Der Streit um ein neues Feuerwehrhaus im Leutershäuser Stadtteil Wiedersbach geht in die nächste Runde. Nun hat die Fraktion CSU/Freie Wähler im Stadtrat beantragt, Alternativvorschläge einzuholen und die Größe zu überdenken. Ziel ist es, die Baukosten zu reduzieren.
Zum einen geht es der Fraktion darum, einem Leitfaden des Stadtrates folgend vor einem Planungsauftrag immer auch verschiedene Varianten zu prüfen. Zum anderen stellen CSU und Freie Wähler das Raumprogramm in Frage, das Architektin Christine Pfister ihrem kürzlich präsentierten und auf rund zwei Millionen Euro taxierten Vorentwurf zugrunde legte.
Der nämlich geht von einer gemeinsamen Nutzung des neuen, vis-a-vis vom Schützenhaus geplanten Gerätehauses durch die beiden Wehren aus Wiedersbach und Neunkirchen aus. Doch mit diesem Standort sind nicht alle glücklich. In einer „Dialogveranstaltung“ Mitte Mai sei deutlich geworden: „Es ist die klare Position von Neunkirchen: Wenn es bei diesem Standort bleibt, dann ist keiner bereit, sich dort mit einzubringen“, berichtete Stadtrat Raimund Walz (CSU): „Kein Mitglied aus Neunkirchen wird Dienst in Wiedersbach leisten.“
Während sich die Neunkirchener Wehr auf den Standpunkt stellt, das ins Auge gefasste Grundstück widerspreche den Vorgaben des Feuerwehr-Bedarfsplanes und sichere den Brandschutz im nordöstlichen Teil des Stadtgebietes nicht, hätten hochrangige Feuerwehr-Führungskräfte in dem Gespräch versichert, die gesetzlichen Vorgaben würden eingehalten, so Walz. Man müsse die Rechnung nun aber ohne Neunkirchen machen – auch, um zu verhindern, dass andere Wehren im Stadtgebiet wegen eines zu teuren Projektes „hinten runterfallen“. Walz: „Wir müssen alle bestmöglich versorgen.“
Der Fraktionssprecher forderte: „Wir müssen offen und ehrlich aussprechen: Wie groß soll das Haus werden?“ Die Zahl der Aktiven, die den Neubau tatsächlich nutzen, müsse Grundlage für die Planung sein. „Das hat keinen Sinn, solange wir uns nicht über das Raumprogramm ausgetauscht haben“, so Walz. Bürgermeister Markus Liebich warf er sinngemäß vor, mit dem Auftrag an eine Architektin vorgeprescht zu sein.
Der wies den Vorwurf einer eigenmächtigen Beauftragung harsch zurück. Die Verwaltung sei „sehr strukturiert und akribisch“ vorgegangen, nachdem der Standort definiert gewesen sei. Mit einem Fragebogen habe man die Bedürfnisse der Feuerwehren ermitteln wollen. Leider habe sich aber die FFW Neunkirchen „von Anfang an nicht an dem Prozess beteiligt“.
Auf Basis des von der Planerin erstellten Konzeptes könne man nun über Einsparpotenziale und Gestaltung reden“, so Liebich, dem Beate Boch (SPD) zur Seite sprang: „Man braucht immer eine Diskussionsgrundlage.“ Allerdings betonte auch sie: „Wir müssen feststellen, für wie viele aktive Feuerwehrleute wir dieses Haus bauen.“ Und auch über die Ausstattung müsse man sprechen, fügte Harald Domscheit (ALL) hinzu: „Wir müssen nicht an jedem Standort einen Schulungsraum vorhalten.“
Die Dimensionsfrage stellt sich indes für den Bürgermeister nicht. „Der Standort ist klar mit beiden Wehren abgestimmt, da gibt es nichts zu rütteln“, sagte er. Es gehe nicht darum, ob für 56 oder 86 Aktive gebaut wird. „Ich denke da optimistisch. Wir müssen zukunftsorientiert planen“, so Liebich. Eine Ausstattung für beide Wehren sei „der richtige Ansatz“.
Der Vorschlag der Fraktion CSU/Freie Wähler lautete, bei Fertigbaufirmen nach einem standardisierten Bau ohne Vorgaben anzufragen. Das aber, so die Warnung aus der Verwaltung, sei „nicht zielführend“, sondern könnte einen Verstoß gegen Vergaberichtlinien darstellen. Das würde sich unter Umständen negativ auf Zuschüsse auswirken.
Der Bürgermeister kommentierte: „Ich sehe den Weg kritisch, den der Stadtrat einschlagen will.“ Zeitverzug habe beim Bauhof „viel Geld gekostet“. Eigentlich sollte das Projekt schon viel weiter sein. „Schade, dass wir nicht voran kommen“, so Liebich, der mit Blick auf erhebliche Sicherheitsmängel in den bestehenden FFW-Unterkünften warnte: „Der kommunale Unfallverband verfolgt sehr akribisch, was wir machen.“
Eine Entscheidung vertagte der Stadtrat. Zunächst müsse die Verwaltung dem Rathauschef zufolge „neu bewerten, wie wir damit umgehen“. Zugleich bat Liebich um weitere Hinweise zum Raumprogramm.