Kein fließendes Wasser, kein Strom, viel Schmutz, sengende Hitze. Äußere Umstände, mit denen Menschen in Deutschland kaum zu kämpfen haben. Ein Team der Zahnärzte am Neumühlenweg aus Bad Windsheim stellte sich diesen Gegebenheiten und arbeitete zwei Wochen lang ehrenamtlich in Sambia (Afrika).
Schon im vergangenen Jahr bestritt ein Team der Bad Windsheimer Praxis einen solchen Auslandseinsatz – und zwar auf der kapverdischen Insel Santiago. Damals wie heute dabei war Praxisinhaber Dr. Stefan Eckardt. Mit ihm stiegen dieses Jahr Zahnärztin Dr. Katharina Hofmann und die zahnmedizinischen Assistentinnen Lisa Raab, Alisa Paul und Janine Herderich in den Flieger. Finanziert wurde das abermals komplett von der Praxis, sagt Eckardt.
Der Einsatz fand in Zusammenarbeit mit „Zahnärzte ohne Grenzen“ (Dentists without Limits Federation) statt. Ehrenamtliche unterstützen in diesem Zuge in bedürftigen Gebieten, darunter auch in Sambia. Ein großer Vorteil der Bad Windsheimer: Sie kennen sich und konnten als bewährtes Team zusammenarbeiten. „Das war sehr schön. Wir wussten, dass wir uns aufeinander verlassen können“, berichtet Janina Herderich.
In Sambia seien die Bedingungen noch spartanischer als auf den Kapverden gewesen, erzählt Eckardt. In dem Land kämpfe man mit großen wirtschaftlichen Problemen. Der Kariba-Stausee, der größte angelegte Stausee der Welt, sei derzeit aufgrund der Wasserknappheit nahezu leer. Das Problem: Strom wird meist mit Wasserkraft produziert, weshalb Energie teils nur für vier, fünf Stunden am Tag verfügbar ist.
„Wir mussten mit Taschenlampe ins Bett und jede Gelegenheit nutzen, das Smartphone zu laden“, erzählt Stefan Eckardt. Auch eine frische Dusche war ein Luxus, von dem das Team wann immer es eben möglich war, gern Gebrauch machte, erzählt Katharina Hofmann. Während auf Urlauberfotos aus Sambia meist idyllische Szenen zu sehen sind, war die Realität, mit der sich die Bad Windsheimer konfrontiert sahen, oft eine andere.
Auf den Kapverden arbeitete das Team an einem Standort, in Sambia wurde es fast täglich an einen anderen Ort gefahren. Teils war das Quintett rund 1,5 Stunden auf einer Schotterpiste unterwegs, bis es ans Arbeiten ging. „Dementsprechend hat auch das Equipment, das in Plastikboxen lag, ausgeschaut“, sagt Eckardt. „Und wir selbst.“ Zudem leistete das Team Aufklärungsarbeit, beispielsweise in Schulen, sensibilisierte in Sachen Mundhygiene. Herausfordernd war hier – und auch beim Behandeln – die Verständigung, kam man doch sogar mit Englisch kaum weiter.
Beide Ärzte arbeiteten an den Behandlungsorten parallel, unterstützt von den zahnmedizinischen Assistentinnen. Umstellen musste sich das Team in Sachen Ausstattung: Einer der jeweils behandelten Patienten musste auf einem umfunktionierten Gartenplastikstuhl sitzen. Ein Mülleimer wurde zum Spuckbecken, eine Stirnlampe sorgte für Licht. Eine Absauganlage? Fehlanzeige. Röntgenbilder gab es nicht, so dass die Ärzte vor der Behandlung die Wurzel eines Zahnes nicht sehen konnten.
„Wir haben einfach von Tag zu Tag geschaut, was auf uns zukommt“, erzählt Katharina Hofmann. „Jeder Tag war anders“, ergänzt Janine Herderich. „Das war schon spannend.“ Zwischen 30 und 70 Personen behandelte das Team pro Tag. In vielen Fällen mussten Zähne gezogen werden, weil es medizinisch nicht möglich war, den Betroffenen anders zu helfen. „Da mussten wir auch immer wieder Einfallsreichtum beweisen“, so Hofmann. Die wenigsten Patienten hatten nämlich nur ein Problem, dann galt es, sich auf die schmerzhaftesten Stellen zu fokussieren.
Manche Patienten und deren Fälle bleiben dem Team besonders im Kopf. „Der letzte Tag und der letzte Weisheitszahn. Der hat uns besonders gefordert“, erzählt Katharina Hofmann. Beide Ärzte waren hier am Werk, ehe Hofmann wieder übernahm und schließlich einen spontanen Jubelschrei durch den Raum schallen ließ, als der Zahn endlich entfernt war. „Das war für uns schön, aber vor allem auch für die Patientin. Du fängst da etwas an und denkst dir: Das muss jetzt einfach klappen.“
Auch zahlreiche Kinder wurden behandelt. Die freuten sich aber besonders über rund 30 Bälle, die das deutsche Team im Gepäck hatte. Auch Springseile verschenkten die Bad Windsheimer, mit denen die Kinder erst nichts anzufangen wussten, ehe man ihnen erklärte, wie sie benutzt werden können. „Die haben dort ja kaum Spielsachen“, so Hofmann. Auch Schulmaterialien hatten sie mit dabei.
Es war eine prägende Zeit, die das Bad Windsheimer Team in Sambia erlebte. Die Arbeit sei aufgrund der Hitze und der Gegebenheiten körperlich durchaus fordernd gewesen, findet Katharina Hofmann. Die Erfahrung war es den Bad Windsheimern aber wert. „Manches sieht man danach mit anderen Augen, man wird geerdet.“
Konfrontiert mit der Armut, waren die Wochen auch emotional anstrengend. „Das sind andere Anforderungen als hier“, sagt Stefan Eckardt. In den 14 Tagen könne man sich komplett auf die Arbeit fokussieren. „Keine anderen Termine. Du kannst nichts anderes machen. Du lebst im Hier und Jetzt. Du bist dort tatsächlich mitten in Afrika.“ Für 23 Millionen Einwohnern gebe es dort übrigens nur 250 Zahnärzte. Beeindruckend für das deutsche Team: „Die Menschen sind dort trotz der Armut nicht per se unglücklicher als wir.“