Schlaf gut, Ostsee! Eine Übernachtung im Strandkorb | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 26.07.2026 05:37

Schlaf gut, Ostsee! Eine Übernachtung im Strandkorb

Zwischen den klassischen Tagsüber-Strandkörben, stehen am Eckernförder Südstrand zwei Exemplare, in denen man auch schlafen kann.  (Foto: Ricarda Dieckmann/dpa-tmn)
Zwischen den klassischen Tagsüber-Strandkörben, stehen am Eckernförder Südstrand zwei Exemplare, in denen man auch schlafen kann. (Foto: Ricarda Dieckmann/dpa-tmn)
Zwischen den klassischen Tagsüber-Strandkörben, stehen am Eckernförder Südstrand zwei Exemplare, in denen man auch schlafen kann. (Foto: Ricarda Dieckmann/dpa-tmn)

Wie lange ich auch auf die Wellen schaue: Den Gedanken „Jetzt reicht es langsam mal“ produziert mein Gehirn einfach nicht. Mein innerer Meer-Akku hat noch nie 100 Prozent erreicht. Aber vielleicht macht es einen Unterschied, wenn ich nicht nur einen Nachmittag am Meer verbringe, sondern Abend, Nacht und Morgen dranhänge – also am Strand schlafe?

Das möchte ich ausprobieren, also habe ich eine Nacht in einem Schlafstrandkorb gebucht. Der steht am Strand von Eckernförde an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste, rund 25 Kilometer nördlich von Kiel. 

Das Strandkorbabenteuer beginnt damit, dass wir - ich habe meinen Mann im Gepäck - gegen 14 Uhr an der Tourist-Info zwei Schlüssel in Empfang nehmen. Einer öffnet uns den Strandkorb, einer das öffentliche WC an der Promenade, wenn mitten in der Nacht die Blase drückt. 

Wie Zelten, nur mit weniger „Autsch!“ im Rücken

Mit einer proppenvollen Strandtasche zwischen uns watscheln wir die wenigen Minuten bis zum Meerwasserwellenbad, wo unser Schlafstrandkorb wartet. Kissen, Laken und Bettdecke muss man selbst mitbringen - wie beim Zelten. Gut, dass wir auch an eine batteriebetriebene Zeltlampe und eine Powerbank zum Handyladen gedacht haben. Denn Licht und Strom gibt es im Schlafstrandkorb nicht.

Unter den neugierigen Blicken eines spielenden Mädchens öffnen wir das Vorhängeschloss und klappen das graue Verdeck nach hinten. Die gepolsterte Liegefläche kommt mir etwas schmaler vor als mein 1,40-Meter-Bett zu Hause. Den Menschen, mit dem man hier übernachtet, muss man also gernhaben. 

Beim Hochklappen des Kopfteils offenbart sich Stauraum, der immerhin für einen größeren Rucksack reicht. Alles andere werden wir am Fußende verstauen müssen - eingezogene Beine, ahoi! 

Fazit nach einem ersten Probeliegen: Die Matratze ist einigermaßen bequem, fieses Rückenzwicken morgen früh dürfte nicht zu erwarten sein. Wenigstens ein Unterschied zum Zelten. Weiteres Detail: Beim Liegen kann man seitlich durch Bullaugen herausgucken, die sich mit einem Handgriff vor den Blicken neugieriger Strandgäste verschließen lassen. 

Gemütlichkeit bei Schmuddelwetter

Am Nachmittag melden sich Kaffeedurst und Fischbrötchenhunger - also machen wir uns fertig für eine Eckernförde-Runde. Beim Aufbrechen sehen wir, dass das neugierige Mädchen halb in den verschlossenen Nachbar-Schlafstrandkorb hineingekrochen ist. Müssen unsere Kuscheltiere Angst vor einer Entführung haben? Wir krabbeln kurz in unseren Strandkorb und vergraben sie tief im Rucksack. Sicher ist sicher. 

Als wir satt zurückkehren, sind die Kuscheltiere noch da - der kleine Zaungast hingegen ist weg. Der Blick in den Himmel könnte die Erklärung liefern. Eine dunkle Schietwetter-Front steht in den Startlöchern. Der Strand ist nahezu menschenleer. 

Als die ersten Tropfen fallen, klappen wir das Verdeck zu. Wie beim Zelten erweist sich das leichte Trommeln des Regens als ein Gemütlichkeits-Boost. Sogar der Meerblick bleibt einigermaßen erhalten: Die Plane hat einen transparenten Einsatz. Vereinzelt spazieren Menschen mit bunten Regenschirmen und -jacken an der Wasserkante entlang. 

Nach einer Viertelstunde ist es wieder trocken, der Himmel hellt sich auf. Es wird nicht der letzte Schauer gewesen sein. 

Nur eines fehlt: das Rauschen des Meeres

Während in den ersten Strandkorbstunden noch alles neu ist, stellt sich zum Abend hin mehr Ruhe ein. Wir gehen essen - Kochen geht ja nicht - und machen es uns im Anschluss gemütlich. 

Ich schlüpfe in einen langen Schlafanzug, ziehe einen Pullover über, krieche unter die Decke. Kurz werfen wir die Frage auf: „Was machen wir jetzt?“, belächeln uns im nächsten Moment aber selbst. Denn hier zu sitzen und diesen Ort auf sich wirken zu lassen, reicht völlig aus. 

Es gibt einiges zu sehen. Jetzt, um 21.45 Uhr, ist der Himmel klar und bietet alle denkbaren Farbnuancen zwischen Zartblau und Pastellrosa auf. Wolken wandern über die Eckernförder Bucht, in der Ferne zieht ein Vogelschwarm vorbei, es könnten Gänse sein. Ich frage mich, wann ich mich zuletzt minutenlang nur dem Himmel gewidmet habe. 

Doch da fehlt doch was. Wir sind an der Ostsee, Meeresrauschen hören wir aber nicht. Weil es nahezu windstill ist, kräuselt sich das Wasser nur ein winziges bisschen – Wellengang kann man das nicht nennen. 

Schlafen an einem öffentlichen Ort

Um kurz vor Mitternacht schlurfen wir in Schlafanzügen zum öffentlichen WC und putzen uns die Zähne. Der Tag ist zu Ende. Obwohl ich müde bin, brauche ich ewig, um einzuschlafen. Angst habe ich nicht, dennoch lässt mich der Gedanke nicht los, dass unser Outdoor-Bett an einem öffentlichen Ort steht. 

Und das ist auch zu hören. Der Stoff des Verdecks hält zwar Regen und Wind ab, lässt aber sämtliche Geräusche durch. Etwa die Technobeats aus der Musikbox, mit der jemand mitten in der Nacht am Strand entlangläuft. Oder ein seltsames Brummen, das wir dem Marinestützpunkt hier in Eckernförde zuschreiben. 

Am sehr frühen Morgen, als es bereits hell ist, treffen sich die Möwen zum - man könnte sagen - „Wer kreischt am eindrucksvollsten?“-Contest. Kurz später prasselt ein kräftiger Regenguss auf den Stoff des Verdecks nieder. Kurz: Ich zähle gar nicht mehr mit, wie oft ich in dieser Nacht wach werde. 

Gegen halb acht ist die Nacht dann endgültig vorbei. Ich bin gerädert und verschwitzt, als ich aufwache. Obwohl für den Morgen eigentlich Regen vorhergesagt war, knallt die Sonne aufs Verdeck. Im Strandkorb ist es warm und stickig - wie im Zelt. 

Ein Fußbad zum Wachwerden

Ich befreie mich von der Decke und öffne das Verdeck. Am Himmel ist kaum eine Wolke zu sehen. Es ist so hell, dass ich die Augen zusammenkneifen muss. Die Sonne spiegelt sich in der Eckernförder Bucht, das Wasser funkelt. Etwa 50 Meter neben dem Schlafstrandkorb rollen die Teilnehmerinnen eines Yogakurses ihre Matten aus. 

Mit nackten Füßen laufe ich ans – und ins – Wasser. Mehr als Füßebaden ist aber nicht drin. Denn die Wassertemperatur liegt jetzt im Frühsommer gerade einmal bei 15 Grad, die Kälte schmerzt fast in meinen Füßen. Immerhin bin ich jetzt ein paar Prozent wacher. 

Noch wacher macht mich der grüne Tee, den wir auf einem Mini-Morgenspaziergang zusammen mit Croissants und Brioches in der kleinen französischen Bäckerei „Boulangerie Rustique“ besorgt haben. All das genießen wir mit Meerblick in unserem Strandkorb. Was es zum Frühstück ebenfalls gibt? Na klar, den nächsten Regenschauer.

Zeit zusammenzupacken - und zwar so, dass möglichst wenig Sand in den Taschen landet. Um kurz vor 10 Uhr geben wir die Schlüssel bei der Tourist-Info ab.

Fast 20 Stunden haben wir an der Ostsee verbracht. Ich nehme viel Müdigkeit mit, aber auch einen gut geladenen Meer-Akku. Voll ist er aber auch dieses Mal nicht. Es hätte ruhig noch eine Stunde mehr im Strandkorb sein können.

Tipps, Links, Praktisches:

Schlafstrandkorb: Eine Nacht im Outdoor-Bett in Eckernförde kostet für zwei Personen inklusive Endreinigung und Kurtaxe knapp 80 Euro. Buchen kann man unter: ostseebad-eckernfoerde.de/Strandschlafen-eckernfoerde

Standorte: Schlafstrandkörbe gibt es in verschiedenen Orten an der deutschen Nord- und Ostseeküste, unter anderem in Travemünde, Grömitz, auf der Insel Föhr, in Büsum und auf Norderney. Einige Anbieter stellen Bettzeug und Frühstückskörbe zur Verfügung, bei anderen muss man sich selbst kümmern. In aller Regel bekommt man Zugang zu einem öffentlichen WC. Duschen ist in der Regel nur an den öffentlichen Strandduschen möglich. 

Saison: Die Saison reicht - je nach Region - von Mai bis Mitte/Ende September.

Wetter: Schlafstrandkörbe sind regen- und wetterfest. Eine kostenlose Stornierung oder Umbuchung aufgrund von Regenwetter schließen die Anbieter in der Regel aus. Bei amtlichen Unwetterwarnungen kann es anders aussehen - einfach bei der Buchung schlaumachen. 

Weitere Informationen: sh-tourismus.de/schlafstrandkorb

© dpa-infocom, dpa:260726-930-438753/1


Von dpa
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