Die ukrainische Regierung weist die Forderung von US-Präsident Donald Trump nach einem neuen Präsidenten zurück. Außenminister Andrij Sybiha schrieb am Abend auf der Plattform X, Selenskyj genieße die Unterstützung des ukrainischen Volkes und dieses habe das Recht, selbst zu entscheiden. „Äußerungen aus dem Ausland bestätigen nur, dass er seine Aufgabe gut erfüllt. Er verdient Unterstützung.“
Russland beschoss die ukrainische Hauptstadt Kiew derweil auch am Abend. Bürgermeister Vitali Klitschko schrieb auf der Plattform Telegram, es gebe bereits acht Verletzte, darunter eine 15-Jährige.
Trump hatte am Samstag einen neuen Präsidenten für die Ukraine gefordert und behauptet, Selenskyj habe vielfach die Gelegenheit gehabt, den Ukraine-Krieg zu beenden, und sich dagegen entschieden. „Ich glaube, es ist an der Zeit, dass die Ukraine einen neuen Präsidenten bekommt.“ Die Ukrainer sollten einen neuen Anführer suchen, der eine Vereinbarung zur Beendigung des Krieges schließen könne. Denn trotz vieler Möglichkeiten habe Selenskyj das „aus irgendeinem Grund nie getan.“ Trump fügte später hinzu: „Ich denke, er sollte Wahlen abhalten.“
Begonnen wurde der Krieg aber nicht von der Ukraine, sondern von Russland, dass vor mehr als viereinhalb Jahren in das Nachbarland einmarschiert war. Kremlchef Wladimir Putin hat mehrfach Angebote für einen bedingungslosen Waffenstillstand abgelehnt. Auch spätere diplomatische Initiativen verliefen im Sande.
Derweil berichtete „Bild“-Reporter Paul Ronzheimer aus Kiew, die Berater von Selenskyj seien geschockt von den Nachrichten aus Washington, wonach Trump nach dem Diesel-Deal mit Putin nun einen neuen Präsidenten für die Ukraine fordere. Ein enger Selenskyj-Berater habe ihm gesagt, ihnen sei klar gewesen, dass die Ukraine während des Wahlkampfs für die US-Zwischenwahlen im November wieder in den Fokus geraten würden, berichtete Ronzheimer auf der Plattform X. Aber damit hätten sie nicht gerechnet. Die größte Sorge sei, dass Trump tatsächlich die Geheimdienstkooperation beende.
Die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Europaparlaments, Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), schrieb auf X, wenn Trump Selenskyj zum Rücktritt auffordere, stelle er sich unmissverständlich auf die Seite des Mörders. „Über die Führung der Ukraine entscheiden alleine die Ukrainerinnen und Ukrainer in freien Wahlen, nicht das Weiße Haus und schon gar nicht der Kreml.“
Selenskyj hatte sich mehrfach zu direkten Gesprächen mit Putin bereiterklärt, aber Einladungen nach Moskau kategorisch abgelehnt. Ein Wechsel an der Staatsspitze der Ukraine ist aktuell nicht möglich, da laut Verfassung eine Wahl zu Kriegszeiten ausgeschlossen ist.
Trump beschuldigte Selenskyj zudem, mit Angriffen auf den russischen Energiesektor zur weltweiten Knappheit an Diesel beigetragen zu haben und rief ihn auf, Angriffe auf russische Raffinerien einzustellen. „Er will unseren Landwirten und Viehzüchtern Probleme mit Dieselkraftstoff bereiten, denn Russland liefert einen großen Teil des Dieselkraftstoffs weltweit“, behauptete Trump. Tatsächlich waren die Preise für Rohöl und Diesel infolge des Iran-Krieges in die Höhe geschossen, den die USA und Israel im vergangenen Februar begonnen hatten.
Am Samstag hatte Trump dann nach einem Telefonat mit Kremlchef Wladimir Putin einen Diesel-Deal mit Russland verkündet - Hunderttausende Tonnen an Diesel sollen in den kommenden Monaten aus Russland kommen. Selenskyj reagierte empört: „Die Erlaubnis für Russland, Erdölprodukte zu verkaufen, ist eine Investition in den Krieg (gegen die Ukraine), den man beenden und nicht verlängern muss“, schrieb er auf Telegram. Trump steht in den USA angesichts gestiegener Spritpreise vor den wichtigen Zwischenwahlen in weniger als einem Monat aktuell stark unter Druck.
Dagegen bescheinigte Trump Russland die Bereitschaft, den Krieg beenden zu wollen. Russland wolle eine Vereinbarung treffen, sagte Trump am Abend (Ortszeit). Aus welchen Gründen auch immer wolle Selenskyj das aber nicht. Wenn man die Größenverhältnisse ansähe - auf der einen Seite Millionen Soldaten mehr als auf der anderen - dann wäre es klug gewesen, wenn Selenskyj bereits vor zwei Jahren eine Vereinbarung getroffen hätte, sagte Trump. „Er wäre deutlich besser dagestanden.“ Trump fügte hinzu: „Präsident Putin will dringend ein Abkommen haben.“
Das Verhältnis zwischen Trump und Selenskyj ist wechselhaft: Ein erster Tiefpunkt war das öffentliche Zerwürfnis der beiden im Februar 2025, als Trump Selenskyj im Oval Office mangelnden Respekt und fehlende Dankbarkeit vorwarf. Nach und nach näherten sich die beiden Präsidenten wieder aneinander an, es wurde ein umstrittenes Rohstoffabkommen unterzeichnet. Nun scheint der nächste Tiefpunkt erreicht.
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