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Veröffentlicht am 25.08.2023 17:47

Seltene Art: Ein Schwarzstorch landet in Ipsheim

Sieht das nicht aus wie im Märchenwald? Ein Schwarzstorch mit Brut. Das Elterntier wirkt verantwortungsvoll, der Nachwuchs ist schon unternehmungslustig. (Foto: LBV-Bildarchiv/Hans Schoenecker)
Sieht das nicht aus wie im Märchenwald? Ein Schwarzstorch mit Brut. Das Elterntier wirkt verantwortungsvoll, der Nachwuchs ist schon unternehmungslustig. (Foto: LBV-Bildarchiv/Hans Schoenecker)
Sieht das nicht aus wie im Märchenwald? Ein Schwarzstorch mit Brut. Das Elterntier wirkt verantwortungsvoll, der Nachwuchs ist schon unternehmungslustig. (Foto: LBV-Bildarchiv/Hans Schoenecker)

Er lebt im Wald, ist scheu und obendrein noch selten: der Schwarzstorch. Diese Woche war die Freude groß, als ein Jungvogel auf dem Dach des Kastenbaus in Ipsheim landete. Anderthalb Tage hat ihn Michael Höfner von seinem Wohnhaus aus beobachtet – und zuerst wunderte er sich noch, was das wohl für ein Vogel sei.

Doch schnell wurde ihm klar, dass es ein junger Schwarzstorch sein muss. Das bestätigte Storchenexperte Erwin Taube, der ebenfalls in Ipsheim wohnt. Einen roten Schnabel, rote Beine und rot umrandete Augen bekommt der Jungvogel erst noch. Sein Gefieder ist noch nicht voll ausgebildet – dann wird es leicht grünlich-lila schimmern.

Gegenüber dem heute häufigen Weißstorch (Ciconia ciconia) macht sich der Schwarzstorch (Ciconia nigra) rar: Nur eine einzige nachgewiesene Brut mit vier Jungen gilt für heuer im Landkreis als gesichert, sagt Taube. Diese findet sich im Steigerwald. Den Ort hält er geheim.

„Es dürften aber aktuell etwa fünf Schwarzstorch-Brutpaare im Landkreis sein“, mutmaßt der Experte, der im Auftrag des Landesbundes für Vogelschutz seit Jahrzehnten den Storchenbestand erfasst. Gerne nistet „Ciconia nigra“ in der Nähe von Bächen.

Der erste Brutnachweis im Landkreis war im Jahr 2010 gelungen. „Vielleicht gab es bereits vorher einzelne Bruten“, so der Vogelfreund aus Ipsheim. Danach erfolgten regelmäßige Schwarzstorch-Einzelbrutnachweise. Aus den jüngst vergangenen Jahren gibt es vermehrt, aber immer noch spärliche Beobachtungen von Einzelvögeln, vor allem nach der Brutzeit.

Erwin Taube erinnert sich an eine Schwarzstorch-Brut in Langenfeld und an eine in Langensteinach bei Uffenheim. Bei Letzterer wurden die Jungen sogar „besendert“ – das heißt, sie erhielten Sender, mit denen die Vogelkundler die Flugrouten und Aufenthaltsorte ermitteln konnten. Diese unterschieden sich nicht von denen des Weißstorchs; auch hier gab es sowohl Ostzieher über die Türkei als auch Westzieher über Gibraltar. Das Ziel jeweils: Afrika. Die Wege des Ipsheimer Jungstorchs wird man aber nie erkunden können.

Ein wirklich seltenes Glück

Der Schwarzstorch wird sich nicht so vermehren wie der Weißstorch, betont Taube. Der Schwarzgefiederte „ist sehr empfindlich in der Ansiedlungsphase“. Man sollte deshalb mit Waldarbeiten vorsichtig sein, vor allem, wenn ein Einsatz mit dem Harvester ansteht. Einen Schwarzstorch zu beobachten, wie es Michael Höfner erlebte, das sei schon ein seltenes Glück, so Taube. Losziehen und den Großvogel zu suchen, das sei dagegen keine gute Idee: Nicht nur, dass man ihn stören würde, „finden tut ihn eh keiner“, ist sich Taube sicher.

Bleibt noch die Frage, warum der junge Schwarzstorch ausgerechnet nach Ipsheim kam. War das nur Zufall? Oder hat das Jungtier gemerkt, dass sich hier der Experte befindet? Stammt er aus dem Hohenecker Forst, wo einmal ein verlassenes Schwarzstorchnest gefunden wurde, das niemals bebrütet war?

Auf alle Fälle ist der schwarze Vogel ein interessantes Tier, das sich auch mit seinen weißen Artgenossen verträgt, auch wenn es deren Gesellschaft nicht unbedingt sucht. In Bayern gilt der Schwarzstorch nicht als gefährdet. In osteuropäischen Ländern ist er häufiger.


Von Anita Dlugoß
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