Was bei Auftritten spielend leicht aussieht, ist das Ergebnis intensiven Trainings, erfordert viel Teamgeist, aber auch Mut und Vertrauen in die Gruppe. Wenn Tosses und Stunts erfolgen, Sportlerinnen (Flyer) durch die Luft gewirbelt werden, müssen sich alle aufeinander verlassen können. Das tun die Cheerleader der „Neustadt Falcans”
Sie sind eine gut eingespielte Gemeinschaft im TSV Neustadt oder besser gesagt: zwei. Neben dem Youth Team, den Golden Falcons, für Elf- bis 15-Jährige, gibt es ein Senior Team, die Black Falcons. Mitmachen kann bei den Großen, wer mindestens 16 Jahre alt ist.
Wie hart hier geübt wird, wird beim Trainingsbesuch in der Zwei-Fach-Turnhalle am Neustädter Schulzentrum schnell klar. Die ersten sind schon vor Trainingsbeginn gekommen, positionieren Sprungkästen und Bodenmatten. Eine Vierergruppe legt den Air Track, eine große Luftmatte aus. „Sie ist wie ein riesiges Trampolin”, erklärt Trainerin Alina Büttner die noch relativ neue Errungenschaft.
Nach und nach kommen weitere junge Frauen und Männer zum Training. Aus 17 Leuten besteht das Senior Team. Das jüngste Mitglied ist gerade 16 Jahre und wechselte kürzlich aus dem Youth Team zu den Älteren. Diese sind gut aufeinander eingespielt. Kurze präzise Anweisungen und jede und jeder weiß, was zu tun ist. Schnell wird beim Zuschauen eines klar: Bevor alles so sicher sitzt, so leicht aussieht, wie bei den Vorführungen, gilt nur eine Devise; Üben, üben und noch mal üben und dabei auch so manchen blauen Fleck, Zerrungen oder Verstauchungen in Kauf nehmen.
Ungefährlich nämlich ist dieser abwechslungsreiche Sport nicht, der Elemente verschiedenster Sportarten vereint. Bandagen und Tape hat deshalb jeder und jede neben Getränken in der Tasche. Auch wenn es zum fünften Mal nicht klappt, Zähne zusammen beißen und auf ein Neues, bis die Trainerinnen zufrieden sind. Neben Alina Büttner ist hier noch Joséphine Fratoianni mit im Gespann.
Doch bevor Hebeelemente wie Stunts und Pyramiden, Wurfelemente (Tosses) und Figuren des Bodenturnens wie Tumblings und Sprünge (Jumps) geübt und später gezeigt werden, steht erst einmal das Aufwärmen auf dem Programm, untermalt von lauter Musik. Da geht einiges gleich leichter.
Eine gute körperliche Grundfitness ist Voraussetzung. Kraft, Ausdauer, Gleichgewichtssinn und Rhythmusgefühl sind ebenfalls vonnöten und noch etwas ist unerlässlich: ganz viel Körperspannung. Diese aufzubauen, musste Alina Büttner erst lernen, erzählt sie. Bevor sie das Cheerleading für sich als Jugendliche entdeckte, spielte sie Fußball.
„Turnerfahrung ist nicht nötig, um bei uns mitzumachen”, stellt sie fest, auch wenn das ein Vorteil ist. Was Interessierte auf jeden Fall beherrschten müssen, sind Rad, Bogengang, Rolle. Nach vorheriger Anmeldung kann man einen Termin zum Probetraining vereinbaren.
Eine Garantie für einen Platz im Team gibt es aber nicht. Bessere Chancen zum Zuge zu kommen, gibt es 2026 bei den Golden Falcons. Dort werden dann rund acht bis neun Plätze frei, da die Sportlerinnen zu den Älteren wechseln. Trainiert werden die Jüngeren von Bonnie Jaensch, Rebecca Hoos und Tatjana Däumler, erläutert Alina Büttner, die selbst bei den Erlangen Marines Cheerleadern aktiv ist.
Doch zurück zum Training der Black Falcons. Rad, Flic Fflac, Salto, Bogengang und Sprünge werden immer und wieder geprobt. „Trau dich, du kannst das”, ruft die Trainerin den Sportlerinnen aufmunternd zu. „Manchmal muss man sich einfach überwinden”, weiß sie aus Erfahrung. Derzeit wird für die Landesmeisterschaft trainiert. Zweimal in der Woche kommt die Gruppe zusammen, manchmal auch noch am Wochenende. Bei den Neustädtern Cheerleadern machen auch Jungs mit. Sie sind Feuer und Flamme für diesen Leistungsport. „Es ist einfach toll”, sagen sie, sehen darin einen guten Ausgleich neben dem Fitnessstudio. Es macht zudem mehr Spaß als reines Turnen.
Inzwischen sind alle aufgewärmt, wurde die eine oder andere Grenze überwunden, Neues ausprobiert. Gerade werden Hebeelemente und Tosses geübt. Es dauert noch eine ganze Weile, bis die Choreografie sitzt, die man bei den Meisterschaften zeigen wird. Aber auch für den Verein macht man Auftritte, so waren sie etwa bei der BR-Radltour im Vorjahr auf dem Marktplatz zu sehen und sie unterstützen die Footballer bei deren Spielen. Dann tragen sie ein enges Langarmtop und einen kurzen Rock. Lange Haar werden zum Zopf gebunden und mit einer Schleife geschmückt.
Und was ist mit den Pom Poms, den Puscheln, die mit Cheerleadern immer wieder in Verbindung gebracht werde? „Die nutzen wir etwa einmal im Jahr. Auf die ist niemand so scharf”, sagt die 21-jährige Büttner lachend und macht dann noch Werbung für neue Trainerinnen und Trainer. Die braucht man beim TSV Neustadt dringend für ein Peewee-Team. Dies soll für Sieben- bis Elfjährige neu ins Leben gerufen werden.
Ideal wäre es, wenn Interessierte Erfahrung im Cheerleading, Turnen oder Kindertraining mitbringen. Das ist aber kein Muss. Wichtig ist jedoch, Spaß an der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zu haben. Wie bei den Cheerleadern sind auch bei den Trainern Teamgeist, Zuverlässigkeit und Motivation unabdingbar, verbunden mit der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam mit den Aktiven zu wachsen.
Geboten wird ein leidenschaftliches Team mit viel Zusammenhalt, heißt es seitens des Vereins. Zudem besteht die Möglichkeit, ein neues Peewee-Team mitzugestalten sowie viel Spaß, Energie und Gemeinschaft zu erleben. Interessierte können eine Mail schreiben an cheerleading@tsv-nea.de oder an alina.buettner@tsv-nea.de