Eigentlich mögen alle die gefiederten Freunde. Doch die Hinterlassenschaften von auf Gebäuden nistenden Störchen sorgen zunehmend für Ärger, denn die Reinigung von Dächern und verstopften Dachrinnen ist aufwendig. Diskussionsstoff liefert dieses Problem aktuell in Herrieden.
Bereits im Vorjahr hatte das katholische Pfarramt die Stadt per Antrag gebeten, die Dächer von Stiftsbasilika, Frauenkirche, Siechkapelle und Pfarrhaus „von dem Unrat“ zu befreien beziehungsweise die Reinigung finanziell zu unterstützen. In ihrer Antwort darauf kündigte Bürgermeisterin Dorina Jechnerer dann an, eine mögliche Rolle der Kommune beim Storchenmanagement in den Gremien des Stadtrats behandeln zu lassen. Weil das Problem aber nicht nur die Häuser der Pfarrei, sondern ebenso Anwesen von Privatpersonen und Geschäftsleuten betreffe, sei es nicht möglich, im Sinne des Gleichbehandlungsgrundsatzes zeitnah eine Lösung zu finden.
In diesem Sinn schlug die Rathauschefin der Pfarrei vor, die dringlichen Reinigungsarbeiten selbst in Auftrag zu geben. Ob und in welcher Art die Stadt diese Arbeiten jedoch künftig fördern werde, bleibe noch zu beraten.
Später, in der März-Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Energie und Landwirtschaft, berichtete Bürgermeisterin Jechnerer, den im November 2023 eingegangene Angeboten zufolge beliefen sich die Kosten für die Reinigung der fünf kirchlichen Gebäude auf 5414 Euro. Und dazu hieß in der Diskussion, es wäre interessant, wie andere Kommunen mit dieser Situation umgehen. Eigentlich seien die Eigentümer selbst für ihre Dächer verantwortlich, jedoch gehe es hier auch um die allgemeine Sicherheit.
Schließlich entschied das Fachgremium mehrheitlich, die Stadtverwaltung solle Gespräche mit dem Landkreis Ansbach aufnehmen und dabei anregen, dass – ähnlich wie beim Biber-Management – ein Storchen-Management eingerichtet wird, um dem Betroffenen zu helfen. Eine Bezuschussung seitens der Stadt Herrieden sei aber nicht vorgesehen.
Nun hat Norbert Brumberger von den Grünen in der letzten Stadtratsitzung vor der Sommerpause die Problematik erneut angesprochen. Auf Nachfrage der FLZ bezeichnete er anschließend Herriedens Altstadt sowie den Ortsteil Rauenzell als Schwerpunkte: „Die Störche machen viel Dreck und verschmutzen die Hausdächer.“ Aus diesem Grund müssten die Eigentümer – auch mit Blick auf drohende Starkregenereignisse – ihre Dachrinnen „ständig reinigen“, damit diese nicht verstopfen. „Das ist gar nicht so einfach und kostet einen Haufen Geld.“ Darüber hinaus seien Äste, die aus den Nestern und dann von den Dächern fallen, durchaus gefährlich – insbesondere dann, wenn sie in unmittelbarer Nähe von Hauseingängen landen.
Weiter berichtete Brumberger von Überlegungen, denen zufolge die Feuerwehr diese Arbeiten hätte übernehmen können. Doch dies sei „wegen der Konkurrenz zu Wirtschaftsunternehmen“ nicht möglich.
Indes empfehle der Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) zur Verringerung der Storchenpopulation, durch vorbeugende Maßnahmen noch vor der Nistzeit „den Nestbau unmöglich zu machen“. Und: „Da hat die katholische Kirche schon einiges gemacht, aber die Störche sind hochintelligent.“ Sie bauten ihre Horste einfach daneben.
Derweil haben die Eigentümer betroffener Immobilien offenkundig auch von höherer Stelle keine Hilfe zu erwarten: Wie Landratsamt-Pressesprecherin Josephine Georgi auf Anfrage mitteilte, sind Störche gesetzlich geschützte Wildtiere. „Bei durch ihn verursachten Schäden besteht weder für Bund, Freistaat Bayern, Landkreise oder Gemeinden eine Verpflichtung zum Schadenersatz.“ Daher gebe es seitens des Landkreises Ansbach auch keine Zahlungen etwa für Reinigungsarbeiten an Dächern.
Gerade im südlichen Landkreis lebten in mehreren Gemeinden zahlreiche Störche. Wegen Problemen mit diesen lägen jedoch seitens dieser Kommunen keine offiziellen Anfragen vor.
Zugleich betonte die Landratsamtssprecherin, dass so wie die Störche auch die Nester als deren Lebensstätten geschützt sind: Wer diese versetzen oder beseitigen möchte, „muss eine Ausnahmegenehmigung bei der Höheren Naturschutzbehörde an der Regierung von Mittelfranken beantragen.“ Darüber hinaus biete der LBV Beratungen bei Problemen mit Weißstörchen im Kreis an.
Das Bayerische Bibermanagement, das die Herriedener ins Gespräch gebracht haben, bestehe wiederum „aus den vier Säulen Beratung, Prävention, Zugriffsmaßnahmen und Ausgleichszahlungen“, so Josephine Georgi. Bei diesen Zahlungen des Freistaats handle es sich aber um „freiwillige Leistungen zur Akzeptanzsteigerung“. Ein Storchen-Management in diesem Sinn gebe es es hingegen in Bayern und damit auch im Landkreis nicht, „da die Storchenpopulation deutlich kleiner als die Biberpopulation, die Schäden geringer und die Akzeptanz größer ist beziehungsweise sind“.