Wie eine Seite aus einem alten Bilderbuch lag die Kirche St. Kilian in dichtem Schneegestöber unter dem nachtschwarzen Himmel inmitten des reflektierenden Weiß‘ der Schneedecke. Keine schönere Kulisse hätte man sich für das Neujahrskonzert wünschen können.
Es musizierte, wie schon seit vielen Jahren, das Fürther Kammerorchester KlangLust! unter der Leitung von Stargast Michael Bochmann. Ein wunderbares Programm hatten die Musiker sich ausgesucht, die Namen der Komponisten versprachen Großes und die Werkauswahl passte ausgezeichnet zur Einstimmung in ein neues Jahr: Heiter und sorglos, sprühend vor musikalischen Einfällen – einfach hinreißende Musik.
Die „Klassiker“ macht genau das aus: Man hört sich nie satt an ihnen, gewinnt ihnen bei jedem Hören neue Seiten ab, sei es durch ein minimal verändertes Tempo, eine eigenwillige Interpretation oder einfach durch den Gesamtklang eines Orchesters.
Drei große Werke von drei großen Komponisten: das Concerto grosso op. 6/8 von Arcangelo Corelli, das Divertimenteo F-Dur KV 138 von Wolfgang Amadeus Mozart und die Streicherserenade E-Dur op. 22 von Antonín Dvorák. Der Einschub von Uwe Strübings „Pensado“, ein zeitgenössisches homophon gehaltenes kleines Werk, nahm sich dabei fast wie ein Fremdkörper aus.
Mozarts Divertimento stand in der Mitte. Wie von selbst läuft er, der Wolferl, der immer zum Scherzen aufgelegt und dabei doch ein harter Arbeiter war. Fröhlich wie ein Tanz von Kindern um den Weihnachtsbaum, ausgelassen wie eine Schlittenfahrt mit kräftigen Pferden.
Dvoráks Streicherserenade op. 22 gehört zu den einfallsreichsten des tschechischen Komponisten. Die gesamte Volksmusik Böhmens hat er eingebaut, Walzer und Tanzlieder, die Motive überschlagen sich in ihrer Fülle, werden von den Violinen vorgespielt und an die Violas und Celli weitergegeben. Wer kennt nicht den zweiten Satz „Tempo di valse“, voller träumerischer Sehnsucht, Nostalgie und Melancholie. Das Werk ist der blaue Himmel im Winter, klar und wolkenlos.
Die Freude an den Werken spiegelt sich in den Gesichtern der vorwiegend jüngeren Musiker. Sie verständigen sich durch Blicke, achten auf die anderen Instrumente und schaffen einen Klang aus einem Guss. Freilich liegt Michael Bochmanns Violine darüber, auch die des Leiters Bernd Müller strahlt hervor. Das ist ja auch das Vorrecht, die Aufgabe der ersten Violine, sie ist nun einmal der Star in jedem Streicherensemble. Doch das gesamte Konzert, das Orchester, sind eine Art Gesamtkunstwerk. Alles passt zusammen, scheint eine logische Abfolge zu sein, man könnte sich gar nichts anderes vorstellen.
I-Tüpfelchen und Schlusspunkt setzte die Zugabe: Der Langenzenner Bariton Markus Simon vervollkommnete die Stimmung der Weihnacht, die Begrüßung des neuen Jahres, mit dem Lied der „Drei Könige aus dem Morgenland“.
Der begeisterte Applaus bestätigte Musik und Musiker.