Normalerweise verstehen sich die Hofer Filmtage als Talentschmiede, als Platz für die neue Generation Filmemacher. Doch zur 60. Ausgabe kommen vom 20. bis 25. Oktober viele der großen Namen wieder nach Hof, deren Karriere hier ihren Ausgang nahm oder einen entscheidenden Schub erfuhr: Oscar-Preisträgerin Caroline Link, Regisseur Sönke Wortmann („Das Wunder von Bern“) oder auch Schauspielerin Nicolette Krebitz („Das Licht“).
Festivalchef Thorsten Schaumann sagt dazu: „Das 60. Jubiläum wird ein wunderbares Wiedersehen mit vielen Filmschaffenden, deren Karriere eng mit Hof verbunden ist.“ Zu sehen seien frühe Arbeiten von Link, Wortmann oder auch Monika Treut, die einst in Hof Premiere feierten. Axel Ramisch stellt „Meine Mütter“ vor, „im Gedenken an den kürzlich verstorbenen Rosa von Praunheim“.
Auch Produzentin Julie Corman kehre zurück. „1981 war sie gemeinsam mit ihrem Mann Roger Corman in Hof. Zum 100. Geburtstag von Roger würdigen wir das außergewöhnliche Lebenswerk der beiden, das Generationen von Filmschaffenden geprägt hat und weit über das amerikanische Independent-Kino hinausstrahlt“, sagt Schaumann.
Ein Schwerpunkt liegt zudem auf dem Schaffen von Léa Pool. Die schweizerisch-kanadische Filmemacherin zähle mit ihren Werken zu den markanten Stimmen des internationalen Autorenkinos, erläutert der Festivalchef.
Er betont aber auch: „Es geht nicht um große Namen auf dem roten Teppich. Es geht um Verbindungen, die über Jahrzehnte gewachsen sind, um gemeinsame Erinnerungen, Inspiration und echte Freundschaften.“ Und vielleicht sitze beim Jubiläum neben einem der großen Namen auch jemand, dessen Karriere gerade erst beginne: „Genau darin liegt für mich der Zauber von Hof.“
Die Atmosphäre sei familiär: „In Hof treffen große Namen und junge Talente auf Augenhöhe aufeinander. Man sieht sich morgens im Kino, mittags auf der Straße, abends beim Gespräch und vielleicht am nächsten Tag auf dem Fußballplatz. Hier gibt es keine unüberwindbaren Distanzen zwischen Filmschaffenden, Publikum und Festivalteam.“ Und der Leiter verrät auch das „größte Geheimnis“ der Filmtage: „In Hof besucht man nicht einfach ein Filmfestival. Man wird ein Teil davon.“
Eine besondere Beziehung zum Kino hat auch Stefan Schmalfuß, seit Mai Oberbürgermeister von Hof: Er war zuvor fast drei Jahrzehnte Geschäftsführer des Central-Kinos, einer zentralen Spielstätte der Filmtage. Schmalfuß lobt das „Miteinander“ beim Festival. Man treffe Filmschaffende in den Hofer Lokalitäten, komme ins Gespräch. Auch Stadt und Veranstalter gelinge eine gute Zusammenarbeit, „sonst wäre es nicht 60 Jahre lang gut gegangen“. Die Filmtage seien eines der Markenzeichen der Stadt - „das wissen wir zu schätzen“.
Die Internationalen Hofer Filmtage wurden 1967 gegründet - und dauerten damals gerade einmal zweieinhalb Stunden. Heute werden in sechs Tagen rund 130 Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme aus Deutschland und aus aller Welt gezeigt.
Eröffnungsfilme in diesem Jahr sind „Zoey & Ben“ von Alexander Conrads und der Kurzfilm „Chéri on top“ von Liselotte Séchet. Außerdem werden Preise verliehen, es gibt Gesprächsrunden rund ums Kino - und ein Fußballspiel von Filmschaffenden gegen Spieler aus Hof.
Das Kino hat es nicht leicht, zumal für viele Menschen das Streamen zu Hause bequemer und auch günstiger ist. Dennoch - Schaumann ist davon überzeugt, dass Orte wie die Hofer Filmtage gebraucht werden.
Streaming bringe Filme zu den Menschen - das sei großartig, ersetze aber nicht das gemeinsame Kinoerlebnis, wenn im Saal das Licht ausgehe, wenn Spannung bei einer Premiere herrsche: „Kultur ist kein Luxus, den man sich nur in guten Zeiten leisten sollte.“
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