Rothenburger Stadtrat auf Exkursion: Ein Tag im Zeichen des Waldes | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 24.10.2025 12:30

Rothenburger Stadtrat auf Exkursion: Ein Tag im Zeichen des Waldes

Forstamtsleiter Daniel Gros (ganz rechts) spricht über das Eschentriebsterben und die Verkehrssicherung. (Foto: Karl-Heinz Gisbertz)
Forstamtsleiter Daniel Gros (ganz rechts) spricht über das Eschentriebsterben und die Verkehrssicherung. (Foto: Karl-Heinz Gisbertz)
Forstamtsleiter Daniel Gros (ganz rechts) spricht über das Eschentriebsterben und die Verkehrssicherung. (Foto: Karl-Heinz Gisbertz)

Wie in jedem Jahr hat der Leiter des städtischen Forstamtes, Daniel Gros, aktuelle und ehemalige Mitglieder des Stadtrates und der Verwaltung durch den Wald geführt und wichtige Themen angesprochen und erklärt.

Mit dabei war auch Andreas Egl vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Der gesamte Forstbetrieb umfasst eine Fläche von rund 800 Hektar, die auf zwölf verstreut liegende Distrikte verteilt sind.

Ein Wald gezeichnet durch Stürme

Der Hospitalwald wurde durch die Stürme Vivian/Wiebke (1990), Lothar (1999) und Kyrill (2007) stark in Mitleidenschaft gezogen. Vor den Stürmen im Jahr 1990 lag der Flächenanteil der Fichte noch bei 42 Prozent, im Jahr 2011 bei 16 Prozent und heute „ist von der Fichte fast nichts mehr da“, erklärte Gros.

Alleine die Stürme Vivian und Wiebke haben rund 30.000 Festmeter Sturmholz im Hospitalwald verursacht. In den Folgejahren haben Zwangsnutzungen bei der Borkenkäferbekämpfung zu weiteren, hohen Vorratsverlusten geführt. Betrachtet man den Zeitraum der vergangenen 35 Jahre und bilanziert die Überschüsse und Defizite, die bei der Bewirtschaftung des Hospitalwaldes entstanden sind, ergibt sich ein summarischer Haushaltsüberschuss von rund 980.000 Euro.

Fichte hat 80 Jahre „Umtriebszeit”

35 Jahre seien jedoch ein sehr kurzer Zeitraum im Hinblick auf die Bewirtschaftung des Waldes. Betrachtet werden sollte mindestens der Zeitraum, den eine Baumart benötigt, um als Sämling bei der Kulturbegründung bis zur Hiebreife als Baum zu wachsen. Diese „Umtriebszeit“ beträgt bei der Fichte normalerweise 80 Jahre. Gros: „Das Klima ändert sich schneller, als die Baumart fähig ist zu reagieren.“

Auch die Buche ist eine Baumart, die aktuell vom Klimawandel sehr stark betroffen ist. Auf großer Fläche sind absterbende Buchenkronen zu beobachten. „Wir sind froh über jede Buche, die noch vital im Wald steht.“ Das Bemühen, mit der vorhandenen Naturalausstattung des Hospitalwaldes nachhaltig ein positives Betriebsergebnis zu erzielen, werde immer schwieriger. „Wenn wir den geringen Bestand an Fichten noch entnehmen, entstehen Folgekosten durch Neuanpflanzungen. Wir müssen froh sein, wenn wir eine schwarze Null schreiben.“

Forstamt sieht keinen Grund für eine Erhöhung des Einschlages

Der Hospitalwald muss unter großem Aufwand fit für die Zukunft gemacht werden– zu einem Wald, der resilient wird und unter den Bedingungen des zukünftigen Klimas bestehen kann. Um die Einnahmen zu verbessern, kommt aus Sicht des Forstamtes eine Erhöhung des Einschlages nicht in Frage.

Die Realisierung von Windkraftanlagen scheitert an den Restriktionen, mit denen die Potenzialflächen belegt sind. „Zehn Windkrafträder – dann wäre die Hospitalstiftung saniert”, erklärte Gros der Gruppe.

Stellen sollen nicht neu besetzt werden

Im Zuge einer möglichen Kostensenkung ist geplant, das Forstamt mit einem Forstwirtschaftsmeister und zwei oder drei Forstwirten zu führen. Die Stellen der Forstwirte, die altersbedingt in den Ruhestand gehen, sollen nicht neu besetzt werden. Die finanzielle Entwicklung sei bereits seit einiger Zeit absehbar gewesen.

Stadtförster Gros bleibt trotz der geschilderten Schwierigkeiten zuversichtlich und meinte: „Der Hospitalwald wird die Stiftung nicht retten, aber er wird in Zukunft für die Hospitalstiftung finanziell wieder eine positive und nicht zu unterschätzende Rolle spielen.“

„Die Waldarbeit ist extrem gefährlich“

Forstwirtschaftsmeister Uwe Meißner und seine beiden Mitarbeiter Jakob Weber und Cedrik Räbel wurden in die Waldbegehung aktiv mit einbezogen und berichteten unter anderem über die Gefahren bei der Waldarbeit. „Die Waldarbeit ist extrem gefährlich. Die vorgeschriebene Schutzausrüstung ist extrem wichtig. Jährlich kommen in Bayern etwa 20 Menschen bei der Waldarbeit ums Leben.“

Mit dem Bus ging es weiter ins Taubertal zur Haltenmühle. Hier ging es zunächst um das Thema Eschentriebsterben, einer aus Asien eingeschleppten Pilzkrankheit, die seit den 1990er Jahren auch die Esche in Europa bedroht. Wenn die Bäume entlang von Wanderwegen und Straßen stehen, für die die Stadt verantwortlich ist, hat sie deshalb auch für die Verkehrssicherheit zu sorgen. Das sind im Stadtgebiet neben einigen Parkplätzen immerhin 15 Kilometer Straßen und Wanderwege.

Unwetter verwüsteten den Taubertalweg

Experte Gros zeigte den Mitgliedern des Stadtrates und der Verwaltung die aktuelle Situation entlang des Taubertalweges. Im vergangenen September seien aufgrund starker Regenfälle einige Eschen umgefallen. Alle Eschen, die auf den Wanderweg beziehungsweise auf die Brücke über die Tauber gefallen seien, hätten entnommen werden müssen. Die betroffenen Bäume hätten überhaupt keinen Halt mehr gehabt. Die Fällung aus so einem steilen Hang sei allerdings sehr gefährlich.

Solche Verkehrssicherungsmaßnahmen würden einen stetig steigenden Trend aufweisen. Die höchst aufwendigen Maßnahmen würden außerdem sehr kostspielig sein. „Eschen können zwar äußerlich noch vital und gesund aussehen, aber das Wurzelwerk kann bereits deutlich geschädigt sein. Solche Bäume können ohne weitere Einwirkung einfach umstürzen.“

Andreas Egl vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Ansbach meinte dazu: „Solche abgestorbenen Äste an den zu fällenden Bäumen heißen bei uns Witwenmacher.”

Weiteres Tagesprogramm

Am Nachmittag stand das Thema „Verkehrssicherungspflicht im Wald“ auf dem Programm. Es gelte vor allem in Bereiche mit öffentlichem Verkehr oder erhöhter Frequentierung Gefahren zu vermeiden.

Forstwirt Sven Kilian demonstrierte als Seilkletterer die Entfernung von Totholz mit der Handsäge aus einer Baumkrone. Er hat als Erster die notwendigen Fortbildungen absolviert und den Seilkletterschein A erworben. Nach etwa 300 Praxisstunden werde der Seilkletterschein B folgen, der ihn dazu berechtigt, Totholz auch mit einer Motorsäge zu entfernen.

Auch Externe werden eingesetzt

Als eine der wichtigsten Maßnahmen der Verkehrssicherung nannte Stadtförster Gros die Beseitigung von Bäumen oder Ästen, bei denen die akute Gefahr des Umstürzens oder Abbrechens besteht. In Bereichen, die das Forstamt selbst nicht abdecken könne, würden zur Verkehrssicherung externe Unternehmer eingesetzt.

Die enormen Unkosten sollten durch den Einsatz eigener Arbeitskräfte mit den entsprechenden Qualifikationen langfristig deutlich gemindert werden. Seit dem Jagdjahr 2025/2026 wird die städtische Eigenjagd im Distrikt 48 („Hochholz“) in Eigenregie bewirtschaftet. Es wurden vier Pirschbezirke gebildet, die an vier Begehungsscheininhaber für ein Jahr vergeben wurden.

Im Januar 2026 ist eine Revier übergreifende Drückjagd geplant, bei der insbesondere das Schwarzwild im Fokus steht. Zum Abschluss des Tages waren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Stadtwaldbegehung zu einer Führung durch das Wildbad mit Hotelmanager Stephan Michels eingeladen.


Von KARL-HEINZ GISBERTZ
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