Es kann jeden treffen. Durch einen Unfall, eine Krankheit oder beispielsweise einen Schlaganfall kann es zu einer Hirnschädigung kommen. Dies hat für Betroffene, Angehörige und Freunde oft weitreichende Folgen. Diese sind, wie Ulrich Wittenbeck weiß, im körperlichen, psychischen und sozialen Bereich angesiedelt.
Der Sozialpädagoge arbeitet schon seit 21 Jahren bei der Beratungsstelle für Menschen mit erworbener Hirnschädigung Mittelfranken. „Bayern ist in Sachen Beratungsstellen top aufgestellt und in den Regionen gut vertreten.“ Anders sehe es in Baden-Württemberg aus.
Regelmäßig bietet der 59-Jährige Sprechstunden an. Jeweils einmal im Monat ist er in Neustadt in den Räumen der Caritas, Ansbacher Straße 6, und in Bad Windsheim bei den offenen Hilfen der Lebenshilfe, Hagelsteingasse 2, nach vorheriger Anmeldung anzutreffen. Aber auch außerhalb dieser festen Zeiten steht der Diplom-Sozialpädagoge mit Rat und Tat zur Verfügung.
Bei Bedarf finden Hausbesuche statt, da viele Klienten nicht mobil sind. Es ist zudem in etlichen Fällen wichtig, sich vor Ort ein Bild zu machen „Ich bin viel in Westmittelfranken unterwegs“, sagt er.
Wodurch haben die Frauen und Männer eine Hirnschädigung erlitten? Dies kann auf einen Schlaganfall, ein Schädel-Hirn-Trauma, eine Hirnblutung, auf Schädigungen durch Sauerstoffmangel oder entzündliche Erkrankungen zurückzuführen sein. Danach fragen sich die Betroffenen und deren Umfeld, wie es weitergeht. Was folgt nach dem Klinikaufenthalt? Welche Möglichkeiten der Rehabilitation bestehen? Wie kann eine Wiedereingliederung in das soziale Umfeld und den Beruf erfolgen? Wo findet man entsprechende Beratung und Unterstützung?
„Wir lassen die Menschen mit diesen Fragen nicht allein und entwickeln mit ihnen zusammen neue Lebensperspektiven“, stellt Wittenbeck fest. Kurzum. „Wir helfen bei der Organisation des Lebens.“
Viele Betroffene haben zudem sozialrechtliche Fragen oder brauchen Unterstützung bei Behördenangelegenheiten. Es gibt ferner Informationen über die ambulante und stationäre Rehabilitation und die Grundlagen der Finanzierung.
Viele Klienten hatten einen Schlaganfall erlitten, unter ihnen einige, die deutlich jünger als 50 Jahre sind. „Wenn man an einen Schlaganfall denkt, fallen vielen dazu gleich halbseitige Lähmung, Aphasie und kognitive Einschränkungen ein“, betont Wittenbeck.
Den Betroffenen und ihren Angehörigen brennen viele Fragen auf den Nägeln. Sie wollen etwa wissen, wie es nach der Reha weitergeht. Manche bedürfen der häuslichen oder stationären Pflege. Nicht bei jedem ist danach eine Versorgung daheim gesichert. Viele treibt ferner die Frage um, ob und in welcher Form sie wieder arbeiten können. Wenn dies möglich ist, gilt es etwa, die berufliche Wiedereingliederung im Blick zu haben, mit dem Arbeitgeber zu überlegen, wie man mögliche Einschränkungen einbeziehen kann. „Für die Betroffenen ist es schwer, nicht genau zu wissen, wie es weitergeht.“
Ein Problem, mit dem etliche zu kämpfen haben, ist sozialer Art. Nicht selten bricht der Bekanntenkreis weg, wenn die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben aufgrund von Einschränkungen nicht mehr wie zuvor möglich ist. Sorgen und psychische Belastungen wiegen schwer, stürzen so manchen in eine Krise – auch hier steht Wittenbeck für Gespräche und Beratung zur Verfügung und zeigt Zukunftsperspektiven auf.
Hilfreich sind Selbsthilfegruppen wie etwa „Die Optimisten“ – eine Gruppe, in der sich Frauen und Männer treffen, die einen Schlaganfall oder ein Schädel-Hirn-Trauma hatten und die wieder neuen Lebensmut und Freude am Leben finden wollen. Sie treffen sich an jedem zweiten Mittwoch im Monat von 17 bis 19.30 Uhr im katholischen Pfarrzentrum, Ansbacher Straße 5, in Neustadt. In Uffenheim kommt die Gruppe an jedem zweiten Dienstag im Monat von 14 bis 16 Uhr im katholischen Pfarramt Uffenheim, Karl-Arnold-Straße 13, zusammen.
Aus langjähriger Erfahrung weiß Wittenbeck, dass bei vielen die Angst groß ist, auf Dauer ein Pflegefall zu bleiben. Aber auch in diesem Fall lässt man die Menschen nicht im Regen stehen. Der Fachmann hilft beispielsweise, wenn es um das Beantragen von Pflegeleistungen geht.
Auf die Beratungsstelle können die Klienten so lange zurückgreifen, wie sie mögen. Einen Mann begleitet der 59-Jährige bereits seit bald 20 Jahren. Während die Beratung anfangs sehr intensiv war und es großer Unterstützung bedurfte, trifft man sich jetzt nur noch ein Mal im Jahr. Man ist so lange für die Klientinnen und Klienten da, wie sie von der Beratungsstelle und ihren Angeboten Gebrauch machen wollen.
Wer einen Termin vereinbaren will, kann dies telefonisch unter der Rufnummer 0911/3 93 63 42 12 tun oder per E-Mail an wittenbeck.ulrich@rummelsberger.net.