Rothenburg: Fledermaus-Invasion in der Georgengasse | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 30.08.2024 17:53, aktualisiert am 30.08.2024 21:08

Rothenburg: Fledermaus-Invasion in der Georgengasse

Lacht und hat keine Angst: Traudl Reingruber mit vier Fledermäusen, die sie gefangen hat. Nachts, als die Tiere dann wieder wach waren, wurden sie in die Freiheit entlassen. (Foto: Clarissa Kleinschrot)
Lacht und hat keine Angst: Traudl Reingruber mit vier Fledermäusen, die sie gefangen hat. Nachts, als die Tiere dann wieder wach waren, wurden sie in die Freiheit entlassen. (Foto: Clarissa Kleinschrot)
Lacht und hat keine Angst: Traudl Reingruber mit vier Fledermäusen, die sie gefangen hat. Nachts, als die Tiere dann wieder wach waren, wurden sie in die Freiheit entlassen. (Foto: Clarissa Kleinschrot)

Sie nimmt es mit Humor, dabei hat sie durchaus aufregende Tage hinter sich: Traudl Reingruber hat mit einer Art Fledermaus-Invasion zu kämpfen. Zeitweise waren mindestens 40 Exemplare in ihrer Wohnung und in den ehemaligen Geschäftsräumen der Reingrubers in der Georgengasse.

Sie beschreibt eine gruselige Szene mit einem Lachen am Telefon: 30 bis 40 Fledermäuse seien vergangene Woche am Donnerstagabend um sie herum geflogen, als sie in den ehemaligen Geschäftsräumen stand. „Lautlos“, beschreibt sie die Tiere und als „sehr elegant, das muss man ihnen lassen“. Berührt haben die Tiere sie nicht, „die wissen, was sie tun“. Nur mit Gläsern und Spiegeln haben sie ihre Probleme und knallen mal dagegen.

Traudl Reingruber kennt sich jetzt zwangsläufig mit den Tieren aus. Seit eineinhalb Wochen fliegen immer wieder Fledermäuse – zusammengefaltet höchstens fünf Zentimeter groß – in ihre Wohnung und in die Geschäftsräume. Dazu reichte beim ersten Mal ein gekipptes Fenster aus.


Sehr elegant, das muss man ihnen lassen.

Traudl Reingruber

Wie viele der Tiere es insgesamt sind, das weiß Traudl Reingruber nicht. Sie findet immer wieder neue. Nachdem sie schon Hilfe von der Stadt hatte und dadurch einige Fledermäuse eingefangen wurden, entdeckte sie direkt am nächsten Morgen wieder neue. „Es gibt ja so viele Möglichkeiten für sie, sich zu verstecken.“

Anfangs hatte sie noch alle Fenster geschlossen, so dass keine weiteren reinkommen. Mittlerweile öffnet sie sie wieder, so dass die, die schon da sind, wieder rausfliegen. Die Tiere, die sie gefangen hat, hat sie in Kartons gesammelt. Mehrmals hat Traudl Reingruber sie schon nachts an der Jakobskirche freigelassen. Auch ein Versuch, um die Tiere loszuwerden: Mit der Taschenlampe stand sie jetzt abends öfter am Fenster und versuchte, sie „rauszuleuchten“.

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Die Zeit der „Wochenstubenauflösung”

Doch wie richtig mit den Tieren umgehen? Dazu weiß Markus Bachmann vom Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern mehr. Er ist Ansprechpartner für gefundene Fledermäuse im Landkreis Ansbach und erklärt erst einmal, dass gerade die Zeit der „Wochenstubenauflösung“ bei Fledermäusen ist. Das heißt: Die Jungen werden flügge – und sie sind neugierig.

Deshalb fliegen sie zum Beispiel auch durch gekippte Fenster. Ältere Fledermäuse würden das eher nicht machen. Bachmann geht im Fall Georgengasse davon aus, dass es sich „mit ziemlicher Sicherheit“ um Zwergfledermäuse handelt. „Wenn also eines dieser Jungtiere in so ein gekipptes Fenster reinfliegt, kommt es nicht mehr raus. Dann fängt es das Schreien an und dann sind andere Jungtiere genauso neugierig und schauen, was da los ist. Und so fliegt eines nach dem anderen da rein.“

Nur mit Handschuhen anfassen

Das geschieht aber eigentlich nur im August und bis etwa Mitte September. Er rät deshalb – vor allem – Menschen, die in der Altstadt wohnen: Keine Fenster kippen. Lüftungstechnisch sei das ja sowieso nicht unbedingt zu empfehlen. Angst vor Fledermäusen braucht „generell niemand haben“, meint der Experte. „Sie übertragen prinzipiell keine Krankheiten.“ Im Kot seien auch keine Viren enthalten, die Menschen krank machen könnten, betont er. Die Zwergfledermäuse fressen hauptsächlich Stechmücken oder kleine Mücken – bis zu 1500 pro Nacht.

Gefährlich könne es nur werden, wenn man von einer Fledermaus gebissen werde, weil sie theoretisch Tollwut übertragen könnte. Die Wahrscheinlichkeit hierfür geht laut Bachmann aber „gegen Null. Die Wahrscheinlichkeit ist extrem gering.“ Überhaupt beißen ihm zufolge Fledermäuse nur – falls sie überhaupt beißen –, wenn man sie in die Hand nimmt. Er empfiehlt Handschuhe.


Fenster abends auf und Licht aus und dann können sie rausfliegen. Eigentlich kein Problem.

Markus Bachmann

Die Invasion bei Traudl Reingruber ist laut dem Fledermaus-Experten gar nicht so ungewöhnlich. Gerade Städte wie Rothenburg und zum Beispiel auch Nürnberg hätten „noch normale“ Populationen von Zwergfledermäusen und entsprechend auch viele Wochenstuben. Sie könnten in den alten Gemäuern gut überwintern und „verlassen deswegen diese Altstädte nicht“. In Neubaugebieten fänden sie sich eher weniger.

Sein Tipp: Wenn ein Fenster gekippt ist, einfach den Rollladen ein Stück runterlassen. Das schützt ganz gut. Geht natürlich in der Altstadt eher selten. Sollten die Fledermäuse doch ihren Weg ins Innere finden: „Fenster abends auf und Licht aus und dann können sie rausfliegen. Eigentlich kein Problem.“

Traudl Reingruber hat sich derweil mit ihrer Situation einigermaßen arrangiert und lacht sogar darüber. Ihr Kommentar: „Es bringt ja nichts.“ Sie hat auch angefangen, die Wände abzukehren – denn der Kot der Fledermäuse, der ist einfach überall.

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