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Veröffentlicht am 22.05.2024 09:00

Opfer sexualisierter Gewalt finden Hilfe in Neustadt

Immer wieder kommt es im häuslichen Umfeld zu Gewalt gegen Frauen. Für Betroffene gibt es im Landratsamt eine Beratungsstelle. (Foto: Ute Niephaus)
Immer wieder kommt es im häuslichen Umfeld zu Gewalt gegen Frauen. Für Betroffene gibt es im Landratsamt eine Beratungsstelle. (Foto: Ute Niephaus)
Immer wieder kommt es im häuslichen Umfeld zu Gewalt gegen Frauen. Für Betroffene gibt es im Landratsamt eine Beratungsstelle. (Foto: Ute Niephaus)

Immer wieder erleben Menschen häusliche und sexualisierte Gewalt. Oft sind sie verunsichert, wissen nicht, an wen sie sich wenden können, fühlen sich allein, haben Angst, man glaubt ihnen nicht. Eine Anlaufstelle für Betroffene ist die Beratungsstelle im Landratsamt. Diese stellte Iris Regner, kommunale Gleichstellungs- und Frauenbeauftragte, im Sozialausschuss vor.

Die Beratungsstelle bietet die Möglichkeit zu anonymen Gesprächen, dies ist auch telefonisch möglich. „Dies wird oft in Anspruch genommen, gerade wenn die Leute in Randgebieten leben und nicht mobil sind.“ Opfer können zudem leichter zum Telefon greifen, wenn der gewalttätige Partner weg ist, als bis nach Neustadt zu fahren.

Vermittlung von wichtigen Kontakten

Betroffene erhalten Unterstützung, wenn es darum geht, Kontakt zu Hilfsangeboten, der Polizei oder zu Gerichten aufzunehmen. Als erste Anlaufstelle vermittelt sie zudem bei Bedarf an Ansprechpartner beim Jugendamt – etwa bei Kindeswohlgefährdung – oder beim Gesundheitsamt. Auch der Kontakt zu Anwälten kann hergestellt werden. Informiert wird ferner über die Möglichkeit der vertraulichen Spurensicherung (siehe nebenstehender Kasten).

Opfer stellen sich oft die Frage, ob sie den Täter oder die Täterin anzeigen sollen, manche brauchen Hilfe bei der Trennung, so Regner. An sie und ihre Kollegin kann man sich aber auch wenden, wenn man die von Gewalt geprägte Beziehung schon verlassen hat und sich wieder zurecht finden muss.

„Vielen ist es wichtig, sich jemandem anzuvertrauen. Die Hemmschwelle ist sehr groß, im Umfeld darüber zu sprechen“, weiß die Gleichstellungs- und Frauenbeauftragte. An sie wenden können sich auch diejenigen, die Freunde, Bekannte und Familienangehörige haben, die Gewalt erleben, und nicht wissen, wie sie unterstützen können.

Auch eine längere Begleitung möglich

Die Hilfesuchenden werden bei Bedarf länger begleitet. „Es hängt vom Fall ab. Manche kommen schnell auf die Beine, andere brauchen bis zu einem Jahr“, resümiert Iris Regner und weist noch einmal darauf hin, dass man nur berate. „Wir sind keine Psychologinnen.“

Damit sexualisierte und häusliche Gewalt erst gar nicht entsteht, ist Prävention wichtig. Diese ist, wie Thomas Trautner, Sachgebietsleitung Gesundheitsförderung, anmerkte, am Gesundheitsamt verankert. Seine Kollegin, stellvertretende Sachgebietsleiterin Christine Stöbling erklärte, dass sie viel persönliche Beratung leistet und in die Schulen geht. Ab der achten Klassen ist auch die Prävention vor sexuellen Übergriffen ein wichtiges Thema.

Jugendliche sollen sensibilisiert werden

Dabei geht es darum, Jugendliche zu sensibilisieren, wo und wie sie sich abgrenzen können. Darüber hinaus geht es um Schutzkonzepte zu diesem Themenkomplex für den Kita-Bereich und um die Frage, wie man Kinder aufklärt.

Landrat Helmut Weiß sprach ein Thema an, das oft noch tabubehaftet ist: Gewalt gegen Männer. Dies dürfe man nicht unterschätzen. Beratungsstellen für Betroffene gibt es kaum, eine davon ist in Nürnberg.

Kreisrätin Ulrike Taukert erklärte, dass sie als Psychologin viel mit Menschen zu tun habe, die von Gewalt betroffen und traumatisiert sind. Sie dankte den Mitarbeiterinnen des Frauennotrufs und fragte, wie es um die ehrenamtlich Helfenden bestellt ist. Man habe einige neue Interessentinnen gewinnen können, so Regner. Die Zahl der Ehrenamtlichen bezifferte sie auf rund 25 Frauen. Die Notwohnung im Landkreis sei zu 80 Prozent oft langfristig belegt.

Das Frauenhaus in Ansbach, mit dem der hiesige Landkreis zusammenarbeitet, sei immer voll gewesen, als sie nachgefragt habe, teilte die Frauenbeauftragte mit. Viele Frauen mit Kindern wollten zudem nicht weiter entfernt untergebracht werden. Zu erreichen sind Regner und ihre Kollegin für eine Terminvereinbarung unter 09161/922200 oder 09161/922201 oder per Mail unter Beratungsstelle@kreis-nea.de.

Vertrauliche Spurensuche

Vielen Opfern sexualisierter Gewalt fällt es schwer, über das Erlebte zu sprechen oder die Tat bei der Polizei anzuzeigen. Falls man das später doch tun will, ist es jedoch enorm wichtig, so schnell wie möglich Spuren sichern zu lassen. Die vertrauliche Spurensuche (VSS) ist kostenfrei und erfolgt unabhängig davon, ob man später Anzeige erstatten will. Durchgeführt wird sie, wie Iris Regner erläuterte, und einem Flyer zu entnehmen ist, in Kliniken, Arztpraxen oder Fachberatungsstellen. Wichtig ist es, sich nicht vorher zu waschen oder zu duschen – sonst gehen wichtige Spuren verloren. Kleidung, Unterwäsche und auch Kondome gilt es, in separate Tüten zu packen. Auf K.O.-Tropfen und andere Substanzen kann ebenfalls untersucht werden. Diese sind jedoch oft nur bis zu zwölf Stunden im Körper nachweisbar, auch deshalb bedarf es der schnellen Spurensicherung, lautet der eindringliche Rat. Bei der Untersuchung wird darüber hinaus auf das Risiko übertragbarer Krankheiten oder einer Schwangerschaft hingewiesen. Die festgestellten Spuren und Fotodokumente werden an einem sicheren Ort aufbewahrt und nur bei einer Anzeige an die Polizei herausgegeben – sonst nicht. ⋌

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