Hatschi! Jetzt im Frühling müssen Sie wieder niesen - und zwar so oft hintereinander, dass es Sie durchschüttelt? Willkommen in der Pollensaison!
Heuschnupfen ist hierzulande die häufigste Allergie: Schätzungsweise 15 von 100 Erwachsenen sind laut dem Portal „gesund.bund.de“ davon betroffen, Frauen etwas häufiger als Männer. Immerhin: Ein paar Dinge können Betroffene tun, um besser mit ihrer Pollenallergie zu leben. Sieben Fragen und Antworten.
Aus gleich mehreren Gründen ist es keine gute Idee, bei einer Pollenallergie gar nicht aktiv zu werden. Der Allergologe Prof. Torsten Zuberbier von der Berliner Charité zählt auf:
Unser Immunsystem meint es einfach nur gut mit uns, schießt dabei aber über das Ziel hinaus. Konkret deutet es Blütenstaub bzw. die darin enthaltenen Eiweiße fälschlicherweise als Gefahr, wenn sie auf unseren Schleimhäuten landen - und wehrt sich dagegen. Dabei kommt es zur Ausschüttung des Botenstoffs Histamin, das die klassischen Allergiesymptome auslöst.
„Wenn ich gerötete, juckende Augen, Niesreiz und eine laufende Nase habe, vielleicht auch ein Kratzen im Hals, spricht das für eine Pollenallergie“, sagt Torsten Zuberbier, der Vorsitzender der Europäischen Stiftung für Allergieforschung Ecarf ist.
Der Verdacht erhärtet sich umso mehr, wenn die Symptome nicht nach wenigen Tagen wieder verschwinden und vor allem, wenn sie stets in einem bestimmten Zeitraum im Jahr und vor allem draußen auftreten.
Wer auf Frühblüher wie Hasel und Erle reagiert, kann - abhängig von der Witterung - schon ab Februar Symptome erleiden, im März kommt dann die Birke hinzu. Die Hauptsaison für eine Allergie gegen Gräserpollen setzt im Mai ein und dauert etwa bis Ende Juli, so der Deutsche Allergie- und Asthmabund (DAAB).
Hier ist ein Facharzt oder eine Fachärztin mit der Zusatzbezeichnung Allergologie die richtige Adresse. Typischerweise sind das Haus-, Haut-, HNO- oder Lungenärzte.
Wer dort gut vorbereitet aufkreuzen möchte, kann vorab eine Zeit lang ein Allergie-Tagebuch führen, also festhalten: Wann genau hatte ich welche Beschwerden? Nutzen kann man dafür eine Vorlage des Allergieinformationsdienstes.
Bei der Diagnostik führt Arzt oder Ärztin in der Regel einen sogenannten Prick-Test durch - bringt also Lösungen mit verschiedenen Allergenen in die Haut ein. Liefert diese Untersuchung kein klares Ergebnis, schließt sich eine Blutuntersuchung an. Dabei wird geprüft, ob darin bestimmte Antikörper nachweisbar sind.
Medikamente können eine Pollenallergie an sich nicht wegzaubern, aber sie können die Symptome lindern. So wird Durchatmen möglich - oder ein Spaziergang durchs Grün, ohne dass die Augen wie wild jucken. Zwei Medikamentengruppen sind für Pollenallergiker relevant, wobei es auch eine Kombination beider gibt.
Antihistaminika gibt es als Tabletten, Nasenspray oder Augentropfen. Der jeweilige Wirkstoff unterbindet die allergischen Reaktionen, indem er dafür sorgt, dass der Botenstoff Histamin nicht andocken kann. Das lindert Beschwerden wie juckende Augen, Niesanfälle oder kribbelnde Schleimhäute.
Bei einer verstopften Nase hingegen sind Nasensprays mit dem Wirkstoff Kortison meist hilfreicher als Antihistaminika. „Es wirkt auf alle Entzündungsreaktionen in der Nasenschleimhaut ein, führt also dazu, dass die Abwehrzellen insgesamt weniger aktiv sind“, sagt Torsten Zuberbier.
Viele greifen nur bei Bedarf zu Allergiemedikamenten - so wie man es von der Kopfschmerztablette kennt. Das bringt Allergologe Zuberbier zufolge einen Nachteil mit sich: „So laufen Sie dem Geschehen hinterher. Denn: Die Histamin-Rezeptoren werden immer empfindlicher und damit werden die Beschwerden stärker im Laufe der Zeit.“ Besser: In der Allergiesaison jeden Tag zu Tablette oder Spray greifen.
Übrigens: Bei leichteren Beschwerden am Auge reichen womöglich schon Tränenersatzmittel aus. Sie befeuchten die Augen und helfen dabei, Pollen auszuspülen. „Wichtig ist aber, möglichst konservierungsmittelfreie Präparate zu verwenden“, rät Seleman Bedar, ärztlicher Leiter des OSG Augenzentrums Siegburg. Konservierungsmittel können das Auge nämlich reizen und die Beschwerden verschlimmern.
Die schlechte Nachricht: Pollen finden immer irgendwie den Weg ins Zuhause. Allergiker können daher die Anschaffung eines Luftreinigers erwägen, der die Pollenkonzentration im Raum reduziert. Zusätzlich wird das Zuhause mit folgenden Handgriffen, zu denen der DAAB rät, etwas pollenfreier:
Medikamente behandeln bloß die Symptome. Es gibt mit der spezifischen Immuntherapie - auch Hyposensibilisierung genannt - aber eine Behandlung, die an der Ursache ansetzt.
Der Plan: Der Körper soll sich an das Allergen gewöhnen, indem er regelmäßig - per Spritze oder als Tropfen unter der Zunge - in Kontakt mit einer geringen Menge davon kommt. Dieser Prozess dauert rund drei Jahre. Mit der Zeit lernt das Immunsystem, beim Kontakt mit Pollen nicht direkt „Alarmstufe Rot“ zu signalisieren.
Bei anderen Allergien - etwa gegen Bienen- oder Wespengift - funktioniert eine spezifische Immuntherapie sehr gut, so Torsten Zuberbier. Auch bei Heuschnupfen kann die Therapie einen Unterschied machen, also die Symptome so sehr lindern, dass Betroffene weniger oder keine Medikamente mehr brauchen.
Es gibt allerdings ein „Aber“. „Der Erfolg hängt davon ab, wie gut die Therapie auf die individuelle Allergieausprägung abgestimmt ist“, sagt der Allergologe. „Es gibt zum Beispiel bei der Birke verschiedene Unterallergene, die sollten vorab geprüft werden. Nur dann ist die Hyposensibilisierung mit hoher Wahrscheinlichkeit auch erfolgreich.“ Eine Hyposensibilisierung kann also nur gelingen, wenn es vorher eine gute Diagnostik gab.
Nicht unbedingt. Meist liegt die Erklärung, warum sich die Pollenallergie gefühlt verändert, eher im Außen. Jede Saison ist anders. „Es hängt von der Menge des Pollenflugs ab, vom Wind, aber auch von der Luftfeuchtigkeit, die wiederum eine Rolle dabei spielt, wie sehr die Pollen platzen und das Allergen freisetzen“, zählt Torsten Zuberbier auf.
Übrigens: Wird man auch zu Hause immer wieder von Niesanfällen oder einer verstopften Nase geplagt, gibt es womöglich noch eine weitere Allergie - etwa gegen Hausstaubmilben.
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