Moderne Möbel und neue Böden frischen die Räumlichkeiten des Domiziel in Ansbach, in denen Menschen mit psychischen Erkrankungen wohnen, auf. Rund 100.000 Euro hat der Verein in die Renovierung gesteckt. Wenige Hausnummern weiter sind nun auch die Bewohner der „WG Connect“ eingezogen.
Neue Böden, graue Möbel, ein Schaukelstuhl und viele Pflanzen: Die 13 Einzelzimmer und die Gemeinschaftsräume der stationären Einrichtung sind nun gemütlicher denn je eingerichtet. Relativ zentrumsnah leben in der Karolinenstraße junge Erwachsene mit psychischen Erkrankungen und Persönlichkeitsstörungen – wie zum Beispiel Depressionen oder Borderline –, die nach einem Krankenhausaufenthalt weiterhin Unterstützung benötigen.
Das Domiziel ist eine Übergangseinrichtung, in der die Bewohner Schritt für Schritt auf ein selbstständiges Leben vorbereitet werden, wie Ulrike Ammel, Gesamtleitung der Einrichtung, bei einer Veranstaltung erklärte. Die Bewohner trainieren lebenspraktische Fertigkeiten wie Putzen und Wäsche waschen und stärken ihre sozialen Kompetenzen. Zudem wird ihnen gezeigt, wie sie ihre Emotionen im Alltag stabilisieren können.
Besonders ausschlaggebend und hilfreich sei dabei das Leben in der Gemeinschaft mit Gleichaltrigen, sagte Fachdienstleitung Nikola Papert. Das sei „etwas sehr Heilsames“. Zwischen 18 und 25 Jahre alt sind die Bewohnerinnen und Bewohner im Schnitt. Auf zwei von vier Etagen befinden sich in dem Gebäude die Bewohnerzimmer. Vor dem Umbau hat es zusätzlich zu Einzelzimmern noch zwei Doppelzimmer gegeben. Doch diese haben immer wieder zu Problemen geführt, sagte Ammel. Letztlich habe die Privatsphäre gefehlt, weshalb die Räume in Einzelzimmer umgewandelt wurden.
Auch ein neues geräumiges Bad ist entstanden, so die Leiterin. Die Büroräume der Betreuerinnen und die Gemeinschaftsräume – wie die Küche und das Wohnzimmer, in dem sich Brettspiele im Schrank stapeln – wurden modernisiert und mit neuen Böden ausgestattet.
Die Renovierung hat der Verein aus Spenden von Vereinen, Unternehmen, aber auch der Spenden-Aktion „FLZ-Leser helfen“ bezahlt. Staatliche Unterstützung erhalte die Einrichtung nicht, so Norbert Häßlein, Vorsitzender des Vereins Domiziel.
Über noch mehr Eigenständigkeit können sich nun die drei Bewohner der neu gegründeten Wohngemeinschaft „WG Connect“ seit August freuen. Nur wenige Häuser von der stationären Übergangseinrichtung entfernt, hat das Domiziel eine Vier-Zimmer-Wohnung für dieses Projekt gefunden. Der vierte Bewohner wird in Kürze einziehen. „Das ging alles sehr schnell“, sagte Ammel. Die WG „bietet einen fließenden Übergang vom Stationären in das Ambulante“, weshalb auch die Nachfrage hoch sei.
Wie ein Zusammenleben funktionieren kann, können die Bewohnerinnen und Bewohner dort lernen. Dazu gehört das Aufteilen von Aufgaben im Haushalt und das gemeinsame Unternehmen von Aktivitäten. Zwar leben sie für sich, jedoch hat jeder eine eigene Bezugsperson im Domiziel, die ihnen jederzeit zur Seite steht. Auch einen gemeinsamen Betreuer für die WG gibt es.
Derzeit steht dem Domiziel das gesamte Haus, in dem sich die Wohngemeinschaft befindet, zur Miete zur Verfügung. Sobald das Erdgeschoss fertig renoviert ist, wird dort vorübergehend eine Klientin einziehen. Langfristig ist das Ziel, eine Begegnungsstätte, vielleicht ein Café, für die Öffentlichkeit zu schaffen.
Auch den Garten würden sie gern verschönern – eine Tischtennisplatte steht schon parat. Um das alles zu realisieren, sei der Kauf des Gebäudes erforderlich, so Häßlein. Jedoch stellt die Finanzierung aktuell ein Problem dar.