Der Waldumbau in Neustadt/Aisch bringt viele Herausforderungen mit sich | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 05.05.2026 11:13

Der Waldumbau in Neustadt/Aisch bringt viele Herausforderungen mit sich

Gernot Käßer (rechts) hatte viel Interessantes zu berichten.  (Foto:  Gregor Aas)
Gernot Käßer (rechts) hatte viel Interessantes zu berichten. (Foto: Gregor Aas)
Gernot Käßer (rechts) hatte viel Interessantes zu berichten. (Foto: Gregor Aas)

Welche Baumarten bevölkern den Wald der Zukunft? Wie viele Bäume braucht der Forst? Wo haben Jungbäume die besten Überlebenschancen bei heißen und trockenen Sommern? Diese und viele weitere Fragen wurden bei einer Exkursion des Forums Zukunftswaldes in Neustadt behandelt.

Ort des Geschehens waren die rund um die Kreisstadt zu findenden Wälder. Dr. Christian Kölling, Bereichsleiter des Amtes für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten Fürth-Uffenheim, leitete zusammen mit seinen Mitarbeitern Gernot Käßer und Benedikt Siegel den Exkursionstag. Der Waldumbau in Mittelfranken steht vor besonderen Herausforderungen, heißt es in einer Pressemitteilung: Die Gegend ist wegen hoher Sommertemperaturen und geringer Regenmenge auch als „Bayerische Sahelzone“ bekannt, erfuhren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Aufgrund des Klimawandels müssen die Wälder neu aufgestellt werden. „Unser heimisches Klima wird sich bis ins Jahr 2100 nach Südfinnland hinbewegen, während zu uns das Klima Südfrankreichs und Norditaliens kommt“, erklärte Kölling. Wenn sich das Klima bewege, dürften der Wald und die Bäume nicht stillstehen. Da die natürliche Baumwanderung Jahrhunderte und Jahrtausende dauert, benötigten die Wälder die Hilfe der Förster.

Von der „unterstützten Wanderung”

Der Fachbegriff lautet „Assisted Migration” – also „Unterstützte Wanderung”. Durch das gezielte Pflanzen von südlichen Baumarten wie Edelkastanie, Atlaszeder und Zerreiche sowie von heimischen „Trockentalenten” wie Eiche, Elsbeere und Vogelkirsche werde der Wald auf die kommende Klimaveränderung vorbereitet, heißt es in der Mitteilung weiter.

Als Hauptproblem nannte Kölling, dass man nicht über die Menge an Jungbäumen verfüge, um alle großen Waldgebiete umzubauen. „Hier hilft ein neues Pflanzverfahren, das sogenannte Nelderrad. Dabei werden Bäume nicht in Reihen, sondern kreisförmig gepflanzt. Der innerste Kreis, die Spielerbäume, werden dabei von den äußeren Trainerbäumen leicht bedrängt, um so ein besseres Baumwachstum zu schaffen.” Während die Spielerbaumarten meist seltene, lichtbedürftige Baumarten sind, bestehen die Trainerbäume aus heimischen, schattentoleranten Rotbuchen, Hainbuchen oder Winterlinden.

Nelderräder als des Rätsels Lösung?

Mit diesen Kombinationen werden Samenbäume geschaffen, die in Zukunft die Wälder mit ihren Nachkommen weiter anreichern sollen. Gleichzeitig bleibt durch die geringe Pflanzenanzahl des Nelderrades, das 33 Bäume umfasst, viel Platz für die Naturverjüngung, also für Bäume, die über die Samen natürlicherweise vor Ort wachsen. Diese Kombination aus gepflanzten und natürlich gewachsenen Bäumen nennt man „Anreicherungskultur”. Mehrere Nelderräder kann man im Streitwald südöstlich von Neustadt betrachten.

Auch auf die Frage, wo die Zukunfts-Bäume am Besten gedeihen, machten sich Kölling und seine Mitarbeitenden Gedanken. Die Bäume werden nicht, wie sonst in der Forstwirtschaft, in den Schatten der Altbäume gepflanzt, sondern in ein Loch. Im Revier von Gernot Käßer befinden sich dabei mehrere Lochhiebe. Dabei handelt es sich um Flächen von 600 bis 900 Quadratmetern, auf denen alle Bäume gefällt wurden.

Auf einem solchen Areal bekommen die Jungbäume viel Sonne, ohne zu verbrennen, da die umgebenden Randbäume einen nach dem Sonnenstand wandernden Schatten werfen. Eine von Benedikt Siegel erstellte Grafik zeigt deutlich: Im Lochhieb befindet sich an trockenen Tagen mehr Wasser als im dichten Wald. Der Grund: Durch die gefällten Altbäume haben die Jungbäume keine Wasserkonkurrenten mehr. Außerdem kommen auch kleine Mengen Regen in den Löchern gut am Boden an, da der Niederschlag nicht in den Kronen der Altbäume verdunstet.

Höchste Edelkastanien Bayerns besichtigt

Wie ein Wald der Zukunft aussehen kann, wurde an einem weiteren Exkursionspunkt deutlich: Im Wald eines Privatwaldbesitzers konnten die Exkursionsteilnehmenden die mit 35 Metern höchsten Edelkastanien Bayerns besichtigen. Sie werden bereits geerntet. Das heißt: Aus ihren Samen werden junge Edelkastanien gezogen und diese später in andere Wälder gesetzt.

Auch wenn die Waldbaustrategie am AELF Fürth-Uffenheim schon sehr weit fortgeschritten sei, so gebe es, wie Kölling und sein Team betonten, noch viel zu lernen, was den Umgang mit den neuen Baumarten angeht. „Wir sind hier im guten Austausch mit Forstkollegen aus Unterfranken, Baden-Württemberg und Österreich.“ Diese vielfältige Vernetzung sei wichig – für Mensch und den Wald.

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