Physiotherapieschule in Burgoberbach wünscht sich Austauschprogramm mit Kenia | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 07.06.2026 12:00

Physiotherapieschule in Burgoberbach wünscht sich Austauschprogramm mit Kenia

Diana Thümmel (Schulleitung in Burgoberbach) und André Eichermüller (Gesellschafter der PGS Medau und der Pschick Group Schulen) informierten sich über die Physiotherapieausbildung in Kenia. (Foto: privat)
Diana Thümmel (Schulleitung in Burgoberbach) und André Eichermüller (Gesellschafter der PGS Medau und der Pschick Group Schulen) informierten sich über die Physiotherapieausbildung in Kenia. (Foto: privat)
Diana Thümmel (Schulleitung in Burgoberbach) und André Eichermüller (Gesellschafter der PGS Medau und der Pschick Group Schulen) informierten sich über die Physiotherapieausbildung in Kenia. (Foto: privat)

Immer wieder legen Physiotherapeuten mit einer Ausbildung in Kenia ihre Abschlussprüfungen an der PGS-Medau Berufsfachschule in Burgoberbach ab. Wie die Ausbildung in dem afrikanischen Land abläuft, hat Schulleiterin Diana Thümmel vor Ort erfahren. Jetzt möchten sie und Geschäftsführer Gottfried Hois einen Austausch ins Leben rufen.

„Wir wollten uns ein Bild vom Gesundheitssystem und Bildungswesen in Kenia machen”, erzählt Schulleiterin Thümmel. Die Schule kooperiert mit einer Agentur in Deutschland, die Kenianer mit einer Ausbildung in der Physiotherapie nach Deutschland holt. Bei den Abschlussprüfungen „haben wir teilweise Defizite festgestellt und wollten wissen, woher das kommt”. Wie ist die Ausbildung organisiert, wie sind die Räumlichkeiten vor Ort?

Krankenhäuser in sechs Levels unterteilt

Zusammen mit weiteren Vertretern aus der Physiotherapie flog Thümmel nach Kenia. In Nairobi besuchte die Gruppe verschiedene Einrichtungen. „Eine große Ausbildungsstätte ist das Kenya Medical Training College (KMTC).” Die dazugehörenden Einrichtungen sind auf verschiedene Orte im Land verteilt. Angeboten werden dort Ausbildungen im Gesundheitssektor, darunter auch in der Physiotherapie. „Wie bei uns läuft die Ausbildung über drei Jahre.”

Genaueres über das kenianische Gesundheitswesen erfuhr die Gruppe beim Besuch von Kliniken, denn dort sind meist Physiotherapie-Abteilungen integriert. In Kenia werden die Krankenhäuser in sechs Levels mit unterschiedlichen Leistungsspektren unterteilt.

Das Level-5-Krankenhaus, das sie besuchten, „hatte ein großes Einzugsgebiet von fünf verschiedenen Slums”, erzählt Thümmel. Täglich verzeichne die Einrichtung einen Zugang von bis zu 2000 Patientinnen und Patienten. Sie werden aber nicht stationär aufgenommen. Stattdessen werde zunächst eine Diagnose für ihre Erkrankung gestellt oder sie bekommen Physiotherapie. Das Kenyatta University Hospital, ein Level-6-Krankenhaus, sei im Vergleich um einiges besser ausgestattet gewesen. „Die Gerätschaften sind auf einem neueren Stand – trotzdem noch nicht vergleichbar” mit dem Standard in Deutschland.

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Statt Türen nur Vorhänge

Die größten Unterschiede zum deutschen System seien organisatorischer Natur, bemerkt Thümmel. In Deutschland bekomme man ein Rezept, vereinbare dann einen Termin und erscheine zur Therapie. In Afrika sei das wegen des großen Zulaufs nicht möglich. Im Level-6-Krankenhaus befand sich der Warteraum vor der Klinik. „Sie haben dann eine Art Triage durchgeführt”, damit dringende Fälle zuerst drankommen. Privatsphäre spielt eine untergeordnete Rolle. „Sie haben keine Türen, sondern nur Vorhänge.”

Medizinische Trainingsgeräte wie Fahrrad-Ergometer oder Laufbänder seien oftmals veraltet, Liegen nicht höhenverstellbar. Teilweise seien auch gar keine Geräte vorhanden. „Sie müssen dann mit anderen Übungen improvisieren.” Fortschrittlicher sei in Afrika dagegen der Lehrplan, der in Deutschland laut Geschäftsführer Hois in weiten Teilen noch auf dem Stand von 1994 ist. In Afrika werde dieser alle vier Jahre überarbeitet.

Sehr überrascht hat Diana Thümmel, wie es die Afrikaner schaffen, trotz des Notstands das Beste aus ihrer Situation zu machen. „Sie haben super ausgebildete Physiotherapeuten und ein wahnsinnig gutes Wissen über die Anatomie und die Krankheitslehre.”

Unterstützung in der Praxis

Etwas Unterstützung bräuchten sie zum Teil in der Praxis. Der Grund dafür sei, dass es verschiedene Wege für die Ausbildung gebe. „Man kann ein Diplom machen – das ist eine dreijährige Ausbildung in einer Ausbildungsstätte wie bei uns. Oder man macht einen Bachelor über die Universität.” Dieses Zwei-Wege-System ist nach Thümmels Ansicht der Grund für das, was bei den Prüfungen in Burgoberbach für Erstaunen gesorgt hatte: Die Prüflinge mit der dreijährigen Ausbildung seien praktisch besser ausgebildet, hätten aber Defizite in der Theorie, während es bei den Uni-Absolvierenden umgekehrt sei.

„Unsere Idee ist, dass wir einen Austausch schaffen”, sagt Thümmel. Zum einen für Schülerinnen und Schüler, zum anderen aber auch für Lehrkräfte. Dabei sollen die Teilnehmenden gegenseitig von ihrem Wissen und ihrer Erfahrung profitieren. Zunächst hatten die Verantwortlichen einen Austausch über Erasmus+ in Erwägung gezogen. Das sei jedoch in der vorgesehenen Form nicht umsetzbar, stellt die Schulleiterin fest. Deshalb wird nun die Möglichkeit einer privaten Finanzierung durch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Betracht gezogen.

Ein weiteres Ziel ist, die kenianischen Ausbildungseinrichtungen mit modernen Geräten zu unterstützen. So könnten sich Physiotherapeuten, die später nach Deutschland kommen, schon in ihrer Heimat damit vertraut machen. Langfristig werden daher Kooperationspartner gesucht, sagt Gottfried Hois, „die medizinische Trainingsgeräte oder höhenverstellbare Liegen sponsern”.

Anpassungslehrgang für Migranten

In den Startlöchern steht die Schule für einen Anpassungslehrgang für Physiotherapeuten mit ausländischen Abschlüssen. „Wir haben zwölf bis 15 Teilnehmer, die schon mit den Hufen scharren”, berichtet Geschäftsführer Gottfried Hois. Ursprünglich war der Start für Mai vergangenen Jahres angesetzt.

Das Projekt verzögerte sich jedoch, weil man noch auf eine Zertifizierung der Maßnahme wartete. Liegt diese vor, werden die Kosten für den Lehrgang von den Arbeitsagenturen übernommen.

Die aktuellen Interessenten, darunter viele aus dem osteuropäischen, aber auch aus dem asiatischen Raum, arbeiten zum Teil bereits in Physiotherapie-Einrichtungen. Sie verdienen aber nicht ihrer Ausbildung entsprechend, solange ihr Abschluss nicht anerkannt ist. Der neue Starttermin für den Lehrgang ist nach Auskunft von Schulleiterin Diana Thümmel für den 31. August vorgesehen.


    Andrea Walke
    Andrea Walke
    ... ist Redakteurin in der Lokalredaktion Ansbach und seit Dezember 2012 bei der FLZ. Sie fühlt sich in Rathäusern genauso wohl wie in Gerichtssälen und trifft am liebsten Menschen, die eine interessante Geschichte zu erzählen haben. Seit 2017 betreut sie redaktionell die Aktion "FLZ-Leser helfen".
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