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Veröffentlicht am 13.01.2026 00:07

Mit dem ID. Polo will VW wieder einen Volkswagen bauen

Aufsehenerregende Tarnung: Die bunte Optik des ID. Polo als Prototyp lässt Erinnerungen an den Harlekin der 1990er-Jahre aufkommen. (Foto: Volkswagen AG/dpa-tmn)
Aufsehenerregende Tarnung: Die bunte Optik des ID. Polo als Prototyp lässt Erinnerungen an den Harlekin der 1990er-Jahre aufkommen. (Foto: Volkswagen AG/dpa-tmn)
Aufsehenerregende Tarnung: Die bunte Optik des ID. Polo als Prototyp lässt Erinnerungen an den Harlekin der 1990er-Jahre aufkommen. (Foto: Volkswagen AG/dpa-tmn)

Berlin (dpa/tmn)- Kleine Autos werfen große Schatten voraus bei Volkswagen. Denn nachdem die Niedersachsen auf dem Weg in die elektrische Zukunft irgendwie den Kontakt zur Basis verloren haben, wollen sie jetzt mit einer ganzen Flotte neuer Kleinwagen endlich wieder Autos fürs Volk bauen.

Den Anfang macht dabei der ID. Polo, der im Augenblick noch als bunt beklebter Prototyp im Stil des 1990er-Jahre-Sondermodells Harlekin um Aufmerksamkeit buhlt und im Sommer wie versprochen für „unter 25.000 Euro“ in dem Handel kommt. Selbst wenn die Niedersachsen dieses Ziel mit einem Einstiegspreis von 24.990 Euro nur ganz knapp erreichen. 

Comeback der Knöpfe 

Dafür gibt es nicht nur das bis dato billigste Elektroauto eines deutschen Herstellers und damit womöglich tatsächlich den ersten Volkswagen für die Generation E. Sondern VW besinnt sich auch sonst auf seine alten Tugenden:

Nicht nur, weil sie auf einen bewährten Namen setzen statt auf eine Nummer, sondern vor allem, weil sie bei der Bedienung Schluss machen mit den viel kritisierten Slidern und Sensorfeldern und stattdessen zurückkehren zu Tastern und Knöpfen. Alle wichtigen Funktionen im Lenkrad steuert man deshalb jetzt wieder zielsicher durch Drücken statt Touchen und die Lautstärke fürs Infotainment oder die Temperatur stellt man an einem Drehregler ein.

Die Achtziger werden digital wieder lebendig

Zwar verschließt sich VW trotzdem nicht allen Neuerungen. Vielmehr gibt es natürlich digitale Instrumente und einen großen Bildschirm daneben. Aber selbst dort werfen sie in Wolfsburg den Blick mit einem Augenzwinkern zurück: Auf Wunsch simuliert der Screen hinter dem Lenkrad die analogen Anzeigen aus dem VW Golf der 1980er-Jahre und daneben dreht sich symbolisch eine Audiokassette, während der MP3-Player Modern Talking & Co spielt.

Update für den Elektro-Baukasten

Doch keine Sorge. Nur, weil sie sich auf alte Tugenden besinnen bei VW, haben sie den Fortschritt nicht vergessen. So gibt es nicht nur schlauere Assistenten und mehr Komfort wie etwa Massagesitze. Sondern der ID. Polo ist zudem das erste Modell aus dem modernisierten Modularen E-Antriebs-Baukasten (MEB) - das Plattformkonzept des Konzerns für E-Autos.

Für den wurden eine neue Generation von E-Motoren und neue Batteriezellen mit größerer Energiedichte entwickelt. Das drückt den Verbrauch und senkt die Kosten. Genau wie die Umstellung von Heck- auf Frontantrieb, die viele Kilo Kabel spart, das Gewicht senkt und die Montage vereinfacht.

Mehr Platz für Kind und Kegel 

Die Umstellung auf Frontantrieb hat allerdings noch einen weiteren Vorteil. Zwar ist der ID.Polo damit nicht ganz so wendig wie seine größeren Brüder und es hat wieder nicht für ein zweites Gepäckfach im Bug („Frunk“) gereicht. Doch dafür sitzt man nun auch in der zweiten Reihe für einen Kleinwagen von kaum mehr als vier Metern ganz schön erstklassig. Und man hat vor allem einen riesigen Kofferraum: Mit 435 Litern fasst der mehr als der VW Golf – und bei umgeklappter Rücklehne wird der Polo mit 1.243 Litern vollends zum Praktiker.

Fahrspaß mit angezogener Handbremse 

Angeboten wird der Polo zunächst in drei Versionen: mit 85 kW/116 PS, 99 kW/135 PS oder 155 kW/211 PS. Wer in der stärksten Variante unterwegs ist, erlebt den kleinsten E-Volkswagen als erfreulich kräftig und spurtstark, agil und engagiert.

Angesichts der souveränen Straßenlage, der erfreulich gefühlvollen Lenkung und dem für ein Elektroauto ungewöhnlich niedrigen Gewicht von kaum mehr als 1.500 Kilo fühlt man sich bisweilen sogar an den ersten Golf GTI erinnert. Nur dass bei 160 km/h schon wieder Schluss ist. Aber da geht noch was, sagt Wolfsburg und stellt für das Jahresende den ID.Polo GTI in Aussicht, der mit 166 kW/226 PS ein wenig flotter fahren sollte.

Seriöser Auftritt im Zwergenland der E-Mobilität

Egal, ob eilig oder entspannt – immer wirkt der ID. Polo erwachsener, reifer und seriöser als etwa der Renault R5, den VW als Hauptgegner ausgemacht hat. So gibt er den Streber unter den Elektro-Einsteigern und empfiehlt sich auch für große Reisen. Wobei das mit der Langstrecke natürlich so eine Sache ist.

Denn um das Preisziel zu halten, sparen die Niedersachsen bei den Batterien: Die Basisversion hat deshalb nur 37 kWh und soll für etwa 300 Normkilometer reichen. Und auch der größere Akku hat nur 52 kWh und ist nach etwa 450 Kilometern leer. Außerdem wird daheim mit maximal 11 und am Gleichstrom mit höchstens 130 kW geladen.

Das zweite Pedal hat endlich Pause

Ja, er lädt nicht ganz so flott wie die andren ID.-Modelle und fährt auch nicht ganz so weit, kommt der Generation E aber dafür auf andere Art entgegen. Denn VW hat bei den elektrischen Tugenden nachgebessert, die Rekuperation neu programmiert und erlaubt beim ID. Polo erstmals das bei vielen E-Kunden so beliebte One-Pedal-Fahren. Wer die härteste der fünf Stufen wählt und den Fuß vom Fahrpedal nimmt, verzögert so auch ohne mechanische Bremse bis zum Stillstand - und sorgt für entsprechend viel Energierückgewinnung.

VW kommt spät - aber gewaltig

Natürlich ist VW spät dran mit dem ID. Polo und muss das Feld jetzt von hinten aufrollen. Aber dafür kommen die Niedersachsen gewaltig, zumal der ID. Polo ja auch noch vom ID. Cross flankiert wird und von den Schwestermodellen Cupra Raval und Skoda Epiq. So werden sie den Markt von hinten aufrollen und einstige Rivalen wie Opel oder Ford gar vollends aus dem Rennen werfen. Datenblatt: VW ID.Polo 

 

 

 

 

© dpa-infocom, dpa:260112-930-535548/1


Von dpa
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