Dass eine Veränderung auf das Wildbad zukommen würde, ahnten die Mitarbeitenden. Die Radikalität des Schrittes, den die Evangelische Landeskirche mit der Einstellung des Tagungsbetriebs und der Veräußerung der Immobilie gehen will, löste allerdings Wut und Trauer im Team aus, wie ein Gespräch mit der Redaktion zeigte.
Natürlich sei bekannt gewesen, dass ein Bewertungsprozess für die kirchlichen Tagungshäuser laufe und dieser Konsequenzen für das Wildbad bedeuten könne, erklärten Peter Krauthahn und Nora Heise von der Mitarbeitervertretung des Hauses.
Mit der vor zwei Wochen erfolgten Mitteilung, wonach der Betrieb in seiner bisherigen Form bis spätestens Ende 2025 „abgewickelt“ werden solle, habe aber niemand rechnen können. Das gesagt zu bekommen, sei schon heftig gewesen.
Kritisiert wird von den beiden vor allem, dass die Verantwortlichen seitens der Landeskirche die Schließungsgründe „bisher nicht transparent und nachvollziehbar kommuniziert“ hätten. „Die Anerkennung für unsere geleistete Arbeit ist vor diesem Hintergrund nur ein schwacher Trost“, betont Nora Heise.
Die schlechte Nachricht passe auch überhaupt nicht zur positiven wirtschaftlichen Entwicklung seit Ende der Pandemie, sagt Peter Krauthahn. Die Übernachtungszahlen und mit ihnen die Umsätze seien wieder deutlich gestiegen. Die Auslastung liege bei über 60 Prozent.
Die Zahl der Buchungen durch kirchliche und auch nichtkirchliche Gruppen nehme zu. „Es läuft gut“, so Peter Krauthahn, der die imposante Anlage kennt wie kein Zweiter. Denn er ist dort seit 29 Jahren als Hausmeister tätig.
Mehr als 90 Kultur-Events in diesem Jahr seien überdies ein Beweis für die örtliche und überregionale Bedeutung des Wildbads als Veranstaltungsort, ergänzt Nora Heise, zu deren Aufgaben unter anderem die Öffentlichkeitsarbeit gehört. Sie stieß vor vier Jahren zum Team – mit ihrem Mann Christof Friese, der Küchenchef im Wildbad ist.
Die Schließungspläne hätten bei vielen im Team Existenzsorgen ausgelöst, sagt sie und berichtet von zwei jungen Familienvätern, die – auf einen sicheren Job im Wildbad setzend – gerade ihre Eigenheime umbauen. Emotional mache die angekündigte Einstellung des Tagungsbetriebs vor allem auch jenen zu schaffen, die praktisch ihr komplettes Arbeitsleben hier absolviert hätten, berichtet Peter Krauthahn. Er denkt da vor allem an zwei Hauswirtschafterinnen, die seit 36 Jahren im Wildbad tätig sind.
Zur Belegschaft gehören auch einige Frauen und Männer mit Migrations- oder Fluchthintergrund sowie Personen mit körperlichen Beeinträchtigungen. „Diese Menschen fragen sich nun natürlich, wie sie nach einem möglichen Jobverlust auf dem ersten Arbeitsmarkt klar kommen sollen“, erklärt Nora Heise.
Alle im Team identifizierten sich mit dem Wildbad und nähmen es als besonderen Arbeitgeber wahr. Umso schwerer falle es der Belegschaft, die neue Situation zu verdauen. Ziel sei dennoch, motiviert weiterzumachen – auch im Sinne einer konstruktiven Lösung, sollte eine solche doch noch gesucht werden für das Haus.
Der 1903 als Kurhotel eröffnete Wildbad-Gebäudekomplex, der später als Kriegslazarett, Kinderheim, Vertriebenen-Domizil und Polizei-Ausbildungszentrum fungierte, wird in der Trägerschaft der Evangelischen Landeskirche seit 1983 als Tagungszentrum betrieben.