Info-Tafeln auf dem Parkplatz des Fränkischen Freilandmuseums erklären verschiedene Pflanzenarten, die genau dort wachsen. Doch zuletzt waren die Schilder verblichen und unleserlich geworden. Ihrem ursprünglichen Zweck dienten sie nicht mehr. Deswegen sind sie nun erneuert worden.
Pfaffenhütchen, Mispel und Schlehe, Pimpernuss, Kreuzdorn und Berberitze oder Essigrose, Weinrose und Kriechende Rose: Es gibt viel zu entdecken auf dem scheinbar ausschließlich zweckmäßig genutzten Parkplatz des Fränkischen Freilandmuseums.
Denn wer genau hinschaut, entdeckt zwischen Zweigen und Blättern mittlerweile wieder gut lesbare Info-Tafeln, die über diverse Pflanzen informieren. Über Wild-. und Kultursträucher, Wildrosen des Windsheimer Gebietes, Zierpflanzen des neuzeitlichen Gartens, Gartenpflanzen vor 1500, Wildpflanzen um Bad Windsheim sowie alte Heil- und Gewürzpflanzen.
Ursprünglich waren die Grünflächen unter den Bäumen im nördlichen Teils des Museumsparkplatzes ausschließlich mit der Kartoffelrose bepflanzt. Sie stammt aus Ostasien und ist in vielen Gebieten der Welt ein Neophyt. Neophyten sind Pflanzen, die durch den Menschen in Gebiete gelangt sind, in denen sie natürlicherweise nicht vorkommen.
„Die Kartoffelrose ist zwar eine attraktiv blühende Art, jedoch kommt sie im Windsheimer Gebiet nicht natürlich vor“, sagt Renate Bärnthol. Sie ist Diplom-Ökologin und im Freilandmuseum als Teamleiterin des Bereichs Ökologie tätig. Bärnthol hat auch die Neubearbeitung der Info-Tafeln auf dem Parkplatz übernommen.
Weil die Kartoffelrose in den 1990er Jahren extrem wucherte und die Flächen insgesamt vergrast und dringend pflegebedürftig gewesen waren, hatte man sich damals für eine Neugestaltung der grünen Areale entschieden. Ein Ziel dabei war es, Besuchern einen Eindruck von den typischen und besonderen Pflanzenarten der Windsheimer Region zu vermitteln. Außerdem sollten sie bereits auf dem Parkplatz „auf Natur- und Kulturthemen des Freilandmuseums“ eingestimmt werden.
Damals wie heute gibt es insgesamt sechs Beete, die verschiedene botanische Themen abdecken. „Eine breite Palette an traditionellen Pflanzen der Medizin sowie für die Küche gibt es bei den alten Heil- und Gewürzpflanzen“, erklärt Bärnthol. Dazu würden beispielsweise Salbei, Estragon, Weinraute, Wermut, Ysop und Eberraute gehören. Einige dieser Arten seien zudem hervorragende Bienenfutterpflanzen. „Auf diese Weise kann selbst ein Parkplatz ökologisch aufgewertet werden.“
Das Beet mit den „Gartenpflanzen vor 1500“ zeigt eine Auswahl an Pflanzenarten, die sich in den Gärten bereits in der Zeit vor der Entdeckung Amerikas angesiedelt hatten. Dazu zählen unter anderem Schwertlilien-Arten, die Kronen-Lichtnelke „und als Besonderheit die krausblättrige Form des Rainfarns“.
Direkt daneben wachsen die Zierpflanzen des neuzeitlichen Gartens. Darin finden sich Arten, die erst nach 1500 aus verschiedenen Ländern in die Region gelangt waren. Hier entdecken Interessierte die nach Orangenblüten duftende Taglilie. „In der Nähe von Klöstern oder alten Burgen hat sie sich manchmal aus früheren Kulturen erhalten“, heißt es dazu auf einer der Info-Tafeln. „Auffällige, über 20 Zentimeter breite, rundliche Blätter“ hat indes die schattenverträgliche Bergenie. Sie wächst ebenfalls bei den Zierpflanzen des neuzeitlichen Gartens und besticht durch weiße und rosafarbene Blüten. Verschiedene Astern-Arten sind ebenfalls zu entdecken.
Die Hunds-Rose oder auch Wildrose genannt ist typisch für die Wildrosen des Windsheimer Gebietes. Sie tummelt sich ebenfalls in einem eigenen Areal. Dazu gesellt haben sich die weiß-blühende Feld-Rose, außerdem die Kriechende Rose mit ihren reinweißen Blüten, die mit wenig Licht auskommt sowie die Feld-Rose, von der ein schwach apfelähnlicher Duft ausgeht. Und auch die Weinrose sowie die Essigrose sind in der Region beheimatet. „Die Essigrose ist übrigens die Stammpflanze zahlreicher Gartensorten, die im Freilandmuseum zwischen der Museumskasse und der Betzmannsdorfer Ausstellungsscheune wachsen“, sagt Diplom-Ökologin Bärnthol.
Sie hat bei der Neubearbeitung der Info-Tafeln auch wieder „die krautigen Arten“ berücksichtigt, die im Windsheimer Wärmegebiet vorkommen und sich in der Kategorie „Wildpflanzen um Bad Windsheim“ wiederfinden. „Eine Besonderheit dieser Region ist der Purpurblaue Steinsame, der zwar kleine, aber farblich besonders attraktive Blüten besitzt“, erklärt Bärnthol. Dies gelte auch für die später im Jahr blühende Gold-Aster, deren leuchtend gelbe Blüten den Besucherinnen und Besuchern rasch auffallen würden.
Weil der Freilandmuseumsparkplatz als Standort für die Pflanzen kein ganz einfacher ist, hat man robuste Arten gewählt. Jedes Beet wurde mit zwei Info-Tafeln ausgestattet. Die meisten Pflanzenarten, die darauf beschrieben werden, können Besucher innerhalb des Museumsgeländes wiederentdecken. Die Heil- und Gewürzkräuter wachsen beispielsweise in den Kräuterfeldern, während die Wildrosen des Windsheimer Gebietes in den zahlreichen Hecken versteckt sind.