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Veröffentlicht am 23.04.2026 00:06

Organischer Dünger: Nachhaltig gärtnern mit Hornspänen?

Hornspäne als natürlicher Langzeitdünger: Der organische Dünger gibt Stickstoff langsam an den Boden ab und eignet sich ideal für stark zehrende Pflanzen wie Tomaten oder Kürbisse. (Foto: Kai Remmers/dpa-tmn)
Hornspäne als natürlicher Langzeitdünger: Der organische Dünger gibt Stickstoff langsam an den Boden ab und eignet sich ideal für stark zehrende Pflanzen wie Tomaten oder Kürbisse. (Foto: Kai Remmers/dpa-tmn)
Hornspäne als natürlicher Langzeitdünger: Der organische Dünger gibt Stickstoff langsam an den Boden ab und eignet sich ideal für stark zehrende Pflanzen wie Tomaten oder Kürbisse. (Foto: Kai Remmers/dpa-tmn)

Eine reiche Ernte im Gemüsebeet und schöne Blüten im Garten: Dafür brauchen Pflanzen Nährstoffe. Mangelt es daran, kann man nachhelfen.

Wer naturnah gärtnern will, kann als organischen Dünger etwa Hornspäne einsetzen. „Horn hat einen hohen Stickstoffgehalt“, so Helge May, Sprecher beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Und Stickstoff ist wichtig fürs Pflanzenwachstum. Doch wie nachhaltig ist der organische Dünger wirklich?

Das steckt drinnen

Für eine Antwort kann man den Begriff Hornspäne wörtlich nehmen: Tatsächlich handelt es sich bei dem Dünger um zerkleinertes Horn, in der Regel um Rinderhufe. „Ökologisch betrachtet ist das eine sinnvolle Nutzung von Körperteilen von Schlachtrindern, die sonst in der Verbrennung oder auf einer Deponie landen würden“, so Helge May. Es wird also im Sinne der Nachhaltigkeit ein Abfallprodukt weiter verwendet.

Doch der Weg des Horns kann durchaus ein weiter gewesen sein: Beim Kauf der Hornspäne können Verbraucher anhand der Verpackung in der Regel zumindest nicht nachvollziehen, woher die Hornspäne genau kommen. Denkbar ist etwa, dass das Horn dafür aus Südamerika kommt und nach Deutschland transportiert wurde. 

Auch die Bezeichnung „Bio“ auf der Verpackung ist kein Hinweis darauf, dass die Tiere, deren Horn verwendet wurde, nach Bio-Kriterien gehalten wurden. Vielmehr zeigt dies May zufolge, dass dieser Dünger ein biologisches Material ist.

Wann macht der Einsatz Sinn?

Horndünger verbessert die Fruchtbarkeit und das Wasserhaltevermögen des Bodens. Der ph-Wert des Düngers ist neutral. „Sinn macht der Einsatz dort, wo Pflanzen tatsächlich größere Stickstoffgaben benötigen“, erklärt May. Stark zehrendes Gemüse und Pflanzen, die viel Stickstoff brauchen, sind beispielsweise:

  • Kartoffeln
  • Paprika
  • Tomaten
  • Kohlarten
  • Kürbis
  • Zuckermais
  • Obstbäume
  • Beerensträucher
  • Rosen

Manche Pflanzen, etwa Lavendel oder Rosmarin, mögen hingegen eher magere Böden. 

Und wie verwendet man den Dünger?

Wissen sollte man vor dem Einsatz, dass Horndünger Mikroorganismen im Boden erst einmal zersetzen müssen. Der organische Langzeitdünger gibt seine Nährstoffe also nach und nach an den Boden ab – je grober das Material ist, umso langsamer geht das. Bei größeren Hornspänen kann es mehrere Monate dauern, bis das Material vollständig umgesetzt ist, schreiben die Experten der Bayerischen Gartenakademie. 

Bei Hornmehl geht es schneller - etwa sechs Wochen dauert es hier. Die Profis raten daher, Horndünger spätestens bis Ende August in den Boden zu bringen, auch wenn es um den Anbau von Herbstkulturen geht. 

Und: Es handelt sich bei Horndünger um einen einseitigen Dünger, „da die beiden anderen Hauptnährstoffe Kalium und Phosphat fast vollständig fehlen“, so Helge May vom Nabu. Je nach Bedarf der Kultur und der Bodenbeschaffenheit müssen unter Umständen also ergänzende Dünger ausgebracht werden.

Ein Tipp: Hornspäne arbeitet man am besten in die obere Bodenschicht ein. Denn in tieferen Bodenschichten fehlt es den Mikroorganismen in der Regel an Sauerstoff. Den Dünger einfach in ein tiefes Pflanzloch zu kippen, ist also keine gute Idee. 

Was sind vegane Alternativen?

Sie wollen auf tierische Produkte verzichten? Dann gibt es für den Garten vegane Alternativen zu Hornspänen. May nennt etwa Pflanzenkonzentrate: „In der Ökolandwirtschaft werden zerkleinerte Leguminosen wie Lupinen-, Wicken- oder Ackerbohnen-Schrot verwendet“, so der Nabu-Sprecher. Solche Leguminosen binden ihm zufolge mit Hilfe von Bakterien Luftstickstoff. Sie haben daher einen vergleichsweise hohen Stickstoffgehalt, „wenn auch nicht ganz so hoch wie Hornspäne“.

Auch Pflanzenjauche etwa aus Brennnesseln kann ein Ersatz für Hornspäne im Garten sein. „Wobei der Stickstoffgehalt deutlich geringer ist und die Nährstoffe auch schneller abgegeben werden“, so May. Zudem gebe es Hersteller, die Maispellets ausdrücklich als „vegane Hornspäne“ bewerben - aber deren „Stickstoffgehalt liegt etwa bei der Hälfte der tierischen Hornspäne“.

© dpa-infocom, dpa:260422-930-980957/1


Von dpa
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