Der neue Landrat Dr. Christian von Dobschütz ist promovierter Volkswirtschaftler. Auch deshalb lässt ihn das nicht optimale Abschneiden des Landkreises als Wirtschaftsstandort nicht ruhen. Zwei Punkte brachte er jetzt in der Bürgermeisterdienstversammlung aufs Tapet: den Mobilfunk und Flächen für Gewerbegebiete.
Laut den Sitzungsvorlagen, die der Presse vorliegen, schätzt der Landrat den Einfluss beim Mobilfunk als begrenzt ein. Umso wichtiger war der Austausch über die Möglichkeit zur Schaffung neuer Gewerbeflächen – auch gemeindeübergreifend.
An der IHK-Umfrage hatten sich 143 Unternehmen aus dem Landkreis beteiligt. Bei der Frage: „Würden Sie Ihren Standort weiterempfehlen?“ landete der Landkreis leicht unter dem mittelfrankenweiten Durchschnitt.
Wie Wirtschaftsreferent Michael Capek erläuterte, wurde dabei der größte Handlungsbedarf bei der Bürokratie, die sowohl Zeit als auch Geld koste, und bei der Verfügbarkeit von qualifizierten Arbeitskräften gesehen. Punkten kann der Landkreis dagegen mit seiner Lebensqualität, die auch das Kultur- und Freizeitangebot und eine gute Nahversorgung umfasst.
Ein Manko des ländlichen Raums ist die Mobilfunkabdeckung: Wie Matthias Hirsch gegenüber der Presse erläuterte, täuschen die wenigen Flecken im Breitbandatlas etwas: Sobald ein Ort von einem Mobilfunkunternehmen abgedeckt ist, gilt er nämlich als gut versorgt. Diejenigen, die ihren Vertrag mit einem anderen Telekommunikationsdienstleister geschlossen haben, versuchen dennoch größtenteils vergeblich, zu telefonieren oder das Internet zu nutzen. Eine mögliche Lösung sei, dass mehrere Anbieter sich die Mobilfunkmasten teilen, eine andere eine Art Roaming: Wie aus Besuchen im Ausland bekannt, könnte man dann auch im Inland mit dem eigenen Mobilgerät ein fremdes Funknetz nutzen.
Markt Bibart und Weigenheim haben im übrigen laut Capek bisher keine Interessensbekundung für den Mobilfunkausbau über das Förderprogramm des Freistaats abgegeben. Das sei noch bis zum Jahresende möglich.
Der zweite Punkt, über den von Dobschütz in den Austausch mit den Bürgermeistern und Bürgermeisterinnen kommen wollte, waren die Gewerbeflächen. Capek hatte davor erläutert, wo noch wie viele Flächen vorhanden sind:
Sehr wenige Flächen gibt es demnach im Süden: Ungefähr 55.000 Quadratmeter in Marktbergel, dazu noch einmal 15.000 und einmal 8000 Quadratmeter in Obernzenn – das war’s. Im Westen sind in den Uffenheimer Gewerbegebieten Nord und Süd noch einmal 56.000 und einmal 30.000 Quadratmeter verfügbar, für ausgewählte Zwecke kommen in Burgbernheim 50.000 Quadratmeter hinzu.
Besser sieht es im Norden aus: Im Gewerbepark Steigerwald ist noch ein Hektar zu haben, genauso wie im Oberlaimbacher Gewerbegebiet an der B8, dazu kommen vier Hektar in privater Hand im Gewerbegebiet Scheinfeld-Süd und drei kleinere Flächen in Burghaslach.
Im Osten ist die Lage derzeit besonders angespannt: Emskirchen verfügt beispielsweise über noch gerade mal 1000 Quadratmeter, weitere 65.000 Quadratmeter sind in privater Hand. Aber Gerhardshofen plant ein Gewerbegebiet mit zwei Hektar Größe.
„Wie sehen Sie die Schaffung eines interkommunalen Gewerbegebietes im östlichen Landkreis?“, fragte der Landrat in die Runde. Dabei präsentierte er eine Karte, auf der eine mögliche Wasserstoff-Leitung verläuft, die von Oberscheinfeld bis Gerhardshofen durch den Westen des Landkreises führt.
Diese bis dato unbekannten Pläne erstellt der Bund. „Nicht als vage, aber als sehr, sehr perspektivisch“, bezeichnete Andrea Fahrnholz von der Kreisentwicklung den Verlauf dieser Trasse gegenüber der Presse. Es handle sich um Vorabpläne, ein Bau sei erst ab 2040 wahrscheinlich. „Aber wenn es so kommt, sollte man das bei der Gewerbegebiets-Planung berücksichtigen“, sagte sie.