Ein Video sorgt bei Weidetierhaltern der Region für Aufregung. Es zeigt möglicherweise einen Wolf, der am vergangenen Donnerstag zwischen Breitenlohe (Burghaslach) und Kleinweisach (Vestenbergsgreuth) am helllichten Tag über die Felder streifte.
Thomas Dietsch hat das Tier gesehen. Er war am Donnerstag gegen 12.30 Uhr mit dem Schlepper zwischen den beiden Dörfern unterwegs. „Zuerst dachte ich, es ist ein Hund. Aber als Landwirt kenne ich die Hunde der Umgebung ganz gut.“
Als das Tier nähergekommen sei, habe er es als Wolf identifiziert. „Ich selbst bin da ziemlich sicher“, sagt er. Es sei auch nicht sein erster Gedanke gewesen, ein Video zu drehen. Die Gestalt sei ihm also nähergekommen, als sie jetzt im Filmchen zu sehen sei. Daraus ließ sich kein scharfes Einzelbild isolieren.
Auf dem Videokanal Youtube, wo der Clip einige Aufregung auslöste, wurde die Einschätzung eines Jägers wiedergegeben: Es könnte sich auch um einen Goldschakal handeln. Das bezweifelt Dietsch. „Ich habe mir Goldschakale angesehen. Sie sind eher rötlich – dieses Tier war grau.“
Obwohl Dietsch selbst Waldschweine hält, macht er sich im Moment weniger Sorgen um sich selbst und seine Tiere, falls sich sein Verdacht bestätigt. Er kann die Aufregung vor allem unter Schäfern gut verstehen, versucht aber, die Diskussion nicht weiter anzuheizen und äußert sich zurückhaltend. Der Landwirt ist selbst etwas überrascht, dass das Video sich inzwischen anscheinend weit verbreitet hat und für lebhafte Diskussionen sorgte.
Er selbst habe es ursprünglich nur in die Dorfgruppe gestellt. Was ihn am meisten beunruhigt habe, ist, dass der mutmaßliche Wolf so gelassen war und nicht fluchtartig das Weite gesucht hat. Deshalb wollte er vor allem Familien, die spazieren gehen, warnen. Vor zwei Wochen habe ihm ein Bauer erzählt, dass er in Thüngfeld, das zu Schlüsselfeld gehört, einen Wolf gesehen habe. Auch im Landkreis gab es schon mehrere Verdachtsfälle.
Beim Landesamt für Umwelt, das ein Wildtiermonitoring betreibt, ist bisher aber nur eine Wolfssichtung verzeichnet. Sie stammt aus dem Sommer 2020 im Raum Bad Windsheim. So ist es zumindest auf den Internetseiten des Bund Naturschutz zu lesen.
Verdachtsfälle gibt es aber häufiger. Dieter Jaeckel aus dem Burghaslacher Ortsteil Buchbach hat vor zwei Jahren schon Spuren entdeckt, die er sich ebenfalls nur mit einem Wolf erklären kann.
Er macht sich mit anderen Weidetierhaltern große Sorgen um die eigenen Rinder, Schweine, Hühner und Schafe. Vor kurzem habe er in Baden-Württemberg Rinder gekauft. Der Landwirt erzählte ihm, dass er zwei Kälber und fünf Schafe durch einen Wolf verloren habe. Letztlich habe er aber die ganze Herde aufgeben müssen: Die Tiere seien völlig durch den Wind gewesen und hätten keinerlei Annäherung durch den Landwirt mehr zugelassen.
Der Buchbacher fragt sich, welches Tierwohl denn höher steht: „Das der Wölfe oder das der qualvoll sterbenden Nutztiere?“
Ein Zaun, so seine Überzeugung, kann einen Wolf nie und nimmer wirksam abhalten. Schon ein Fuchs überwinde hohe Zäune mühelos. Jedes Jahr, so Jaeckel, verliere er 300 bis 400 seiner 6000 Legehennen an Habicht und Fuchs. Sollten Wölfe in der Gegend ansässig werden, dann überlege er ein Ende der Freilandhaltung. „Ein Miteinander von Weidehaltung und Wolf funktioniert in meinen Augen nicht.“