Es ist der 18. Oktober, als jemand auf dem Gelände der Firma Electrolux in Rothenburg mit dem Feuer spielt. In vollem Bewusstsein und – davon muss man aufgrund der derzeitigen Ermittlungsergebnisse wohl ausgehen – mit bösen Absichten. Der Elektrogerätehersteller soll brennen: War das das Ziel?
Falls ja, dann geht der Plan nicht auf. Das Feuer, das an jenem Freitagvormittag laut Unternehmenssprecher Christian Tesch in einem Nebengebäude nahe der Kantine auflodert, löscht die Sprinkleranlage schnell ab. Die Werksfeuerwehr kommt noch dazu, aber alles unter Kontrolle.
Doch dann kommt der Sonntag, nur zwei Tage später: Feueralarm in einer Lagerhalle von Electrolux. Die dort deponierten Verpackungsmaterialien gehen in Flammen und Rauch auf, die Feuerwehr kann nur noch Unmengen Löschwasser daraufkippen. Die Halle brennt in Teilen ab. Nach Angaben des Polizeipräsidiums Mittelfranken ist ein Millionenschaden entstanden.
Und am Ende steht die Frage im Raum: Zwei Brände binnen so kurzer Zeit: unglücklicher Zufall? Oder doppelte Absicht? Denn für den ersten, kleinen Brand ist sich die Kriminalpolizei recht sicher: Da steckt Übles dahinter. „Beim Brand am Freitag wird auf Grund vorgefundener Brandbeschleuniger von vorsätzlicher Brandlegung ausgegangen”, sagt Polizeisprecher Robert Sandmann. Unter Mitarbeitern kursieren Gerüchte, was genau jener Brandbeschleuniger gewesen sein soll. Präziser wird die Polizei aufgrund der laufenden Ermittlungen aber nicht.
Für das verheerende Feuer zwei Tage später dauern laut Sandmann die Ermittlungen, ob Brandstiftung vorliegen könnte, noch an. Ein Zusammenhang zwischen beiden Fällen liege aber nahe, hieß es schon kürzlich aus dem Präsidium.
Mögliche Ansätze haben die Kriminaler jedenfalls: „Es konnten nach dem Brand am Sonntag Spuren gesichert werden”, sagt Sandmann. Und auch Kameraüberwachung scheint eine Rolle zu spielen: „Vorhandene Videoaufzeichnungen aus dem Umfeld konnten gesichert und gesichtet werden”, erklärt der Sprecher. Einige Zeugenhinweise seien darüber hinaus eingegangen.
Das Unternehmen Electrolux äußert sich mit Bedacht über die Lage am Standort Rothenburg, wo knapp 1000 Mitarbeiter beschäftigt sind: „Es ist nicht so, dass die Leute nach den Ereignissen sagen: 'Oh Gott, ich will nicht arbeiten'”, sagt Sprecher Tesch. Die Belegschaft sei motiviert, „einen guten Job” zu machen. Generell seien die Sicherheitsmaßnahmen nun erhöht worden. Zu sehr will sich Electrolux nicht in die Karten blicken lassen – nachvollziehbarerweise. Es gebe aber beispielsweise mehr Sicherheitspersonal. Außerdem fahre die Polizei zusätzliche Patrouillen rund um die Örtlichkeit. Das bestätigt auch das Präsidium.
Die Produktion konnte ununterbrochen am Laufen gehalten werden, sagt Tesch. Die Verpackungsmaterialien seien derzeit anderswo gelagert. Wie es mit der Brandruine weitergeht, steht derweil noch nicht fest. „Das hängt von der Versicherung ab”, erklärt der Unternehmenssprecher. Mit dieser befinde sich Electrolux bereits in Abklärung.