Residenz Ansbach: Endspurt für die Restaurierung des Festsaals | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 14.03.2025 21:05

Residenz Ansbach: Endspurt für die Restaurierung des Festsaals

Der Flussgott hat eine neue Nase bekommen und auch ein neues Knie. Über dem Brandenburger Adler glänzt wieder ein goldenes Kreuz. Risse, die in den Gesichtern von Ruhmesengeln klafften, wurden geschlossen. Und das gesamte Deckenfresko wie auch der Stuck im Festsaal der Ansbacher Residenz sind heller geworden, befreit vom Ruß und Staub der Vergangenheit.

Die Restaurierung des Prunksaals mit seiner opulenten Rokoko-Ausstattung aus der Zeit um 1735 wird bald abgeschlossen sein. Rund 2,8 Millionen Euro hat der Freistaat dafür investiert. Was dringend nötig war, hatten sich doch bereits bemalte Putzstücke von der Decke gelöst und waren zu Boden gebröselt.

Das bedeutende Deckenfresko misst 250 Quadratmeter

Derzeit steht noch ein raumfüllendes Gerüst in dem Saal, und auf den verschiedenen Ebenen sind Handwerkerinnen und Handwerker zugange. Hier wird noch ein wenig poliert, dort werden Fotos zur Dokumentation der schon abgeschlossenen Arbeiten gemacht. Ende März wird das Gerüst abgebaut, so dass nach mehr als vier Jahren dann wieder der Blick von unten auf das bedeutende rund 250 Quadratmeter große Deckenfresko möglich ist.

Mit dem endgültigen Abschluss des Restaurierungsprojekts ist allerdings erst im dritten Quartal dieses Jahres zu rechnen. Der Festsaal steht somit auch im Sommer 2025 noch nicht als Veranstaltungsort für die Bachwoche zur Verfügung. In den nächsten Wochen werden die riesigen Wandgemälde und die ebenfalls ausgelagerten mächtigen Lüster an ihren Platz zurückkehren.

„Bis 2019 haben wir zunächst Notsicherungen gemacht, nachdem Fragmente von der Decke gefallen waren“, blickt die Denkmalpflegerin Ingrid Irmscher von der Bauabteilung der Bayerischen Schlösserverwaltung in München zurück. „2020 folgte der Planungsauftrag, weil klar war, dass unbedingt etwas getan werden muss, um nicht weitere Originalstrukturen zu verlieren.“

Prunkraum blieb für Besucher geöffnet

Ende 2020 wurde das Raumgerüst aufgestellt, so dass Experten erste Musterflächen untersuchen konnten. „Nach gut einem Jahr Schadenskartierung ist der Bauauftrag erteilt und 2022 mit der Sanierung begonnen worden“, fasst Irmscher zusammen. Wichtig sei es der Schlösserverwaltung gewesen, den Saal auch während der Restaurierung für Besucher zu öffnen. „Die Leute sollten bei der Arbeit zusehen können, denn wir möchten zeigen, dass etwas getan werden muss, um die historischen Kunstschätze zu erhalten. So machen wir auch deutlich, dass altes Handwerk, das hier nötig ist, erhalten bleiben muss.“

Im Festsaal war in den vergangenen Jahren ein Team aus verschiedenen Gewerken tätig: Restauratorinnen und Restauratoren, Stuckateurinnen und Stuckateure, Kirchenmalerinnen und Kirchenmaler, Experten für Holz und für Metall. Dazu kamen Fachleute von der Schlösserverwaltung – federführend war Sandra Bucher Fiuza als zuständige Projektrestauratorin – sowie vom Staatlichen Bauamt Ansbach. Eingebunden waren außerdem Kooperationspartner wie etwa die Uni Bamberg und das „Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland“.

Alle Oberflächen wurden gereinigt

„Alle Oberflächen im Saal wurden komplett gereinigt, beim Stuckmarmor wurde durch Polieren der Glanz wieder hervorgeholt“, schildert Ingrid Irmscher. „Dadurch ist der Raum wesentlich heller geworden, und beim Deckengemälde kommt nun die Brillanz wieder heraus. Außerdem wurden alte Überarbeitungen und Gipskittungen von Restaurierungskampagnen zum Beispiel in den 1950er- und 1970er-Jahren zum Teil entfernt. Dabei hat sich gezeigt, dass die Originalsubstanz überraschend gut ist.“

Bei der behutsamen Säuberung wurden nicht nur ganz traditionell Pinsel, Tücher oder Wattestäbchen eingesetzt, sondern auch ein spezieller Laser zur Reinigung historischer Materialien. „Das hat gut funktioniert.“

Massive Salzschäden machten Probleme

Die größten Probleme haben laut Irmscher die massiven Salzschäden in der Hohlkehle rund um die Decke bereitet. „Hier ist vor Jahren Regenwasser eingedrungen, und solche Versalzungen sprengen dann den Putz ab.“

Das Ziel sei es gewesen, „ein einheitliches und stimmiges Gesamtbild zu schaffen“, betont Irmscher, die neben Denkmalpflege auch Architektur studiert hat. Spuren des Alters gehörten zur Geschichte des Saales und seien deshalb nur entfernt worden, wenn sich die Schäden auszuweiten drohten. Oder wenn Ergänzungen und Ausbesserungen für die Gesamtwirkung notwendig waren – etwa bei jenem Flussgott ohne Nase, bei allzu breiten Rissen mitten durch Gesichter oder bei Übermalungen, die das Original sichtlich verändert hatten.

„Wir haben einen stabilen Zustand für die nächsten Jahrzehnte hergestellt“, versichert Irmscher. „Und alles wurde dokumentiert, damit nachfolgende Generationen wissen, was wir gemacht haben.“

In 8,50 Metern Höhe direkt unterm Deckenfresko

Sie steht ganz oben auf dem Gerüst, auf einer stabilen Plattform in 8,50 Metern Höhe direkt unter dem Deckenfresko, und weist auf die Details: auf die neuen Retuschen mit ihren feinen Pinselstrichen und die Gesichter, die nun der ursprünglichen Version angenähert sind.

Aus der Nähe sind im Fresko sogar die Umrisslinien zu erkennen, die Carlo Carlone vor fast 300 Jahren in den Putz geritzt hat, um die Motive vom Entwurf auf die riesige Fläche zu übertragen. Der renommierte italienische Künstler schuf das Fresko, sein Bruder Diego Carlone den Stuck, so dass das Herzstück im Ansbacher Schloss auch Carlone-Saal genannt wird.

Das Thema der gesamten fein aufeinander abgestimmten Ausstattung des Saales ist, wie üblich in der Zeit des Absolutismus, die Verherrlichung des Souveräns, hier des Bauherrn Carl Wilhelm Friedrich. Im Fresko erscheint er als Personifikation der „Guten Regierung“. Lorbeerbekränzt thront die Allegorie vor einem Himmelsgewölbe, umschwärmt von allerlei Tugenden und Fähigkeiten, die dem Herrscher zugeschrieben wurden: Gerechtigkeit, Vernunft, Wachsamkeit, Milde, Großzügigkeit und noch viel mehr.

Und weil der Markgraf auch Gebieter der Flüsse war, tauchen diese im Stuckwerk als Gottheiten auf – nun wieder mit vollständiger Nase und ganzem Knie.

Hoch droben auf dem Gerüst im Festsaal: Die Denkmalpflegerin Ingrid Irmscher von der Bauabteilung der Bayerischen Schlösserverwaltung erläutert die Schwerpunkte der Restaurierung. (Foto: Lara Hausleitner)
Hoch droben auf dem Gerüst im Festsaal: Die Denkmalpflegerin Ingrid Irmscher von der Bauabteilung der Bayerischen Schlösserverwaltung erläutert die Schwerpunkte der Restaurierung. (Foto: Lara Hausleitner)
Hoch droben auf dem Gerüst im Festsaal: Die Denkmalpflegerin Ingrid Irmscher von der Bauabteilung der Bayerischen Schlösserverwaltung erläutert die Schwerpunkte der Restaurierung. (Foto: Lara Hausleitner)
Der Flussgott aus Stuck, geschaffen vor fast 300 Jahren, hat eine neue Nase und ein frisches Knie bekommen. (Foto: Lara Hausleitner)
Der Flussgott aus Stuck, geschaffen vor fast 300 Jahren, hat eine neue Nase und ein frisches Knie bekommen. (Foto: Lara Hausleitner)
Der Flussgott aus Stuck, geschaffen vor fast 300 Jahren, hat eine neue Nase und ein frisches Knie bekommen. (Foto: Lara Hausleitner)
Dieses zarte Gesicht ist im Carlone-Fresko zu entdecken. (Foto: Lara Hausleitner)
Dieses zarte Gesicht ist im Carlone-Fresko zu entdecken. (Foto: Lara Hausleitner)
Dieses zarte Gesicht ist im Carlone-Fresko zu entdecken. (Foto: Lara Hausleitner)
Michael Rotschedl, Vorstand der Schloss- und Gartenverwaltung Ansbach, und die Bauexpertin Ingrid Irmscher sehen sich an, wo im Bereich der Decke Schäden durch eingedrungenes Wasser entstanden waren. (Foto: Lara Hausleitner)
Michael Rotschedl, Vorstand der Schloss- und Gartenverwaltung Ansbach, und die Bauexpertin Ingrid Irmscher sehen sich an, wo im Bereich der Decke Schäden durch eingedrungenes Wasser entstanden waren. (Foto: Lara Hausleitner)
Michael Rotschedl, Vorstand der Schloss- und Gartenverwaltung Ansbach, und die Bauexpertin Ingrid Irmscher sehen sich an, wo im Bereich der Decke Schäden durch eingedrungenes Wasser entstanden waren. (Foto: Lara Hausleitner)
Ob hell oder vergoldet, alle Oberflächen wurden gereinigt. (Foto: lh)
Ob hell oder vergoldet, alle Oberflächen wurden gereinigt. (Foto: lh)
Ob hell oder vergoldet, alle Oberflächen wurden gereinigt. (Foto: lh)
Die Personifikation der „Guten Regierung“ mit Lorbeerkranz. (Foto: Lara Hausleitner)
Die Personifikation der „Guten Regierung“ mit Lorbeerkranz. (Foto: Lara Hausleitner)
Die Personifikation der „Guten Regierung“ mit Lorbeerkranz. (Foto: Lara Hausleitner)

Lara Hausleitner
Lara Hausleitner
Redakteurin für Lokales und Kultur - und Reisende aus Leidenschaft.

"I have never written a word that did not come from my heart. I never shall."
Nellie Bly
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