Renaissance der Linken? 21-Jähriger will in Neustadt/Aisch Bürgermeister werden | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 25.08.2025 07:00

Renaissance der Linken? 21-Jähriger will in Neustadt/Aisch Bürgermeister werden

Andre Hufnagel will für die Partei „Die Linke” als Bürgermeisterkandidat für Neustadt antreten. Auch eine Liste für den Stadtrat sei geplant. (Foto: Johannes Zimmermann)
Andre Hufnagel will für die Partei „Die Linke” als Bürgermeisterkandidat für Neustadt antreten. Auch eine Liste für den Stadtrat sei geplant. (Foto: Johannes Zimmermann)
Andre Hufnagel will für die Partei „Die Linke” als Bürgermeisterkandidat für Neustadt antreten. Auch eine Liste für den Stadtrat sei geplant. (Foto: Johannes Zimmermann)

Nach dem Tod von Henry Förster und dem Austritt des Neustädter Stadtrats Dennis Münch aus der Partei ist es um die Linken im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim sehr ruhig geworden. Das soll sich nun ändern, wenn es nach Andre Hufnagel geht. Der 21-Jährige will eine Liste für den Stadtrat aufstellen und Bürgermeister-Kandidat werden.

„Ich war schon immer ein empathischer und sozialer Mensch”, sagt Hufnagel im Redaktionsgespräch. Er habe sich „für Leute interessiert”. In seiner Jugend kam dann noch das starke Interesse an der Politik dazu – mit der dazugehörigen Frage: Welche Partei vertritt eigentlich am besten meine Interessen? „Dann will man auch etwas verändern.”

Über Youtube zur Partei „Die Linke” gekommen

Dieser Wille zur Veränderung gipfelte darin, dass Andre Hufnagel im Februar 2025, kurz vor der Bundestagswahl, in die Partei „Die Linke” eintrat. Videos von Youtubern hätten ihn zu diesem Schritt bewegt. Für Hufnagel ist klar: „Wer etwas verändern will, muss handeln.” Das will er nun tun, denn: „Ich bin ein praktischer Mensch.”

Die Linken im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim haben derzeit einen gemeinsamen Kreisverband mit Fürth. Doch für Neustadt und den hiesigen Landkreis habe es bislang keinen so wirklich festen Ansprechpartner gegeben. Da Hufnagel an der Technischen Hochschule Nürnberg angewandte Materialwissenschaften studiert, kommt er ohnehin regelmäßig an Fürth vorbei, hat sich dort mit den Verantwortlichen kurzgeschlossen und sich engagiert.

Als Student will er seine Freiheiten nutzen

Doch wie kommt der 21-Jährige dazu, als Bürgermeister kandidieren zu wollen? „Ich bin einer der Wenigen direkt aus der Stadt – und eine Kandidatur kann sich nicht jeder vorstellen.” Hufnagel aber schon. Er habe als Student „Freiheiten, die nicht jeder hat”. Er will sich in die Themen weiter einarbeiten, immer wieder sind die Linken auch in Neustadt unterwegs, ziehen von Haustür zu Haustür und suchen das Gespräch mit den Bürgerinnen und Bürgern, sagt Hufnagel. Da habe er einige Themen gehört, die er sich nun auf die Agenda setzt.

Zu enge Gehwege, die nicht alters- und behindertengerecht seien, die Raserei in so mancher Straße und der Zustand der Bahnhofstraße in Neustadt. Als Vorbild hierfür nennt der Linken-Vertreter die Sanierung der Ansbacher Straße: „Die ist jetzt sehr gut und war vorher grauenhaft.”

Bezahlbarer Wohnraum statt Industriebrache

Einen Schwerpunkt will er aber vor allem auch auf bezahlbaren Wohnraum setzen, inklusive sozialem Wohnungsbau. So manche Industriebrache in der Stadt ließe sich bestimmt umwandeln, lautet Hufnagels Ziel. „Platz ist da, man muss nur eine Vision haben.” Denn auch in Neustadt sei die Wohnungsnot groß. Und: „Jeder muss irgendwo leben.”

Der Wohnraum stehe aber nicht zur Verfügung, „Vermieter profitieren davon massivst”, weil die Preise in die Höhe schnellen, findet Hufnagel. Es könne nicht sein, dass rund die Hälfte des Lohns in die Miete fließe. Mehr Wohnungen und entsprechende Anreize will er schaffen. „Wo sollen die Leute sonst hin?”

Und auch den Leerstand in der Innenstadt will er angehen. „Darüber habe ich mir in meiner Freizeit Gedanken gemacht, wie man das hinbekommen kann” und hierfür gebe es in der Linken eine Gruppe, die Konzepte entwickelt und diese austestet. Er wolle Neustadt als Wirtschaftsstandort ausbauen. Eine genaue Leerstandanalyse soll hierüber noch bessere Erkenntnisse bringen, findet Andre Hufnagel. Beim ÖPNV sieht der Linke ebenfalls noch Verbesserungsbedarf, trotz NEA-Mobil.

Die Linken gehen Türklinken in Neustadt putzen

Die Linken planen, so sagt der 21-Jährige, eine Liste für den Neustädter Stadtrat. Dafür geht er gerade noch Türklinken putzen – auf der Suche nach Menschen, „die Lust und Interesse haben”. Die Partei habe einen Zustrom. Wenn auch im Landkreis die Entwicklung positiv ist, wollen die Linken einen Ortsverband gründen. „Regelmäßige Treffen finden bereits seit April statt.”

Wahlkampferfahren ist Andre Hufnagel jedenfalls, hat er doch für die Linke auch Infostände für die Bundestagswahl mit betreut. So eine Kommunalwahl sei für ihn aber noch Neuland. Derzeit sei man mit dem Formalkram beschäftigt. Entsprechend soll Hufnagels Nominierung als Bürgermeisterkandidat für Neustadt erst im Herbst stattfinden.

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