Bürger sollen die Variante sechs Wochen lang bewerten und Verbesserungsvorschläge einreichen. Die gusseiserne Variante kommt 2024.
Das aus Holzlatten, Grobspanplatten und Eisenrohren gebaut Modell eines Brunnens steht seit Mittwoch in der Seegasse in Bad Windsheim. Etwa sechs Wochen soll die Konstruktion nun dort stehen bleiben, Bürger können sie begutachten und ihre Ideen oder Verbesserungsvorschläge an Bürgermeister Jürgen Heckel weitergeben.
Mit einem Ideenaustausch fing es beim Pressetermin bereits in Verwaltungskreisen an. Stadtbaumeister Ludwig Knoblach plädierte dafür, die Fläche rund um den Brunnen weitestgehend frei zu lassen, „nicht alles zu überladen“. Heckel dagegen fand: „Da kommen auf jeden Fall Bänke hin“, begründete seinen Wunsch und stellte ihn pantomimisch dar, in dem er ins nicht vorhandene Wasser griff: „Jedes Kind will hier mal stehen bleiben und Panscherle machen.“
Im Umfeld müsse einiges getan werden, erläuterte Knoblach. Schilder müssten weg und eventuell der Briefkasten, darüber müsse man aber erst mit der Post sprechen. Heckel könne sich vorstellen den gelben Kasten eventuell gemeinsam mit der Litfaßsäule, der Knoblach noch ein „schönes Dächchen“ verpassen würde, ins Ensemble aufzunehmen.
Die Litfaßsäule sei „Kult“ und müsse bleiben, befand Heckel. Andiskutiert wurde das Thema bereits im Stadtrat, der auch die Entscheidung zu treffen hat. Ein Stimmungsbild der Bürger würde Heckel diesbezüglich aber dennoch gerne abfragen.
Rund sechs Wochen soll das achteckige Brunnenmodell nun stehen bleiben. Freilich sieht es noch nicht komplett so aus wie später im Original, aber die Bürger können es zumindest von der Farbgebung und der Dimension her auf sich wirken lassen. Die einzelnen Randplatten werden mit Elementen und Rossetten verziert. Eventuell wird der Reichsadler, wie im Wappen der Stadt, integriert werden, erklärte Knoblach.
Er und Thomas Schmied vom Stadtbauamt haben den Brunnen mit Winfried Ulm, Architekt für Denkmalpflege aus Illesheim, geplant. Er entstand nach Vorbild eines Brunnens, der in der Rhön steht. „Das hat uns inspiriert“, sagte Knoblach. Das Modell hat André Kreißelmeier vom Stadtbauhof gezimmert. Rund 800 Euro betrugen die Kosten dafür.
Der Brunnen hat einen Durchmesser von 3,17 Meter, die mittig platzierte Säule mit Wasserauslassern an vier Seiten eine Höhe von etwa 2,50 Metern plus Sockel. Der Sockel werde aus Muschelkalk gefertigt, erläuterte Knoblach und biete einen „schönen Kontrast“ zum gusseisernen Brunnen.
Ob es am Ende bei den zunächst geschätzten Kosten von 70.000 Euro bleibt, darauf wollte Heckel sich nicht „festnageln lassen“. Er sei aber rührig gewesen, die Finanzierung voranzutreiben, und habe Spenden in Höhe von 16.000 Euro bereits zugesagt bekommen. Dazu erwarte man Geld über die Städtebauförderung.
Wenn alles nach Plan laufe, so Heckel, dann plätschert das Wasser wohl ab Herbst nächsten Jahres im Brunnen, „vielleicht schon zur Kirchweih.“ In der Seegasse stand übrigens schon einmal ein Brunnen: Eine Quelle, die Knoblach einsehen konnte, zeigte die Jahreszahl 1815. Der neue Brunnen wird leicht nach hinten in Richtung Gehsteig versetzt, weil er sonst mitten in der Straße stehen würde.
Wurde der einstige Brunnen noch mit Fremdwasser über eine Leitung vom Schönen Brunnen aus gespeist, so sprudelt im neuen das Wasser aus einer unterirdischen städtischen Zisterne in der Sandhüttengasse. Diese fasst laut Knoblach rund 50 Kubikmeter Wasser. Leitungen müssen gelegt werden, ein Kreislauf soll entstehen. Zudem werde ein Sauganschluss für die Feuerwehr integriert und damit die Wasserversorgung in diesem Bereich verbessert.
Toll sei, dass die Außenplatten des Brunnens einzeln gefertigt werden, so Schmied. Denn geplant seien ja weitere Brunnen in der Altstadt, wie Heckel auch am Mittwoch wieder betonte. So genüge ein Anruf bei der Gießerei und man könne Platten nachproduzieren und diese beispielsweise auch als Quadrat oder Sechseck zusammenfügen.
Brunnen und Wasserquellen werten die Altstadt auf, animierten Besucher, länger dort zu bleiben und zu entspannen. Es sei ein Ansatz, dass auch Immobilienbesitzer in der Altstadt einen Anreiz hätten, etwas an ihren Gebäuden zu tun. Da spreche Heckel, der „mehrere Immobilien hier“ besitzt, aus Erfahrung. Drei Parkplätze werden in der Seegasse für Besucher und vor allem Altstadtbewohner künftig wegfallen. Man wisse um die Parkplatznot und es werde ein entsprechendes Konzept erarbeitet, versprach Heckel. Dies sei eines seiner nächsten Projekte.
Wenn das Modell aufgestellt ist, können sich Bürger ein Bild machen und ihre Vorschläge an Heckel schicken. Sie sollen auch mitteilen, ob die Litfaßsäule bleiben soll oder nicht. E-Mails können an buergermeister@bad-windsheim.de geschickt werden.