Jutta Bauereiß und Diane Pöltl sind große Hundefreundinnen. Seit Jahrzehnten darf ein Vierbeiner an ihrer Seite nicht fehlen. Bei Pöltl prägt diese Liebe sogar ein Ehrenamt. Nun haben die beiden einen neuen Schritt gewagt – und eine Hundeschule in Neustadt eröffnet. Sie machen ihre Leidenschaft zum Nebenberuf.
Nicht ein Platz im Freien, sondern eine große Halle auf dem Areal der ehemaligen Ziegelei dient als Trainingsumfeld. Jutta Bauereiß und Diane Pöltl leiten das Angebot. „Bei uns sind alle Hunde willkommen – egal, ob reinrassig, Mischling oder aus dem Tierschutz stammend.” Gerade Diane Pöltl, die seit 15 Jahren das Hundehaus des Tierschutzvereins in Bad Windsheim leitet, hat durch ihre dortige Tätigkeit viel praktische Erfahrung gesammelt. Sie und Jutta Bauereiß, die beide seit ihrer Kindheit Hunde haben, halten auch selbst aus dem Ausland stammende Vierbeiner.
Jutta Bauereiß kann sich noch gut daran erinnern, als Pudel Berny bei ihnen einzog. Damals war sie 14 Jahre alt – und es war ihr erster Hund. 13 Jahre war Berny ein treuer Weggefährte. „Vor 50 Jahren gab es noch keine Hundeschulen. Damals haben die meisten nach ihrem Bauchgefühl erzogen. Inzwischen vermenschlichen viele Zeitgenossen ihren Hund zu sehr, behandeln ihn wie ein Püppi.” Das bringt so manches Problem mit sich. Auch daran soll in ihrer Hundeschule gearbeitet werden.
Diane Pöltl begleiten Hunde von klein auf. „In unserer Familie gab es immer welche”, erzählt sie. Ihr Opa war Schäfer und hatte einige Hunde, die er auch mit nach Hause brachte. „So hatte ich auch schon früh Kontakt mit Arbeitshunden. Mein Opa hat die Hütehunde selbst ausgebildet. Es gab klare Grenzen und feste Strukturen.”
Die seien auch heute noch wichtig, für ein gutes Miteinander von Mensch und Tier, betonen Bauereiß und Pöltl. Welpen müssen frühzeitig konsequent Grenzen gesetzt werden. Beide Frauen halten inzwischen mehrere Hunde, können sich ein Leben ohne diese auch gar nicht mehr vorstellen. Dieses „Rudelleben” habe seine Vorteile, sagt die Hundehausleiterin schmunzelnd, die im Hauptjob als zahnmedizinische Assistentin arbeitet. Allerdings kann Jutta Bauereiß allen nur eindringlich raten, sich einen zweiten Vierbeiner erst dann zuzulegen, wenn der erste gut erzogen ist.
Überhaupt will die Anschaffung gut überlegt sein. Hat man genügend Zeit? Kann man die laufenden Kosten tragen? Hat man jemanden, der einspringen kann, wenn man krank ist oder verreist? Auch die Überlegung, für welche Rasse man sich entscheidet, ist wichtig. Nur nach der Optik zu gehen, davon raten die beiden Hundetrainerinnen eindringlich ab. Man müsse seinen Bedürfnissen gerecht werden, den Charakter kennen. „Ist ein Tier nicht ausgelastet, fangen die Probleme an”, wissen sie. Man gehe eine Bindung ein, übernehme viel Verantwortung.
Interessierten und Neueinsteigern stehen Bauereiß und Pöltl auch vor der Anschaffung gerne beratend zur Seite. „Man kann sich im Tierheim Bad Windsheim oder bei uns im Hundehaus ebenfalls informieren”, merkt die Leiterin an. Acht Hunde leben dort derzeit und warten auf neue Frauchen oder Herrchen. Wenn Menschen ein Tier bei ihnen abgeben möchten, fragen die Ehrenamtlichen immer nach den Gründen, führt die 46-Jährige aus.
Nicht selten bekommen Pöltl und ihre Kolleginnen und Kollegen zu hören, dass das Geld fehle. Das ärgert sie. Pöltl und Jutta Bauereiß haben außerdem den Verdacht, dass sich etliche von ihren Hunden trennen wollen, weil sie nicht wie gewünscht „funktionieren” oder man keine Lust mehr auf sie hat. Plötzlich auftretende Allergien, eine Änderung der Lebensverhältnisse, neue Partner oder Vermieter, die keine Tiere dulden, sind weitere Dinge, die sie häufig hören. Daneben gibt es noch beschlagnahmte Vierbeiner, die nicht gut gehalten wurden.
Jutta Bauereiß ist seit nunmehr 50 Jahren stolze Hundebesitzerin. „Ich habe zusätzlich noch eine rund einjährige praktische Ausbildung zur Hundetrainerin in einer Hundeschule absolviert”, unterstreicht die 63-jährige Unternehmerin. Sie und ihre Mitstreiterin haben ihr Fachwissen, das sie nun weitergeben, durch Seminare und Fortbildungen im Bereich der Hundeerziehung erweitert und vor dem Veterinäramt die erforderliche Prüfung abgelegt. Vom Welpen bis zum Senioren wird jeder Hund trainiert, am besten von klein auf.
Zum Termin mit unserer Redaktion waren ihre eigenen Tiere mitgekommen und zeigten, was Vierbeiner sowie ihre Frauchen oder Herrchen alles in der weiträumigen Halle üben können. Doch wie kamen sie auf die Idee, eine Halle für ihren Hundecampus zu wählen? Nachdem Jutta Bauereiß 15 Jahre in einer Hundeschule outdoor trainiert hatte, nutzte sie nun die Gelegenheit, eine Halle zu mieten. „So erfüllten wir uns den langgehegten Traum, wetterunabhängig zu sein”, antwortet Bauereiß. Sie und ihre Kollegin sehen einen großen Vorteil darin, nicht im Freien Wind und Wetter ausgesetzt zu sein. Ab dem Frühjahr soll es die Möglichkeit geben, zusätzlich noch in einem großzügigen Außenbereich zu üben.
Für die beiden Trainerinnen ist es wichtig, dass Mensch und Hund Spaß am Lernen haben. Großen Wert legen sie auf „bindungsorientiertes und liebevolles” Üben, damit eine harmonische Beziehung aufgebaut wird. Diese soll von Verständnis und Klarheit geprägt sein. Die Halterinnen und Halter sollen zudem lernen, die Körpersprache ihres Vierbeiners zu lesen. Damit Hund und Mensch gut im gemeinsamen Rudel leben.