Wenn Rettungsdienste wie Feuerwehr und Notarzt gerufen werden, zählt oft jede Minute. Zeit kann über Leben oder Tod entscheiden. Behinderungen durch Falschparker jedoch können es für die Wehr unmöglich machen, mit großen Fahrzeugen rechtzeitig zum Einsatzort zu kommen. Vertreter von Feuerwehr, Polizei und Stadt schauten sich nun mögliche Engstellen an.
Mit dabei waren Dominic Bauereiß und Christian Klama mit der Drehleiter der FFW, Roland Lichteneber und Bastian Stegmeier von der Polizeiinspektion Neustadt sowie Bernd Reizammer vom Ordnungsamt und Bürgermeister Klaus Meier. Letztgenannten rufen oft genervte Bürger an, weil das Müllauto oder im Winter der Schneepflug wegen zugeparkter Fahrbahnen nicht durchkommen können. Es besteht Handlungsbedarf.
„Wir wollen die Bevölkerung dafür sensibilisieren, dass durch Falschparken an Engstellen auch Leben gefährdet werden können“, betont Klaus Meier vor der gut zweieinhalbstündigen Rundtour durch das Stadtgebiet. Ihn und die anderen Teilnehmer der Tour ärgert es mächtig, dass etliche Zeitgenossen wenig Einsicht zeigen und trotz wiederholter Aufforderungen, nicht an neuralgischen Punkten zu parken, weiter ihr Gefährt dort abstellen. Dieser Platz ist oft vor der eigenen Haustür.
„Wo soll ich meinen Wagen denn sonst parken? Hier ist ja nirgends Platz. Wir parken hier seit 40 Jahren und es ist noch nie was passiert.“ Sprüche wie diese kennen Vertreter der Feuerwehr und Polizei zur Genüge – und sind darüber ziemlich angesäuert.
„Das Anspruchsdenken der Leute muss sich ändern.“
„Das Anspruchsdenken der Leute muss sich ändern“, macht Roland Lichteneber aus seinem Unmut angesichts solcher Sätze keinen Hehl. Es gebe kein Recht, stets vor dem eigenen Eingang zu parken, betont er unmissverständlich. Das erklärt er auch einer älteren Mitbürgerin, die das nicht so recht einsehen will. Wenn auf dem eigenen Areal kein Platz für den Wagen ist, muss man sich eben eine Stelle suchen, wo es erlaubt ist und gegebenenfalls auch ein Stück laufen – Diskussion zwecklos.
Eine junge Mutter kann er dagegen beruhigen. Zum Be- und Entladen darf sie kurz vor dem Haus ihren Wagen abstellen. Nicht gelten lassen will man dagegen den Hinweis einer Frau, ihre Einfahrt sei zugeparkt gewesen als sie heimkam. Sie wird gebeten, ihren Wagen umgehend umzuparken. Sie hatte wie alle anderen Fahrzeugführer Glück und bekam bei der Rundtour kein Knöllchen. Parkverbote wird es auf jeden Fall in der Martin-Luther-Straße geben – einmal im Einmündungsbereich mit der Mozartstraße und dann auch im weiteren Verlauf.
Dort ist die Fahrbahn ohnehin schon eng. Eine Anwohnerin würde das sehr begrüßen, da die Müllfahrzeuge kaum durchkommen, „Das machen wir, dann kriegen wir das Ganze in den Griff“, versichert Meier. Bastian Stegmeier rät Meier zudem, dass „Tickets“ sprich Strafzettel an Unbelehrbare vom Ordnungsamt verteilt werden sollten Denn: „Bei vielen kommt die Einsicht nur über den Geldbeutel.“
Weiter geht es zur Lessingstraße. Bürgermeister Meier darf im Polizeiauto mitfahren, Bernd Reizammer bei der Feuerwehr. Die 90-Grad-Kurve stellt für die Drehleiter ein Problem dar. Dominic Bauereiß bleibt trotzdem gelassen. Er ist die Ruhe selbst und schafft es mit Rangieren. Im Ernstfall aber würde dadurch wichtige Zeit verloren gehen., Zeit, die man nicht hat.
In der Fichtestraße taucht ein anderes Problem auf. Ein Ast ragt so weit in die Straße, dass der Spiegel des großem Wagens durch das Blattwerk streift. In dem Moment schaut eine Hausbewohnerin aus dem Fenster. Sie sichert Meier zu, den Ast zu kappen. Auf eine schriftliche Mitteilung kann dank des kurzen Dienstweges in diesem Fall verzichtet werden, Bernd Reizammer steckt seinen Notizblock wieder ein, auf dem er schon einiges vermerkt hat, wo Handlungsbedarf besteht.
Weiter geht es durch das Brauhausareal, durch die Kant-, Richard-Wagner- und Flexstraße. Unterwegs machen die Polizisten einem Handwerker deutlich, dass er seinen Transporter wegfahren muss, debattieren bringt ihm nichts. Auf eine Diskussion lässt man sich auch mit einem vor der Grundschule Neues Schloss auf seinen Bruder wartenden Autofahrer nicht. Umparken, sonst gibt es Ärger. Murrend kommt der Verkehrsteilnehmer der Aufforderung nach.
In der Bachstraße soll, das steht nach der Befahrung fest, das Parken zukünftig tabu sein. Die Mindestbreite ist nicht gegeben, so dass das große Feuerwehrauto an geparkten Fahrzeugen nicht vorbei käme.
Immer wieder greifen Lichteneber und Stegmeier zum Maßband und messen nach, ob der Platz reichen würde. Ist es zu eng, kommt der Vermerk in den Block von Reizammer, dass hier demnächst niemand mehr stehen darf. Beim Abbiegen von der Waaggasse in die Würzburger Straße wird eines schnell klar. Der Platz reicht für die Drehleiter vorne und hinten nicht, wenn der Behindertenparkplatz belegt ist.
Dieser soll nun auf einen der beiden davor liegenden Parkplätze verlegt werden. Das bisher den Autofahrern mit Handicap vorbehaltene Areal soll nicht mehr genutzt werden können. Das entschärft gewaltig.
Seitens der Stadt will man nun an den problematischen Stellen das Parken einschränken. Zudem appellieren alle an die Einsicht der Autofahrenden, ihren Wagen nur da abzustellen, wo es erlaubt ist. Auf die Hilfe der Rettungsdienste kann jeder – schneller als er denkt – angewiesen sein und dann zählt jede Minute.