Franken oder Frankreich? Beim Wein ist das sicherlich eine Geschmacksfrage. Doch es geht auch beides (und noch viel mehr) zusammen. Das ist Thema dieses Teils unserer EU-Wahl-Serie.
Mit wie viel Europa hat man als Winzer tun? „Schon täglich“, sagt Armin Düll. Für den Landwirt ist der Weinbau ein Zusatzstandbein; dabei bewirtschaftet er im Ipsheimer Ortsteil Mailheim (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) einen besonderen Rebengarten: den Europaweinberg.
Leicht und locker 20 verschiedene Sorten wachsen dort. Darunter sind bekannte heimische wie Müller-Thurgau, Bacchus oder Riesling, aber auch weniger geläufige wie Ortega, Elbling oder Albalonga, auch Rotweinsorten wie Spätburgunder, Domina und Regent gedeihen dort. Immer am Reihenanfang sind internationale Gewächse, erklärt Düll: „Von jedem europäischen Land, in dem Wein angebaut wird.“
Neben den Klassikern wie Italien, Frankreich oder Griechenland finden sich auch Wein-Exoten wie Tschechien. Interessant findet Düll das Reifeverhalten. Je nach den klimatischen Bedingungen des Jahres werden am Mailheimer Hang sogar späte spanische Sorten reif. Ausgebaut werden die Trauben gemeinsam; das ergibt dann einen Rotling.
Weinrecht, Etikettenrecht, Lebensmittelrecht, die Vorschriften zur Düngung und zur Dokumentation, zum Pflanzenschutz und zur Bodenbeprobung – „du bist täglich mit dem Thema befasst“, sagt Düll deshalb über Europa. Aktuell werde gerade die Qualitätsstufen-Einteilung novelliert. „Wenn es nicht mehr Bürokratie wird, als es schon ist, dann ist das eine gute Sache“, sagt Düll und: „Wenn es vereinfacht wird, habe ich nichts dagegen.“ Er unkt aber: „Ich schätze, das wird wieder ein Schuss nach hinten.“
Auf dem Europaweinberg-Wein steht im Übrigen lediglich „Deutscher Wein“. Das sei die schlichteste Bezeichnung; bei einem Rotling sei keine Qualitätsweinprüfung nötig und er kann dadurch schneller in die Vermarktung.
Geht Armin Düll zur Europawahl? „Ja, auf jeden Fall.“
Armin Düll, 47 Jahre, ist Landwirt in Mailheim. Er betätigt sich seit 2010 im Weinbau und ist seitdem auch Pächter des von der Europa Union ins Leben gerufenen Europaweinbergs, der vor gut zwei Jahrzehnten angelegt wurde.