Bei der Hauptversammlung der Teichgenossen in Birnbaum (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) ging es um Fischotter. Obwohl die Tiere noch nicht mal da sind und in der Gegend weitgehend unbekannt, gelten sie schon als „Staatsfeind Nummer 1”. Auf der Jahresversammlung der Teichgenossen im Aischgrund war das eigentlich so putzig aussehende Tier in aller Munde.
Woran das lag? Nun, vor einigen Jahrzehnten im Freistaat schon fast ausgestorben, erfreut sich der Otter mittlerweile wieder einer stetig wachsenden Population. Aus Richtung Tschechien kam er zunächst an Bayerns östlichen Rand, breitete sich rasch aus, zählt mittlerweile rund 1500 Tiere bayernweit, hat die Oberpfalz schon recht dicht besiedelt und nähert sich Mittelfranken.
Das alles wäre kein Problem, hätte der Fischotter nicht eine fatale Neigung: Er liebt Fisch und wo findet man auf vergleichsweise engem Raum mehr davon als in den Karpfenweihern? Dort bedient er sich, dort steigert er sich in einen wahren Blutrausch hinein – dergestalt, dass er, wie es Experte Wolfgang Städtler bei der Jahreshauptversammlung der Teichgenossen sagte, in manchen Oberpfälzer Weihern gerade noch zehn Prozent des ursprünglichen Fischbesatzes übrig lässt. Oder, wie es Altlandrat Helmut Weiß, Vorsitzender der Teichgenossen, ausdrückte: „Wenn der Otter zu uns kommt, ist es das Ende der Teichwirtschaft.“
Rund 60 Teichwirte und ihre Gäste hatten sich im Birnbaumer Stammlokal am Mittwochabend eingefunden. Zum einen um dem Rückblick ihres Vorsitzenden Norbert Reckenberger zu lauschen, zum anderen, um das Referat des vormals erwähnten Wolfgang Städtler zum Fischotter zu hören, vor allem aber auch, um zu erfahren, wie sich die Politik den Umgang mit den Teichwirten vorstellt. Dazu hatte man sich eine Riege von Bundestagskandidaten eingeladen, von denen drei gekommen waren: Martina Stamm-Fibich (SPD), Dr.Konrad Körner (CSU) sowie Leif Erik Persson (FDP). Andreas Scholz, Kandidat der Freien Wähler, hatte krankheitsbedingt absagen müssen.
Um es vorweg zu nehmen: So richtig hoffnungsfrohe Töne blieben aus. Zwar outete sich Stamm-Fibich als Tochter eines Erlanger Hobby-Teichwirts, die „schon als Kind beim Abfischen dabei“ gewesen sei. Allerdings werde in Berlin den mittelfränkischen Teichen viel weniger Aufmerksamkeit zuteil, als den größeren Fischzuchtanlagen in Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Ihr selbst sei durchaus klar, dass die Aischgrundweiher prägend für die hiesige Kulturlandschaft sowie wichtig für den Wasserrückhalt und die Ökologe seien, doch all dies sei und bleibe in Berlin weitgehend unbekannt. „Ich will hier nichts versprechen, was ich nicht halten kann“, so Stamm-Fibich, versprach dann aber doch noch indirekt, sich mal der Frage der Erzeugerpreise anzunehmen. „Die müssen wieder anders werden.“
Für die FDP sprach Leif Erik Persson davon, dass Teichwirte wegen der Bürokratie und „in Bezug auf die Prädatoren“ (Raubtiere) eindeutig „Standortnachteile“ hätten. Das sei nicht gut, denn die Teichwirtschaft sei wichtig für die Kulturlandschaft, für den Hochwasserschutz, die Ernährung und nicht zuletzt die Gastronomie: „Die Gastwirte müssen Ihnen dankbar sein.“ Er habe Respekt vor den Leistungen der Teichwirte und bekenne sich zur heimischen Tierhaltung. Sein Vorschlag, den er auch in Berlin einbringen würde, ziele auf die Fischräuber ab: Deren „Entnahme“ (Tötung) – egal ob Biber, Otter oder Kormoran – müsse einfacher werden, denn deren Schutz gehe zu Lasten anderer Tierarten, in diesem Fall des Karpfens.
Seitens der CSU behauptete Dr. Konrad Körner, er selbst esse sehr gerne Karpfen und er habe in seiner Jugend – Körner ist 32 Jahre alt – den Fischereischein gemacht. Wie Persson plädierte auch er dafür, die „Balance zwischen Naturschutz und dem Schutz der Teichwirtschaft“ zu verbessern und den Kampf gegen die Fischräuber „einfacher und unbürokratischer“ zu gestalten.
Nach so viel Einmütigkeit war es an Gaby Schmidt, wieder ein bisschen Leben in die Bude zu bringen. Die Uehlfelder FW-Landtagsabgeordnete und Vorsitzende des Fischerzeugerrings erinnerte an die bayerische Allgemeinverfügung gegen den Kormoran, die 2022 in München beschlossen worden war und im Bund – trotz wiederholter Nachfragen – nicht angekommen sei. Nicht die europäische Gesetzgebung sei das Problem, sondern die Trägheit der bisherigen Bundesregierung, so Schmidt und fetzte sich – durchaus humorvoll – mit Martina Stamm-Fibich, die energisch widersprach.
700 bis 800 Tonnen Karpfen würden jährlich im Aischgrund „geerntet“, erklärte Helmut Weiß – für die Region sei der Fisch ein echter Wirtschaftsfaktor. Umso mehr waren einige der Anwesenden schockiert, als sich die ehemalige und langjährige Karpfenkönigin Katrin Uano zu Wort meldete. Der Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim habe erst dieser Tage seinen Austritt aus dem Verein „Karpfenland Aischgrund“ erklärt, verkündete sie.
Bastian Kallert, Sprecher des Landratsamtes in Neustadt bestätigte auf Nachfrage, dass man dem Verein mitgeteilt habe, die jährlichen Zuwendungen, die sich im Schnitt um die 4500 Euro bewegt hätten, einzustellen. Dies sei bei den Sitzungen beschlossen worden, in denen es um Einsparpotenziale für den Kreisetat gegangen sei. Mitglied im Verein sei der Landkreis jedoch nie gewesen.
Gegenüber der Redaktion erklärte dazu gestern Helmut Weiß, dass diese Nachricht bei den Teichwirten mit Unmut aufgenommen worden sei. Er habe den Auftrag erhalten, sich darüber mit seinem Nachfolger auf dem Posten des Landrates „noch einmal auszutauschen“ und eventuell eine Rücknahme dieses Beschlusses zu erreichen.