Neu im Kino: Eine „gottverdammte Heldin“ in toxischer Ehe | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 07.10.2026 07:01

Neu im Kino: Eine „gottverdammte Heldin“ in toxischer Ehe

Rosalie Thomass spielt Cornelia im Film „Lügen über meine Mutter“. (Foto: Frank Dicks/TOBIS Film/dpa)
Rosalie Thomass spielt Cornelia im Film „Lügen über meine Mutter“. (Foto: Frank Dicks/TOBIS Film/dpa)
Rosalie Thomass spielt Cornelia im Film „Lügen über meine Mutter“. (Foto: Frank Dicks/TOBIS Film/dpa)

Diese Ehe steht unter keinem guten Stern. Werner nörgelt dauerhaft an seiner Frau Cornelia herum, ist mit seinem Job unzufrieden und findet nur Freude an Statussymbolen. Seine Frau ist keins, findet er. Weil sie in seinen Augen zu dick und deshalb nicht vorzeigbar ist. Deshalb ist sie seiner Meinung nach auch daran schuld, dass er nicht befördert wird.

Dieser unangenehme, toxische Ton zieht sich durch den ganzen Film „Lügen über meine Mutter“, der in den 1980er-Jahren in einer Provinz in Westdeutschland spielt. Aus der Perspektive der siebenjährigen Tochter Ela (Elise Lindner) wird die unglückliche Ehe der Eltern (Rosalie Thomass und Golo Euler) beschrieben - und der Weg dahin beziehungsweise die Gründe dafür erforscht. 

Unglücklichsein schwebt wie eine Gewitterwolke über allem

Im Mittelpunkt der Gespräche zwischen Werner und Cornelia stehen fast immer nur Cornelias Gewicht - oder andere „Unzulänglichkeiten“ der eigentlich positiven, hübschen und eigenwilligen Frau. Immer, wenn sie wieder einen Schritt in ein selbstbestimmtes Leben gehen will, folgt ein neuer Stolperstein: demente Mutter, fiese Schwiegermutter, toter Vater, misslungene Abtreibung. Gleichzeitig kämpft sie mit einer fast schon stoischen Zuversicht lächelnd für das Glück daheim. Dennoch schwebt das Unglücklichsein wie eine düstere Gewitterwolke über dem Zuhause. 

Rosalie Thomass ist eine Wucht

Rosalie Thomass spielt diese Rolle mit einer beeindruckenden Intensität. Ob kurzes Glück, kleine Hoffnung, tiefe Enttäuschung, Befreiungsschlag oder erbitterter Kampf - sie zeigt alle diese Emotionen und zieht das Publikum damit spielerisch in ihren Bann. Und sie macht selbstbewusst Mut, den eigenen Körper zu lieben - auch, wenn er keine Modelmaße hat.

Golo Euler überzeugt ebenfalls in seiner Rolle: Man kann ihn schlicht nicht leiden. Diesen gemeinen Mann, der seine eigenen Versagensängste auf seine wunderbare Frau projiziert und sie damit immer wieder klein macht und abwertet. Wer Gleichberechtigung gut findet, dürfte während des Films immer wieder die Hände zu Fäusten ballen.

Gelungene Literaturverfilmung, die nachhallt

Das lockere Lebensgefühl der 1980er-Jahre und die orangefarbene Leichtigkeit und Blumigkeit dieser Zeit bestimmen vor allem das Visuelle des 102-Minüters. Die inhaltliche und schwere Tiefe kommt vor allem durch die direkten und indirekten Attacken, denen sich Cornelia immer wieder ausgesetzt sieht. 

„Lügen über meine Mutter“ von Regisseur Aron Lehmann ist eine Verfilmung des gleichnamigen Romans von Daniela Dröscher, der 2022 erschienen ist. Sie fesselt, beeindruckt und lässt beim Finale erleichtert aufatmen. Weil Cornelia eben doch - wie Tochter Ela wunderbar zusammenfasst - „eine gottverdammte Heldin“ ist.

© dpa-infocom, dpa:261007-930-800838/1


Von dpa
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