Der verheerende Wohnhausbrand im Leutershäuser Stadtteil Neunkirchen, der am 29. November einer Familie ihr Domizil raubte, hat die Debatte um den Standort für das neue Feuerwehr-Gerätehaus bei Wiedersbach neu entfacht. Die Kritiker sehen sich durch das Feuer bestätigt.
Laut Bedarfsplan sollen die beiden Feuerwehren aus Wiedersbach und Neunkirchen fusionieren und künftig ein neues, gemeinsames Gerätehaus nutzen. Von dort aus sollen sie den Brandschutz im nordöstlichen Stadtgebiet gewährleisten. Ein geeignetes Grundstück im Umkreis von Neunkirchen habe man trotz intensiver Suche nicht gefunden, wird Bürgermeister Markus Liebich nicht müde zu betonen.
Der Stadtrat hat deshalb eine freie Fläche gegenüber des Wiedersbacher Schützenhauses auserkoren; die Bauleitplanung ist bereits weit fortgeschritten. Doch den Neunkirchenern passt dieser Standort nicht, weshalb sie ihre Kooperation kategorisch verweigern. Ein neues Gerätehaus nur wenig mehr als einen Kilometer Luftlinie von der Leutershäuser Stützpunktwehr entfernt erscheint ihnen widersinnig und wenig hilfreich, um am östlichen Rand des weitläufigen Stadtgebietes schnell einsatzbereit zu sein.
Genau das habe nun der jüngste Einsatz bewiesen, sind sich diejenigen einig, die mit der Standortwahl hadern. „Der zerstörerische Hausbrand in Neunkirchen zeigt, dass kleine Ortsfeuerwehren eine essenzielle Rolle im Sicherheitsnetz vieler Gemeinden, insbesondere in ländlichen und abgelegenen Regionen, spielen. Wären die Einsatzkräfte der Neunkirchner mit ihren Ortskenntnissen zehn Minuten später am Einsatzort eingetroffen, wäre womöglich ein Menschenleben zu beklagen“, schrieb Stephan Zorn, ein Freund der betroffenen Familie, der FLZ.
In ländlichen Gegenden seien die Ortsfeuerwehren häufig die ersten vor Ort. „Ihre Nähe zum Einsatzort minimiert die Reaktionszeit bei Bränden, Unfällen oder Naturkatastrophen. Sie sichern die Grundversorgung im Brandschutz und Katastrophenschutz. Auch kleinere Einsätze wie die Rettung von Tieren, das Beseitigen von Sturmschäden oder die Unterstützung bei Unfällen gehören zu ihrem Aufgabengebiet“, so Zorn: „Ortswehren tragen entscheidend dazu bei, Schäden an öffentlicher und privater Infrastruktur zu begrenzen.“
Die von der Stadt Leutershausen geplante Fusionierung und der Neubau eines Feuerwehrhauses in Wiedersbach ist in Zorns Augen „strategisch sehr ungünstig für die umliegenden Dörfer in der östlichen Achse“. Für die Dorfbewohner bedeute dies, dass sie zuerst zum neuen Standort in Wiedersbach fahren müssen, um die Einsatzfahrzeuge zu erreichen, und anschließend die gleiche Strecke wieder zurücklegen, um zum Einsatzort zu gelangen. „Dies verlängert die Reaktionszeiten erheblich, was im Notfall Leben und Sachwerte gefährden kann.“
Zorns Kritik richtet sich insbesondere darauf, „dass die Stadt Leutershausen für diesen Neubau mehrere Millionen Euro ausgibt, ohne die Bedürfnisse und Gegebenheiten der umliegenden Gemeinden ausreichend zu berücksichtigen. Die Dörfer in der östlichen Achse müssen trotz der hohen Investition weiterhin lange Anfahrtswege in Kauf nehmen, was die Effizienz des Feuerwehreinsatzes stark beeinträchtigt.“
Darüber hinaus führe die Entscheidung „zu Spannungen zwischen der Stadt und den betroffenen Dörfern, insbesondere wenn Alternativen wie ein dezentraler Standort oder die Modernisierung bestehender Einrichtungen nicht ausreichend geprüft werden“, so Zorn. Somit sei die geplante Millionen-Investition „nicht nur kostspielig, sondern auch ineffizient und kontraproduktiv“.