Auswahl der Reinigungstechnik, den voraussichtlichen Bauzeitenplan und die zu erwartenden Investitions- und Betriebskosten“ darstellt.

Das hat die awean bereits geleistet, bleibt beim Zeitrahmen aber dennoch unkonkret. Der Zeitplan „für dieses sehr umfangreiche Projekt“ hänge wesentlich vom positiven Förderbescheid ab, heißt es auf FLZ-Anfrage: „Ein vorgezogener Projektbeginn könnte sich förderschädlich auswirken. Liegt der Förderbescheid vor, gehen wir aktuell von einer Projektlaufzeit von vier bis fünf Jahren aus.“

Erfahrungen aus Weißenburg

Bei der konkreten Umsetzung will man auf den Erfahrungen der Stadt Weißenburg aufbauen, wo bereits seit 2021 eine vom Freistaat geförderte Pilotanlage mit vierter Reinigungsstufe im Regelbetrieb arbeitet und bis zu 87 Prozent der problematischen Spurenstoffe herausfiltert. Ein umfassendes Monitoring wird auch in Ansbach gewährleisten, dass die vierte Reinigungsstufe korrekt arbeitet und die Spurenstoffe (siehe Kasten) weitgehend eliminiert.

Bisher sind die Kommunen nicht gezwungen, in eine vierte Reinigungsstufe zu investieren. In der Europäischen Union hat man sich zwar auf eine neue Abwasserrichtlinie geeinigt, die laut awean „eine zeitlich gestaffelte Regelung für die Ausstattung von Kläranlagen mit einer vierten Reinigungsstufe vorsieht“. Doch die Umsetzung in nationales Recht stehe noch aus und werde noch einige Jahre dauern.

Kosten zur Verbesserung der Reinigungsleistung beim Abwasser sind prinzipiell umlagefähig, können also über erhöhte Abwassergebühren finanziert werden. Gibt es bereits Rechenmodelle, um wie viel der Kubikmeter Wasser in Ansbach teurer wird? Laut awean ist „nach derzeitigen Erkenntnissen mit einer durch die vierte Reinigungsstufe indizierten Gebührenanpassung von 35 bis 40 Cent pro Kubikmeter zu rechnen“. Was bei einem durchschnittlichen Verbrauch eines Zwei-Personen-Haushalts von 90 Kubikmetern einer Mehrbelastung von 31,50 bis 36 Euro pro Jahr entspricht.

Die Zentralkläranlage der Abwasserentsorgung Ansbach (awean) im Stadtteil Eyb arbeitet bisher mit drei Reinigungsstufen. (Foto: Jim Albright)
Die Zentralkläranlage der Abwasserentsorgung Ansbach (awean) im Stadtteil Eyb arbeitet bisher mit drei Reinigungsstufen. (Foto: Jim Albright)
Die Zentralkläranlage der Abwasserentsorgung Ansbach (awean) im Stadtteil Eyb arbeitet bisher mit drei Reinigungsstufen. (Foto: Jim Albright)

Problematische Spurenstoffe

Das Umweltministerium hat in seinen Förderrichtlinien Indikatorspurenstoffe benannt, aus denen Kläranlagen-Betreiber sechs auszuwählen haben, deren Eliminierung zu mindestens 80 Prozent beim Monitoring nachzuweisen sind. Sie gelten als besonders problematisch, darunter gängige Medikamente.

Hydrochlorothiazid (HTC), Irbesatan und Metoprolol sind vielfach verkaufte Blutdrucksenker.

Sulfamethoxazol und Clarithromyzin sind Antibiotika zur Behandlung von Atemwegs- und Hauterkrankungen.

Problematisch wird auch Carbamazepin gesehen, ein Psychopharmakon, das bei Krampfanfällen eingesetzt wird.

Weit verbreitet ist das Schmerzmittel Diclofenac, das nicht nur in Tablettenform, sondern auch in Salben vorkommt.

Methylbenzotriazol und Benzotriazol, zwei Rostschutzmittel, vervollständigen die Aufzählung.


Winfried Vennemann
Winfried Vennemann
Redakteur
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