Notarzt-Modellversuch im Neustädter Landkreis geht weiter | FLZ.de | Stage

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 24.06.2023 13:00

Notarzt-Modellversuch im Neustädter Landkreis geht weiter

Der Modellversuch des gemeinsamen Dienstplans für die Notarzt-Standorte in Uffenheim und Bad Windsheim wird bis Jahresende verlängert – mit zwei Notarzteinsatzfahrzeugen, also einem pro Ort. (Archivfoto: Günter Blank)
Der Modellversuch des gemeinsamen Dienstplans für die Notarzt-Standorte in Uffenheim und Bad Windsheim wird bis Jahresende verlängert – mit zwei Notarzteinsatzfahrzeugen, also einem pro Ort. (Archivfoto: Günter Blank)
Der Modellversuch des gemeinsamen Dienstplans für die Notarzt-Standorte in Uffenheim und Bad Windsheim wird bis Jahresende verlängert – mit zwei Notarzteinsatzfahrzeugen, also einem pro Ort. (Archivfoto: Günter Blank)

Am 1. Juli 2022 war der Modellversuch des gemeinsamen Dienstplans für die Notarzt-Standorte in Uffenheim und Bad Windsheim gestartet, vorerst auf ein Jahr begrenzt. Jede Stadt behielt ein eigenes Notarzteinsatzfahrzeug. Am 30. Juni endet die Probephase. Zeit, um die Frage zu stellen: Wie geht es weiter mit den beiden Notarzt-Standorten?

Eine Antwort darauf gibt es bislang noch nicht – zuerst müssen die verfügbaren Daten ausgewertet werden, heißt es seitens des Zweckverbands für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung (ZRF) Ansbach, dessen Bereich Stadt und Landkreis Ansbach sowie den Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim umfasst.

Wie sind die Verantwortlichen bislang mit dem Modellversuch des gemeinsamen Dienstplans zufrieden? Zu sehr aus der Deckung wagen sie sich noch nicht. „Für eine fundierte Bewertung des gemeinsamen Dienstplans für die beiden Notarzt-Standorte in Uffenheim und Bad Windsheim ist es zu früh“, kommentieren die ZRF-Geschäftsführung und das Neustädter Landratsamt auf Anfrage. Zuerst müssten verlässliche Fakten vorliegen.

Unabhängiges Institut soll Situation bewerten

Erste Ergebnisse sollen der ZRF-Verbandsversammlung in einer der kommenden Sitzungen präsentiert werden. „Darüber hinaus plant der ZRF, beim Institut für Notfallmedizin ein Gutachten in Auftrag zu geben, wie sich die Versorgungssituation entwickelt hat.“ Bedeutet: Ein unabhängiges Institut soll genau unter die Lupe nehmen, ob und wie sich der Modellversuch des gemeinsamen Dienstplans auf die Notarzt-Bereiche Bad Windsheim und Uffenheim während der zwölfmonatigen Probephase ausgewirkt hat.

„In diesem Zuge werden die bei der Integrierten Leitstelle Ansbach vorliegenden Zahlen zu Einsätzen übermittelt und ausgewertet. Die Erstellung eines solchen Gutachtens wird eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen“, informiert die ZRF-Geschäftsführung. Deshalb werde am Modell mit zwei Notarztfahrzeugen „bis Jahresende festgehalten. Seitens der Krankenkassen liegt eine entsprechende Finanzierungszusage vor.“ Das bestätigt die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) – und betont: „Eventuelle Anschlussmaßnahmen sind dann Gegenstand der Verbandsversammlung.“ Ansonsten sei die KVB bei strukturellen Schritten „nur begleitend tätig“.

Das könnte Sie auch interessieren

Der SPD-Landtagskandidat Harry Scheuenstuhl sieht indes laut einer Pressemitteilung, dass sich die notärztliche und rettungsdienstliche Versorgungslage auf dem Land „stetig verschlechtert“. Der SPD-Landtagsabgeordnete Stefan Schuster aus Nürnberg hatte einen Fragenkatalog zum Thema Rettungswesen bei der Staatsregierung eingereicht, eine SPD-Arbeitsgruppe – Uffenheims Bürgermeister Wolfgang Lampe, Neustadts dritte Bürgermeisterin Heike Gareis, Kreisrat und Uffenheims Stadtrat Bernhard Schurz und Harry Scheuenstuhl – wertete die Daten aus.

Zwölf Minuten werden oft nicht eingehalten

Ergebnis: „In den Städten unserer Region kommt jedes zehnte Rettungsfahrzeug nicht im von der Staatsregierung festgelegten Zeitfenster von zwölf Minuten an. Hingegen kommt im ländlichen Bereich Ansbach und Mittelfranken Süd jedes fünfte Auto nicht pünktlich zu in Not befindlichen Menschen.“ „Erschreckend“ sei das. Denn, so betont Harry Scheuenstuhl: „In einem Notfall zählt jede Sekunde.“

„Umso mehr gilt unser großer Dank den in den Rettungsdiensten Beschäftigten und den ehrenamtlich Tätigen, die durch ihren persönlichen Einsatz vielen Menschen helfen. Demgegenüber sind die Verantwortlichen im Rettungszweckverband offensichtlich nicht in der Lage, dafür Sorge zu tragen, die Voraussetzungen zur Einhaltung der festgelegten Hilfsfristen zu schaffen“, so der ehemalige MdL.

Bei einem weiteren Punkt drücke sich das bayerische Innenministerium um eine klare Antwort, sagt Scheuenstuhl. Dass vermehrt Feuerwehren zu „gesundheitlichen Noteinsätzen“ gerufen werden, weil gerade kein anderes Rettungsmittel greifbar ist. „Die Kameradinnen und Kameraden haben zwar eine Ersthilfeausbildung, sind aber nicht extra für solche Einsätze geschult“, betont Gareis.

SPD-Politiker appelliert an die Staatsregierung

Für Scheuenstuhl ist es „unverantwortlich, auf den guten Willen der Feuerwehrkräfte zu setzen, statt für ausreichend Fahrzeuge mit geschulten Kräften zu sorgen“. Die Kommunen müssten die Kosten für diese Einsätze auch noch selbst tragen, erfuhr der SPD-Mann vom Ministerium. Seine Schlussfolgerung: „Die Gemeinden werden für ihre Hilfsbereitschaft also auch noch bestraft.“

Es sei Aufgabe des Landtags und der Staatsregierung, „endlich“ die Voraussetzungen zur Einhaltung der Hilfsfristen und genügend Rettungsmittel, gerade im ländlichen Raum, zur Verfügung zu stellen. Scheuenstuhl: „Denn noch immer sollte der Grundsatz gelten: Der Mensch muss im Vordergrund stehen.“

north