Bei den fürstlichen Festen in den Wintern des 18. Jahrhunderts muss es ganz schön kalt gewesen sein. Wie kalt, das konnten die Besucherinnen und Besucher erahnen, die am Mittwoch zu einer Feierstunde ins Ansbacher Schloss gekommen waren. Anlass war der Abschluss der Sanierung des opulent ausgestatteten Prunksaales.
Bei dem Festakt wurde der prachtvoll gestaltete Saal vom Staatlichen Bauamt Ansbach, das die Baumaßnahme federführend geleitet hatte, offiziell an die Ansbacher Schloss- und Gartenverwaltung übergeben. Nach den aufwendigen Restaurierungsarbeiten, die rund fünf Jahre dauerten, kann der bedeutende barocke Repräsentationsraum nun wieder Gästen präsentiert werden. Kein Gerüst versperrt mehr den Blick zu Carlo Carlones Deckenfresko mit seinen eleganten allegorischen Figuren, die Flussgötter aus Stuck schimmern wieder weiß an den Wänden, die goldenen Rokoko-Ornamente glänzen, und die erst vor wenigen Tagen zurückgekehrten Lüster funkeln.
„Mit großem Engagement und höchster fachlicher Sorgfalt ist es gelungen, die kostbare Originalsubstanz dieses einzigartigen Gesamtkunstwerks zu bewahren und zugleich modernste konservatorische Standards zu berücksichtigen“, betonte Hermann Auer, der Präsident der Bayerischen Schlösserverwaltung, in seiner Ansprache. „Die Kolleginnen und Kollegen aus der Bauabteilung und dem Restaurierungszentrum der Schlösserverwaltung haben mit außerordentlicher Fachkenntnis und unermüdlichem Einsatz entscheidend dazu beigetragen, dass wir dieses denkmalpflegerisch anspruchsvolle Projekt auf höchstem Niveau umsetzen konnten.“
Auer hob „die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen dem Staatlichen Bauamt Ansbach, den Restauratorinnen und Restauratoren sowie der Schloss- und Gartenverwaltung Ansbach” hervor. Der Freistaat Bayern stellte für die Sanierung des Festsaales rund drei Millionen Euro bereit. „Das ist ein starkes Zeichen für den hohen Stellenwert, den der Freistaat der Bewahrung seines kulturellen Erbes beimisst“, betonte Auer.
Bei der Sanierung sei es nicht allein um ästhetische Belange gegangen, sondern darum, „ein komplexes Schadensbild in den Griff zu bekommen”, führte er aus. Die Restaurierung war wegen statischer Probleme, lockerer Stuckfragmente, Rissen in der Deckenkonstruktion und Verfärbungen und Verlusten im Bereich der Deckenmalerei dringend erforderlich.
Ingrid Irmscher, Denkmalpflegerin bei der Bauabteilung der Bayerischen Schlösserverwaltung in München, beleuchtete Hintergründe der Sanierungsmaßnahmen und schilderte die Begeisterung des gesamten Teams für das Projekt. Während der Arbeiten hätten sich immer wieder spannende Fragen gestellt, die über das rein Fachliche hinauswiesen: Wie geht man mit früheren Retuschen um? Darf man sie beseitigen? Wie ist mit Spuren des Alters zu verfahren? Erzählen Ruß und Risse nicht auch eine Geschichte? Tilgt man mit der Entfernung die Erinnerungen? „Ein Denkmal wie dieses gehört uns nicht”, sagte Irmscher. „Man muss behutsam damit umgehen.”
Regierungspräsidentin Dr. Kerstin Engelhardt-Blum, Ansbachs Oberbürgermeister Thomas Deffner sowie Hubert Wagner, der Leiter des Staatlichen Bauamts Ansbach, und Michael Rotschedl, Vorstand der Schloss- und Gartenverwaltung Ansbach, zeigten sich in ihren Festreden einhellig begeistert vom beeindruckenden Ergebnis der Sanierung. Für passende Musik sorgte das Streichquartett des Ansbacher Kammerorchesters.
Der 1734 bis 1735 geschaffene Festsaal mit dem über 300 Quadratmeter großen Deckengemälde zählt zu den bau- und kunsthistorisch herausragenden barocken Raumensembles in Süddeutschland. Besichtigt werden kann er im Rahmen des regulären geführten Rundgangs in der Residenz. 2026 wird eine Sonderausstellung zum Kunstwerk Festsaal und zur Restaurierung gezeigt.