Hochwasser, Zugunglück, Massenkarambolage, Erdbeben, großer Waldbrand – im Katastrophenfall ist das Landratsamt die Schnittstelle, um die Einsätze der Rettungskräfte zu koordinieren. Im Keller des Landratsamtes ist die Einsatzzentrale für rund 270.000 Euro auf den aktuellen Stand gebracht worden.
Von hier aus werden im Falle eines Falles die Kräfte von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk und Polizei koordiniert. Der Kreisausschuss hat sich nun ein Bild von den Räumlichkeiten gemacht. „Wir waren vorher eher als Raumschiff Orion unterwegs”, scherzte Landrat Dr. Jürgen Ludwig. „Jetzt haben wir versucht, das Ganze in Richtung Star Wars zu bringen.”
Der erste Eindruck ist unspektakulär. Ein Raum mit einem großen Tisch in der Mitte, zwei riesige Fernseher hängen an den Wänden. In der Ecke stehen drei Schallboxen, damit man auch im Trubel ein Telefonat oder ein Vier-Augen-Gespräch führen kann. Es ist das „Backoffice für den Einsatz”, wie Ludwig das nannte.
Doch hinter der abgehängten Decke und in den Wänden steckt einiges. Auf den wenigen Quadratmetern sind rund 500 Meter Netzwerkkabel verlegt worden, erklärte Sachgebietsleiter Jörg Scherbaum den Kreisrätinnen und Kreisräten. Mehr als ein Drittel der investierten Summe floss in die Medientechnik, unterstrich der Landrat.
Im Zweifelsfall muss alles funktionieren. Eine Notstromversorgung ist damit ebenso gemeint wie ein alternativer Internetzugang via Satellit, falls der Standardzugang ausfallen sollte. Doch es geht auch anders. Im Zweifelsfall steht ein Faxgerät bereit. „Wir können auch komplett analog arbeiten”, sagte Scherbaum und deutete auf Flip-Charts, die hinter einer Trennwand im Raum bereitstehen.
Der Sachgebietsleiter ist sehr zufrieden mit dem, was hier technisch umgesetzt worden ist. Nebenan gibt es einen Funkraum und einen Bereich, in dem die Informationen für die Entscheidungsträger aufbereitet werden können.
Die Büros des Katastrophenschutzes liegen am Gang genau gegenüber, erläuterte der Landrat. Bei Bedarf sei auf diese Weise eine Ausweitung der Zentrale denkbar. „Wenn bei einem Zugunglück Busse organisiert werden müssen, können die Telefonate auch in einem der Büros stattfinden”, erklärte Ludwig den Politikerinnen und Polikern.
Die meisten Menschen wissen nicht, dass es am Landratsamt tatsächlich einen Notdienst für den Katastrophenfall gibt. 24 Stunden am Tag. Sieben Tage die Woche. 365 Tage im Jahr. „Einer hat immer Dienst”, verdeutlichte Landrat Ludwig.
Die Auswertung der Hochwasserkatastrophe im Ahrtal habe gezeigt, dass ein Problem auch in unklaren Zuständigkeiten bestand. Das will das Landratsamt in Ansbach im Notfall vermeiden. Deshalb finden regelmäßig Übungen statt, um zu simulieren, was im Falle eines Hochwassers oder eines Sturms ablaufen muss. Wer verständigt wen? Welche Kräfte sind wo verfügbar? Wie schnell kann die Ausrüstung am Einsatzort sein?
Hans Henninger, der Stellvertreter des Landrats erzählte, dass er bereits an zwei großen Katastrophenschutzübungen teilgenommen hat. Es sei sehr beeindruckend, wie die Räder ineinander greifen, um die Krise zu bewältigen. Für CSU-Fraktionschef Stefan Horndasch trägt die neugestaltete Zentrale ihren Teil hierzu bei. „Der Raum strahlt Ruhe aus und schafft eine konzentrierte Arbeitsatmosphäre.”
Das hat sicher auch mit ein paar fast verborgenen Details zu tun. Teppich und abgehängte Decke schlucken Schall. Die Lampe in der Decke simuliert den natürlichen Tageslichtverlauf, um Müdigkeit vorzubeugen. Die Klimaanlage sorgt für Frischluft und angenehme Temperaturen. Abheben und ins All entschwinden kann der Raum aber nicht. Trotz Star-Wars-Ausstattung.