Den bayerischen Verfassungsorden hat Dr. Karl-Heinz Röhlin insbesondere für seine Verdienste um die fränkische Mundart erhalten. Landtagspräsidentin Ilse Aigner zeichnete den Theologen jüngst aus. Der Neuendettelsauer blickt darüber hinaus auf ein umfassendes Engagement für die Werte der Verfassung zurück.
„Ich war total überrascht“, erklärt der 73-Jährige, aber „ich habe mich sehr gefreut“. Gleichzeitig habe er gedacht: Eigentlich hätten andere den Orden mehr verdient. Mit diesem würdigt der bayerische Landtag nach eigenen Angaben „Bürgerinnen und Bürger, die sich in besonderer Weise um die Verwirklichung der Grundsätze der Bayerischen Verfassung verdient gemacht haben“.
Wie der Landtag auf ihn kam, weiß der ehemalige Nürnberger Regionalbischof nicht. „Ich habe im Landtagsbüro angerufen, und die Mitarbeiterin hat mir gesagt, sie dürfen nicht sagen, wer mich vorgeschlagen hat“, erzählt er.
In der Weihnachtszeit tragen Karl-Heinz Röhlin und seine Frau Ruth (71) stets an verschiedenen Orten eine „Fränggische Weihnachd“ und selbst verfasste Geschichten in fränkischer Mundart vor. Meist treten sie bei der „Weihnachd“ mit Interpreten von vor Ort auf, wie der evangelische Theologe ausführt.
Die fränkische Version der Weihnachtsgeschichte stammt aus Karl-Heinz Röhlins Feder. Er sagte einmal: „Jesus hat selbst Aramaäisch, einen Regionaldialekt, gesprochen.“ Die Weihnachtsgeschichte enthalte existenzielle Themen. Ihm geht es darum, „die Botschaft in die Zeit zu übersetzen – in der Sprache, die für viele Menschen Heimat ist“.
Er und seine Frau entwickelten auch drei fränkische Kabarettprogramme. Karl-Heinz Röhlin bestritt den Wortteil, und Ruth Röhlin spielte Klavier. 2017 ging es mit „Alles in Luther“ los – passend zum Jubiläum „500 Jahre Reformation“. Heute treten beide – über die weihnachtlichen Programme hinaus – noch mit Kulturprogrammen, also mit Texten und Musik, auf.
„Was die Mundart anbelangt, bin ich in Franken einer unter vielen“, stellt Karl-Heinz Röhlin allerdings fest. Der Arbeitskreis Mundart in der Kirche, der jetzt auch eine fränkische Bibel herausbrachte, sei hier eigentlich federführend.
Das ehrenamtliche Wirken des heute 73-Jährigen berührte stark den Sport. Einst selbst Fußballspieler beim TSC Neuendettelsau, „war ich in meiner beruflichen Karriere in jedem Ort Mitglied im Sportverein“ – bis hin zum 1. FC Nürnberg. Bei der Spielvereinigung Unterhaching brachte er sich als Jugendtrainer ein und hatte dafür die Schiedsrichterprüfung ablegen müssen.
Die Werte der bayerischen Verfassung sind Karl-Heinz Röhlin wichtig. Er spricht von liberaler Demokratie, Menschenwürde und politischer Bildung. Der Theologe sah sich immer an der Schnittstelle von Kirche und Gesellschaft.
Karl-Heinz Röhlin war Gemeindepfarrer an der Grenze zur DDR, Referent für Seelsorge im Landeskirchenamt in München, Landjugendpfarrer der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und Leiter der Evangelischen Landvolkshochschule in Pappenheim sowie Regionalbischof in Nürnberg und Rektor des Pastoralkollegs der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern in Neuendettelsau.
„Wir sind in Gedenkstätten gefahren, haben Studienreisen nach Israel unternommen und hatten gesellschaftspolitische Themen auf der Tagesordnung“, schildert er allein aus der Landjugendpfarrer-Zeit.
Er bekam schon den Ehrenbrief des Bezirks Mittelfranken verliehen. „Das war für meinen ehrenamtlichen Einsatz in der Bürgerbewegung für Menschenwürde in Mittelfranken, die ich mitbegründet habe“, hebt er hervor. Er war lange im Vorstand und zum Beispiel Mitherausgeber des Buchs „Politischer Extremismus und Demokratie in Mittelfranken“.
Als Regionalbischof erlebte er vier Kirchenasyle, wie er erinnert. Er habe damals vertrauensvoll mit dem damaligen bayerischen Innenminister Dr. Günther Beckstein verhandelt. In drei Fällen sei dies erfolgreich gewesen: Die Menschen erhielten laut den Worten des Theologen eine Aufenthaltserlaubnis aus humanitären Gründen.