Der Bebauungsplan Gaisfeld IV, Abschnitt zwei, sieht Flächen für Pflegeimmobilien vor. Um ein solches Großprojekt geht es im Stadtrat. Markus Eisen, der Leiter des Stephanus Pflege- und Seniorenzentrums in Dinkelsbühl, erfüllt das Vorhaben mit Sorge. Dadurch wird die Konkurrenz ums Personal noch größer, fürchtet er.
Der Bebauungsplan weist eine Sonderfläche „SO1“ mit der Zweckbestimmung „Personen mit Beeinträchtigung“ aus. Dafür interessiert sich laut öffentlicher Sitzungsvorlage die Firma Ströbel Bau GmbH mit dem Sitz in Schrozberg (Baden-Württemberg).
Das Unternehmen hat, so wird es von der Verwaltung in der Sitzungsvorlage erläutert, „jahrelange Erfahrung im Bereich Generationenparks, Pflegeheime, Seniorenwohnanlagen und dergleichen – auch was deren Betrieb betrifft”. Ströbel hat bereits in Schnelldorf und in Schopfloch investiert und will zudem in Dürrwangen und Wilburgstetten tätig werden. In der Broschüre werden Listenpreise für Dürrwangen genannt. Demnach kostet dort die günstigste 58-Quadratmeter-Zwei-Zimmer-Wohnung knapp 230.000 Euro.
Der Bauträger spricht in seiner eigenen Werbebroschüre von „Pflegeimmobilien als Kapitalanlage” und einem „Wachstumsmarkt mit Zukunft”. Entstanden sei ein Konzept, „das alle Vorzüge eines Immobilieninvestments nutzt, Aufwand minimiert und Sicherheit maximiert”, heißt es in der Broschüre.
Als „gute Argumente” für solche Pflegeimmobilien werden unter anderem eine „inflationsgeschützte Investition” durch indexierte Mietverträge versprochen, die automatisch an die Inflation angepasst werden. Die Rede ist auch von einem „konjunkturunabhängigen Wachstumsmarkt der Zukunft”, denn der Bedarf an Pflegeplätzen könne schon heute vielerorts nicht mehr gedeckt werden, behauptet der Bauträger, der die Rendite mit 3,5 Prozent angibt.
Dass der Bedarf an Pflegeplätzen nicht mehr gedeckt werden kann, liegt, wie Markus Eisen gegenüber der FLZ erläuterte, aber an etwas ganz anderem: „Es gibt nicht genügend Pflegepersonal.” Er habe deswegen bereits Anfang Mai Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer geschrieben und ihn aus seiner fachlichen Sicht und jahrzehntelangen Erfahrung auf seine Sorgen hingewiesen. „Wenn jetzt überall Einrichtungen eröffnet werden, in denen Pflegepersonal benötigt wird, aber nicht vorhanden ist, wird es zu einem Platzsterben kommen”, ist Eisen überzeugt. Denn wegen des allgemeinen Personalmangels sei es gar nicht mehr möglich, alle Plätze zu belegen.
Eisen hat sich jetzt mit einer E-Mail an den gesamten Stadtrat gewandt. Der FLZ liegt dieses Schreiben vor. Er führt darin aus, dass allein die Eröffnung der neuen Kurzzeitpflege in Feuchtwangen das Dinkelsbühler Stephanus Pflege- und Seniorenzentrums „bis zum heutigen Tag fünf Mitarbeiter” gekostet habe. Markus Eisen schildert in seiner E-Mail, dass vor der Eröffnung neuer Einrichtungen, und davon gab es in jüngster Zeit etliche, gezielt Pflegekräfte anderer Häuser abgeworben würden.
„So kann es nicht weitergehen. Es wird um das Personal mit Ellenbogen gekämpft. Keine Einrichtung kann seine leer stehenden Betten belegen, da schlicht und einfach das Personal fehlt”, schreibt der Leiter des Stephanus Pflege- und Seniorenzentrums dem Stadtrat wörtlich. Er widerspricht darin auch Aussagen, dass Pflegeplätze für die Bevölkerung benötigt würden. Es gebe im gesamten Landkreis Ansbach mehr als genug freie Kapazitäten. „Leider kann aktuell keine Einrichtung wegen Personalmangels diese freien Plätze belegen”, heißt es in dem Schreiben an den Stadtrat weiter.
Markus Eisen befürchtet, dass es schon bald Einrichtungen geben könnte, die sich nicht mehr tragen werden und schließen müssen. Im Nürnberger Raum sei so etwas schon passiert.