Erst war es Freude, dann Frust, der sich in Ärger verwandelte. Es folgte die Hoffnung, die scheinbare Erlösung, der neuerliche Ärger und schließlich die Resignation. Jetzt ist plötzlich wieder Hoffnung da – eventuell bekommt Neustadt doch noch seine Postfiliale in der Bamberger Straße.
Zur Erinnerung: Zu Beginn des Jahres 2025 hatte ein Bamberger Geschäftsmann, der bereits die ehemalige Buchhandlung Schmdt betrieben hatte, nach dem Verkauf des Buchhandlungsgebäudes seinen Betrieb auf die andere Straßenseite verlagert und sich bereit erklärt, dort auch eine Postfiliale einzurichten. Grund: Nachdem die Post ihren Betrieb in der Alleestraße endgültig eingestellt hatte, fehlte in der Innenstadt eine Anlaufstelle für alle postalischen Angelegenheiten – da kam das Angebot des Bamberger Unternehmers wie gerufen.
Doch auf die Freude folgte nach einigen Monaten der Frustration: Plötzlich war die Filiale geschlossen, ein handgeschriebenes Schild im Eingangsbereich kündete von einer kurzfristigen krankheitsbedingten Schließung. Aus der kurzen Schließung wurden Wochen, schließlich Monate. Versuche, den Filialbetreiber anzuschreiben endeten irgendwo im Nirgendwo – nicht einmal seinen Auftraggeber (die Post) hatte der Mann informiert, geschweige denn die Stadt.
Schließlich nahm sich Bürgermeister Klaus Meier der Sache an und machte Druck. Tatsächlich schien nach zähem Beginn endlich Bewegung in die Angelegenheit zu kommen, Meier deutete eine Lösung mit Hilfe eines Nürnberger Unternehmers an, der bereits im dortigen Großraum mehrere Filialen betrieb. Kaum hatte Meier diesbezügliche Andeutungen gemacht, keimte wieder Hoffnung auf, die dann im November zur scheinbaren Erlösung führte: Man habe einen entsprechenden Vertrag unterschrieben, Anfang Januar werde die Filiale wieder geöffnet sein.
Doch es kam, wie es fast hatte kommen müssen. Glückwünsche zu seinem Erfolg musste Meier in der Dezember-Bürgerversammlung schweren Herzens abwehren, denn es hätten sich neuerliche Irritationen ergeben und der anvisierte Betreiber habe einen Absprung angedeutet. Genau dies bewahrheitete sich dann auch, als Meier im Januar vom besagten Nürnberger ein Schreiben erhielt, in dem dieser seinen Rückzug vom Deal erklärte. Die Gründe blieben ein wenig im Dunkeln – die Rede war im Brief von Problemen mit einer Cadolzburger Filiale und deren Betreiberin. Wie dies genau mit Neustadt zusammenhängen könnte, wurde nicht so recht ersichtlich, aber das spielte auch keine Rolle. Fakt war: Die angepeilte Filiale stand wieder ohne Betreiber da.
Gestern jedoch erfolgte die erneute Kehrtwende: Klaus Meier, der wenige Monate vor seinem Abschied aus dem Amt wohl offensichtlich keine Rücksicht auf die Befindlichkeiten eines Großkonzerns nehmen will, hatte seinen Druck so sehr erhöht, dass am frühen Nachmittag gleich eine ganze Delegation der Post im Rathaus erschien. Mit dabei im Trio: Der unter anderem für Neustadt zuständige Regionalmanager Markus Ehm.
Im Laufe des Gesprächs wurde dann seitens der Post-Abordnung angekündigt, dass die Filiale demnächst wieder öffnen werde – sobald man Personal gefunden habe. Das kann in einer Woche, aber auch in einem Monat sein. Allerdings will man nur eine täglich zwei Stunden umfassende Öffnungszeit anbieten – von Montag bis Freitag sowie am Samstag. „Das ist gerade mal befriedigend”, sagt Klaus Meier dazu: „Nicht gut, aber doch viel besser als nichts.” Ihm sei auch gesagt worden, man werde seitens der Post nun eine Art Job-Sharing mit dem Filialbetreiber in Diespeck anstreben, auch dort sei die Filiale zwei Stunden pro Tag geöffnet. Wenn sich der dort Zuständige bereit erkläre, auch die zwei Neustädter Stunden zu übernehmen, könne alles ganz schnell gehen.
Zudem, so Klaus Meier, habe man ihm signalisiert, dass diese Filiale mit ihren geringen Öffnungszeiten nur eine „Übergangslösung” sein solle, man strebe etwas deutlich Größeres an. Wo das entstehen und wie das aussehen könnte, blieb offen. Eine Anfrage bei der zuständigen Pressesprecherin der Post erbrachte die Antwort, man werde sich im Laufe des heutigen Freitags mit weiteren Informationen melden.
Für Klaus Meier ist das alles „besser als nichts” und vor allem für Neustadts ältere Mitbürger sei es wichtig, eine Anlaufstelle für Briefe und Pakete zu haben. Und bis zur Wieder-Eröffnung gilt natürlich das Prinzip Hoffnung.