Johanna Kottek ist seit Anfang des Jahres die neue Leiterin des Sozialpsychiatrischen Dienstes (SpDi) der Diakonie Neustadt. Die 32-Jährige ist Psychologin und Psychotherapeutin in Weiterbildung. Bisher war sie in verschiedenen Kliniken tätig sowie in der Flüchtlings- und Integrationsberatung der Diakonie aktiv.
Nun freut sich die Landkreisbewohnerin, die in Innsbruck studiert hat, auf ihre neue Leitungsaufgabe. Diese hatte zuvor Antonie Burmester inne. Kottek gehört zum Team aus Psychologen, Sozialpädagogen und Gerontologen, das Menschen mit einer psychischen Erkrankung berät, oder die von einer seelischen Krise betroffen sind. Auch Angehörige können sich an die Stelle wenden. Möglich ist dies nicht nur in Neustadt, sondern zudem in den Außenstellen in Bad Windsheim und Uffenheim. Sollte jemand nicht mobil sein, bietet man Hausbesuche an, teilt Sozialpädagogin Petra Schlegel im Gespräch mit unserer Zeitung mit. Sie und Johanna Kottek unterstreichen, dass es den Termin für ein Erstgespräch sehr schnell gibt.
„In einer akuten Krise ist dies oft schon am nächsten Tag möglich.“ Länger als zwei Wochen sollen sich Hilfesuchende nicht gedulden müssen. Dies ist für die Betroffenen sehr wichtig. Neue Termine werden dann rasch im Anschluss vergeben.
Eine telefonische Vereinbarung ist unter der Rufnummer 09161/873571 möglich. Die Beratung ist kostenfrei, für jeden offen, es bedarf keiner ärztlichen Überweisung. Das Team unterliegt der Schweigepflicht. Die Gründe, weshalb sich Mitbürgerinnen und Mitbürger ab 18 Jahren an den SpDi wenden, sind vielfältig. Depressionen, Angstzustände, Zwänge, Belastungsstörungen, psychosomatische Beschwerden, bipolare Erkrankungen, aber auch Persönlichkeitsstörungen, suizidale Gedanken, seelische Belastungen im Alter, Krankheiten, Familien- und Partnerschaftsprobleme lassen Betroffene zum Hörer greifen, um einen Termin zu vereinbaren.
„Manche Klientinnen und Klienten kommen über Jahre immer wieder in die Beratung oder greifen auf Unterstützungsangebote zurück“, erklären Kottek und Schlegel. Viele belassen es jedoch bei einem bis zu vier Kontakten. Neben der Beratung gibt es Gruppenangebote wie etwa freizeitgestaltende Gruppen, Entspannungs- und Angstbewältigungsgruppen und ein Sozialkompetenztraining. Angedacht ist, in Uffenheim eine offene Gesprächsgruppe anzubieten.
Stark frequentiert wird die gerontopsychiatrische Fachberatung für Seniorinnen und Senioren. „Mit dem Alter kommen mehr Herausforderungen“, merkt die neue Leiterin mit Blick auf das Alter der Hauptklientel an. Dieses liegt zwischen 60 bis 69 Jahren, zeigt ein Blick in die Statistik. Der Renteneintritt, Vereinsamung, körperliche Gebrechen und eine neue Tagesstruktur – das sind nur einige der Themen, die anfallen. Die Nachfrage nach dem Angebot der SpDi steigt kontinuierlich. Waren es 2020 noch 473 Klientinnen und Klienten, kletterte die Zahl 2023 schon auf rund 600 Personen.
Auf ein Thema, dem man sich auch im Rahmen eines Vortrages widmen möchte, weist Johanne Kottek hin. Es betrifft ADHS (Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung) im Erwachsenenalter. Johanna Kottek und Albrecht Kirchner-Zeitz, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, werden darüber informieren. ADHS beginnt im Kindesalter, wird aber manches Mal erst später entdeckt.
Erwachsene haben dann häufig Probleme, ihren Alltag zu strukturieren und konzentriert zu arbeiten. Viele Menschen mit ADHS haben Selbstwertprobleme und Schwierigkeiten bei sozialen Kontakten. Möglich sind zudem Begleiterkrankungen wie Depressionen. „Wer als Erwachsener die Diagnose erhält, für den ist es oft eine Erleichterung. Er oder sie erlernt einen anderen Umgang damit“, weiß Kottek aus beruflicher Erfahrung. Eine Medikamentation kann entlasten, ebenso vermögen Verhaltenstechniken zu helfen, mit denen man lernt, damit umzugehen und Prioritäten zu setzen.
Nicht vergessen dürfe man, dass Menschen mit ADHS auch viele Stärken haben. Wichtig ist der Psychologin, dass man nicht nur das Negative sieht und stigmatisiert, sondern dass in der Gesellschaft positive Aspekte ebenfalls ankommen. „Die Menschen sind häufig kreativ und fantasievoll, geistig beweglich und multitaskingfähig. Sie sind begeisterungsfähig und haben vielseitige Interessen.“ Das Arbeitspensum, das sie schaffen, sei zumeist hoch. „Sie sorgen oft für frischen Wind.“ Der ADHS-Vortrag findet am 28. Februar, von 18 bis 20 Uhr im evangelischen Gemeindezentrum in Neustadt, statt. Anmelden kann man sich unter der Telefonnummer 09161/873571 oder persönlich im Sekretariat, Untere Schlossgasse 7.