Die gute Nachricht: Das Ansbacher Boschwerk wird vom in der vergangenen Woche angekündigten Stellenabbau im Konzern nicht betroffen sein. Das haben Werksleitung und Betriebsrat – unabhängig voneinander – gegenüber der FLZ versichert. Dennoch gibt es Befürchtungen, dass das Werk im Ansbacher Ortsteil Brodswinden „spannenden Zeiten“ entgegengeht.
Die Krise der Automobil-Industrie schlage inzwischen auf den Standort durch, sagte sinngemäß der Betriebsrat-Chef Hartmut Fleiner auf Anfrage der FLZ. Nach einem Rekordjahr 2023, in dem rund 27 Millionen Steuergeräte für ABS, ESP, Airbag oder Assistenzsysteme das Werk verließen, hat man die Stückzahlen reduzieren müssen. Man habe darauf reagiert, indem man die Gleitzeit-Konten der Mitarbeiter in Anspruch genommen habe, so Fleiner: „Einen Entgelt-Verlust der Kollegen hat es bisher nicht gegeben.“
Über den Gesamt-Betriebsrat habe man vereinbart, dass an den Standorten Gespräche über Zukunftskonzepte geführt werden, so Fleiner. In Ansbach existiere ein Standort-Sicherungsvertrag, der betriebsbedingte Kündigungen ausschließe. Der müsse zunächst gekündigt werden und habe dann eine Frist von 18 Monaten. Die aktuelle Entwicklung der globalen Auto-Industrie macht allen im Werk Sorgen. „2025 wird ein ganz spannendes Jahr“, sagte der Betriebsrats-Chef.
Waren bisher vor allem die Bosch-Standorte betroffen, die an der Verbrenner-Technologie hingen, trifft es jetzt offenbar auch Werke, die Zukunftstechnologie im Portfolio haben, wie Ansbach. Dieser Markt entwickle sich anders als erwartet, heißt es in einer Mitteilung der Bosch-Konzernspitze. Bei Assistenzsystemen, Innovationen zum autonomen Fahren oder zentralen Steuergeräten hätten die Auto-Hersteller viele Projekte zurückgestellt oder gar ganz aufgegeben. Der Wandel zu elektrisch angetriebenen und softwaredefinierten Fahrzeugen verzögere sich enorm. Gleichzeitig müsse Bosch in diesem Bereich große Summen in technologische Innovationen stecken.
Währenddessen nehmen Arbeitnehmer-Vertreter einen Wandel in der Bosch-Unternehmenskultur wahr. „Wir sehen, dass das Hauptinstrument des Managements aktuell nur der Stellenabbau ist“, sagte der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Westmittelfranken, Jan Körper, zur FLZ. Dabei sei es immer eine Stärke von Bosch gewesen, „jede Krise gemeinsam mit den Mitarbeitern durchzustehen und anschließend durchzustarten“.
Man nehme inzwischen eine „zunehmende Illoyalität gegenüber den deutschen Standorten“ wahr, so Körper. Heißt im Klartext: Anderswo in der Welt würden mit in Deutschland entwickeltem Know-how Kapazitäten aufgebaut, während man daheim Arbeitsplätze abbaut. Auch wenn der Konzern versichere, das ohne betriebsbedingte Kündigungen abwickeln zu wollen: „Die Arbeitsplätze sind dann weg“, so Körper. Es gelte, so viel zukunftsfähige Technologie wie möglich an den deutschen Standorten zu halten.
Derweil ist die erste Welle an Jobverlusten, die der Bosch-Bereichsvorstand Mobility Electronics in Reutlingen Anfang des Jahres für die Steuerungs-Sparte angekündigt hatte, offenbar bereits über die Bühne gegangen. Damals war angekündigt worden, dass in dem Bereich, in dem weltweit rund 40.000 Mitarbeiter beschäftigt sind, 500 Arbeitsplätze abgebaut werden sollten – 40 davon im Ansbacher Werk.
Auf Anfrage der FLZ teilte die Werksleitung mit, für die Stellen im technischen Bereich und in der kaufmännischen Verwaltung „sind bereits konkrete Lösungen durch Renteneintritte, Vorruhestands- und Altersteilzeitregelungen, Wechsel an andere Bosch-Standorte sowie Nichtnachbesetzung bei natürlicher Fluktuation gefunden worden“. Dazu habe man bereits im Juli eine Einigung mit den Arbeitnehmervertretern erzielt.