Sorgen um Ansbacher Nahverkehr: Leere Busse und hohe Kosten | FLZ.de | Stage

arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 15.06.2023 15:10

Sorgen um Ansbacher Nahverkehr: Leere Busse und hohe Kosten

„Der Nahverkehr in Ansbach in der Krise“ lautete der Titel einer Info-Veranstaltung, zu der die Stadtrats-Fraktionen der CSU, Freien Wähler/Ansbacher und BAP in den Kaspar-Hauser-Saal des Onoldia-Tagungscenters geladen hatten. Wichtigster Programmpunkt war die Vorstellung eines preisgekrönten Mobilitätskonzepts durch die Murnauer Firma OMOBI.

Zur Begrüßung zeichnete Dr. Paul Kupser (Freie Wähler) ein dramatisches Bild von der Lage im Ansbacher Nahverkehr: häufig leere Busse, schlechte Verbindungen und Umsteigemöglichkeiten, ungenügende Anpassung zwischen Stadt und Landkreis und steigende Kosten trotz zunehmender Fahrgastzahlen. „So kann es in Ansbach nicht weitergehen“, sagte Kupser, deshalb wolle man den Öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV) „wieder in den Fokus der Öffentlichkeit rücken“.

Durch die Digitalisierung die Mobilität neu denken

CSU-Fraktions-Chef und Landtagsabgeordneter Andreas Schalk sagte, es gebe zwar ein ÖPNV-Strategiepapier des Freistaats, „aber umgesetzt werden muss das vor Ort“. Man müsse Wege finden, das Geld der öffentlichen Hand beim Nahverkehr sinnvoller zu nutzen: „Leere Busse helfen keinem.“

Clemens Deyerling und Robert Schotten von OMOBI stellten dann ihre Projekte „hoki“ – ein digitaler Rufbus in Holzkirchen (Landkreis Miesbach) – und den „Ortsbus Murnau“ vor. Man müsse durch die Digitalisierung die Mobilität neu denken, so Deyerling: „In die Fläche kommt man nur mit digitalen Lösungen.“

Weg von festen Haltestellen

Die Minibusse werden dabei von einer App gesteuert, die die Route in Echtzeit an den Bedarf der Kunden anpasst. Dieser bedarfsorientierte Nahverkehr („On-Demand“) kommt weg von festen Haltestellen. „Für Menschen mit Einschränkungen sind der Weg zur Haltestelle und der Weg von der Haltestelle zu ihrem eigentlichen Ziel das größte Hindernis.“

Über die App, also eine Anwendung auf ihrem Smartphone, oder einfach per Telefon bestellen die Bürger ihre Fahrt, und die Software passt die Route entsprechend an, um mehrere Kunden einzusammeln. „Ridepooling“ nennen Fachleute das.

Wie sehe die Finanzierung der App aus, wollte Bürgermeisterin Elke Homm-Vogel (Freie Wähler) wissen. Am Ende sei die Frage, was die Kommune wolle, sagte Robert Schotten. „Das wird dann europaweit ausgeschrieben.“ Die Software mache dabei nur fünf Prozent der Kosten aus, „das Teuerste sind die Fahrer“. Stadtwerke-Sprecher Robert Hlava räumte ein, dass die Zusammenarbeit mit den Taxi-Unternehmen in Ansbach „relativ statisch“ organisiert sei.

Linienverkehr soll trotzdem bleiben

Die Anruf-Sammeltaxis (AST) verkehren nur auf den Buslinien, nur zu festgesetzten Zeiten, und man muss sich spätestens eine Stunde vor Fahrtbeginn telefonisch anmelden.

„Wenn sich eine Kommune für eine On-Demand-Lösung entscheidet, muss sie aber wissen, welche Kosten auf sie zukommen“, sagte Hlava. „Ich sehe, solche Systeme haben Zukunft, aber es sollte weiter einen Linienverkehr geben.“

Dem stimmte Deyerling uneingeschränkt zu. Alle im ÖPNV-System müssten Hand in Hand arbeiten, also auch der Linien-Busverkehr, zum Beispiel auf hochfrequentierten Strecken und im Schülerverkehr. „Je mehr Menschen das Auto stehen lassen, umso mehr Einnahmen gehen ins ÖPNV-Gesamtsystem.“ Das jährliche von der Stadt Murnau im Landkreis Garmisch-Partenkirchen zu tragende Defizit betrage nach Abzug aller Förderungen rund 90.000 Euro.

Grünen-Fraktions-Chefin Meike Erbguth-Feldner wollte wissen, wie die Tarife für die Kunden aussehen. Die Kunden zahlten in Murnau für die einfache Fahrt 2,50 Euro, sagte Deyerling. Das sei der normale ÖPNV-Tarif: „Da kommt nichts obendrauf.“

Boris-André Meyer fragte, ob es Sinn mache, in der Stadt parallel den Parkraum für die Autos zu verknappen. Robert Schotten erklärte, man habe gute Erfahrungen damit gemacht, auch den Parkraum digital zu bewirtschaften. Entscheidend aber sei, „Alternativen anzubieten, die an die Dienstleistung des privaten Autos herankommen. Wir sind keine Autogegner.“

Die App wünschen sich auch die Taxifahrer

Ein Vertreter der Taxivereinigung wandte ein: „Wir fahren beim AST nach Bedarf. Ist kein Bedarf da, entstehen auch keine Kosten.“ Aber so eine App wie in Murnau „würde es für uns und unsere Kunden viel einfacher machen“.

Kämmerer Christian Jakobs wies darauf hin, „dass die Kosten des ÖPNV stark ansteigen werden“. Aktuell leiste man einen Defizit-Ausgleich von 1,65 Millionen Euro jährlich, prognostiziert für die nächsten Jahre seien 3,4 Millionen Euro. Jakobs: „Zielstellung sollte sein, das Defizit zu minimieren, entweder indem man die Kosten senkt oder die Einnahmen erhöht.“ Hauptproblem sei nicht die Größe der Busse. Größter Kostenfaktor seien die Busfahrer, bei denen man inzwischen Mühe habe, genügend zu finden.

Clemens Deyerling wandte ein, für die Minibusse des On-Demand-Systems brauche es „nur“ Fahrer mit einem Personenbeförderungs-Schein. Er war beeindruckt, wie viel Geld sich die Stadt Ansbach den ÖPNV kosten lässt.

Geld, dass sich sicher sinnvoller einsetzen lässt, als dafür, leere Busse durch die Gegend fahren zu lassen, wie Andreas Schalk zu Beginn der Veranstaltung gesagt hatte.

Busse der Stadtlinien auf dem Schlossplatz: Wenn sie nicht von Schülern genutzt werden, sind viele Busse untertags oft wenig besetzt. (Foto: Jim Albright)
Busse der Stadtlinien auf dem Schlossplatz: Wenn sie nicht von Schülern genutzt werden, sind viele Busse untertags oft wenig besetzt. (Foto: Jim Albright)
Busse der Stadtlinien auf dem Schlossplatz: Wenn sie nicht von Schülern genutzt werden, sind viele Busse untertags oft wenig besetzt. (Foto: Jim Albright)

Winfried Vennemann
Winfried Vennemann
Redakteur
north