Die Rettung der bedrohten Bachmuscheln im Rehberggraben bei Altmannshausen (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) ist nach Einschätzung von Jana Stepanek, Sigrid Baurmann, Andrea Kerskes und Doris Hofmann ein Musterbeispiel für erfolgreichen Naturschutz. Sie setzen sich im Team für den Erhalt dieser seltenen Art ein.
Die Wathose wird hochgezurrt, der Kescher aus dem Kofferraum geholt und eine Übersichtstafel der hier vorkommenden Muschelarten in die Hand genommen. Damit ausgerüstet machen sich Jana Stepanek, Sigrid Baurmann, Andrea Kerskes und Doris Hofmann auf dem Weg an die Ufer des Rehberggrabens.
Einige Flurstücke rund um den Rehberggraben, ein Zulauf zur angrenzenden Bibart, hat die höhere Naturschutzbehörde der Regierung von Mittelfranken gekauft. Andere Feldstücke gehören bereits einer Gemeinde und bei wieder anderen Flächen wurden die Pachtverträge den jeweiligen Naturschutzbestimmungen angepasst, erklärt Andrea Kerskes von der Regierung von Mittelfranken.
Der Rehberggraben, die Bibart und die nahe Umgebung sind eines der beiden Projektgebiete der Bezirksregierung, wo die zu schützenden Bachmuschelarten besonders häufig vorkommen. „Ein Erfolgsprojekt des Naturschutzes“, betont Kerskes und blickt zufrieden entlang des Rehberggrabens. Schutzmaßnahmen werden hier besonders intensiv angegangen.
Auf den neu gewonnenen Flächen werden Bäume gepflanzt, die Schatten spenden und die Vegetation im Wasser abkühlen, erklärt Projektleiterin Doris Hofmann. Diese Maßnahmen sind entscheidend für den Erhalt der seltenen Arten in Fluss- und Bachbereichen, meint Andrea Kerskes. Vor vielen Jahren sollen die Vorkommen an Muscheln in den lokalen Bachläufen sehr groß gewesen sein, erklärt die Biologin Sigrid Baurmann.
Austrocknungen der Fließgewässer, eingeleitete Substanzen und die landwirtschaftliche Nutzung der angrenzenden Flächen haben der Muschelpopulation über die Jahre schwer geschadet. Durch den Kauf der angrenzenden Flächen wird die landwirtschaftliche Bewirtschaftung eingeschränkt. Düngemittel sind verboten und die Wiesen werden nur in Absprache gemäht. Diese Regelungen schaffen nicht nur einen geschützten Lebensraum für Muscheln, sondern auch für viele andere Arten, welche in der Nähe von Bachläufen beheimatet sind.
Die Bachmuschelbestände sind in Bayern aufgrund des anhaltenden Bestandsrückgangs und trotz intensiver Schutzbemühungen akut vom Aussterben bedroht. In der gesamten Europäischen Union stehen Bachmuschelarten bereits unter Schutz. Zudem ist sie in Deutschland eine nach dem Bundesnaturschutzgesetz besonders streng geschützte Art.
Ein weiterer Feind der Muscheln ist die Bisamratte. Das Nagetier stammt ursprünglich aus Nordamerika und wurde in Deutschland zur Pelzzucht eingeführt. Bisamratten richten an den Muschelbeständen starke Schäden an. Innerhalb kürzester Zeit können mehrere hundert Muscheln einem Tier zum Opfer fallen. Bei Sichtungen von Fraßplätzen des Nagetiers informieren die Muschelbetreuer Bisamjäger über den Fund. Die speziellen Jäger stellen Fallen auf, welche den Bestand der natürlichen Feinde verringern und das Muschelvorkommen damit schützen sollen.
Untersucht werden von den ehrenamtlichen Muschelberatern auch die Reste der toten Tiere. Bissspuren an Schalen oder der übrige Inhalt in dem Gehäuse der Muscheln können Rückschlüsse auf den Tod der Tiere geben. Diese Nachforschungen können Gründe für den Rückgang der Bachmuschel in bestimmten Bereichen liefern
Bei ausgetrockneten Gewässern oder umgeleiteten Bachläufen aufgrund von Baumaßnahmen muss schnell gehandelt werden. Deshalb helfen ehrenamtliche Experten und andere Freiwillige bei spontanen Rettungsaktionen oft mit.
Trotz der Bedrohung durch menschliche Aktivitäten und natürliche Feinde haben Hochwasserphasen dagegen einen positiven Effekt auf die Muschelbestände. Wirtsfische, wie der Dreistachelige Stichling, können die Larven der Bach- und Teichmuscheln aufnehmen und damit die Muschelpopulation verbreiten. Für die Region sucht man schon länger nach Berater-Nachwuchs, bestätigt Kerskes. Allerdings geht es dabei nicht um alle Gewässer im gesamten Gebiet, sondern vielmehr um explizite Flüsse. Aisch, Wörnitz und Altmühl nennt Andrea Kerskes da als bislang gering besetzte Gebiete.
Jedes Jahr bietet die Regierung von Mittelfranken einen kostenlosen Ausbildungskurs an. Neben Bestimmungsübungen und Exkursionen werden rechtliche Grundlagen des Naturschutzes vermittelt. Fertig ausgebildet können sich Muschelberater dann auf den Weg machen und ihre Funde an die Naturschutzbehörde vermelden. Der Kurs wird oft von Naturfreunden besucht. So nehmen Jäger, Angler und Mitarbeiter im Bereich des Naturschutzes häufig daran teil.